Gewalt auf dem Fußballplatz – Wenn nicht nur gegen den Ball getreten wird

Was können Trainer, Spieler, Zuschauer und Schiris im Amateurbereich gegen Gewalt tun? Wie kann ich den Schiedsrichter positiv beeinflussen? Das sagen Trainer und Schiris…

Fußballplatz aus der Luft
Auf dem grünen Rasen hat Gewalt keinen Platz.

Geht’s noch?

Ende 2012 kam es in den Niederlanden zu einem tragischen Ereignis: Beim Spiel zweier Jugendmannschaften wurde ein Linienrichter von Zuschauern attackiert und zu Tode geprügelt.
Der Vorfall löste auch in Deutschland eine hitzige Diskussion zum Thema Gewalt auf dem Fußballplatz und speziell Gewalt gegen Schiedsrichter aus.
Aus diesem Grund hat die Gemeinschaft der Fußballtrainer (GFT) unter Vorsitz von Ludwig Trifellner und Christoph Heckl Anfang des Jahres eine Fortbildungsveranstaltung zum Thema Gewalt gegen Schiedsrichter und die Verantwortung der Trainer abgehalten.
Ziel der Veranstaltung war es, auf das Thema Gewalt im Allgemeinen und speziell gegen Schiedsrichter aufmerksam zu machen und den Trainern Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen, wie sie einen gewaltfreien und respektvollen Umgang zwischen allen Beteiligten im Fußball fördern können.

Die Sicht des Trainers

Mehr als der Trainierer

Christoph Heckl
Christoph Heckl

Den Anfang machte Christoph Heckl, stellvertretender Vorsitzender der GFT und ehemaliger Spieler und Trainer im Amateur- und auch im Profibereich. Aktuell ist er als Jugendkoordinator im

Nachwuchsleistungszentrum des FC Ingolstadt tätig.
Die Aufgaben eines Trainers sind auf den ersten Blick schnell definiert: Training planen, ausführen, organisieren, seinen Jungs bzw. Mädels Technik, Taktik und Kondition beibringen, die Mannschaft aufstellen und so weiter. Aber damit ist es nicht getan. Insbesondere im Jugendbereich müssen die Aufgaben viel weiter reichen.
Die Sonderstellung des Trainers zieht viel Verantwortung mit sich. Der Trainer steht bei Erfolg und Misserfolg im Rampenlicht. Außerdem dient er als Vorbild für die Spieler, repräsentiert den Verein und besitzt Autorität bei seiner Mannschaft. Jeder Trainer besitzt aufgrund seiner Position eine gewisse faktische Autorität bei seinen Spielern. Wenn er es zusätzlich schafft, sich durch herausragende Trainerqualitäten eine Art freiwillige Bewunderung und Anerkennung zu erarbeiten, erlangt er dadurch den höchsten Respekt seines Teams und seines Umfelds. Wenn man es als Trainer schafft, sich diese Achtung zu verdienen, ist man auf dem besten Weg, sinnvoll Einfluss nehmen zu können und auch in einer brenzligen Situation oder einem hitzigen Spiel sowohl sein Team, als auch das Umfeld im Griff zu haben.

Vorbild, Vernunft & FairPlay

Ein Trainer hat viel mehr Verantwortung zu übernehmen, als man zunächst vermuten mag. Es geht nicht nur rein um den sportlichen Aspekt, denn in erster Linie hat er mit Menschen zu tun: mit seinen Spielern, mit Eltern, mit Gegnern, mit Schiedsrichtern, mit Medien und vielen weiteren. Die Liste ist endlos. Im Idealfall übernimmt ein Trainer die Aufgabe, den Umgang mit all diesen Beteiligten positiv zu steuern.
Konkret bedeutet das, einen direkten, offenen Umgang mit allen Beteiligten zu pflegen und für Vernunft und Anstand im gesamten Umfeld zu sorgen. Dabei muss er seine Erwartungen an das Umfeld klar formulieren.
In der Spielvorbereitung sollte ein klares Bekenntnis gegenüber den Spielern und Vereinsvertretern zu FairPlay und respektvollem Umgang mit Gegenspielern und Schiedsrichtern erfolgen, um von Anfang an jeglicher Gewalt oder Eskalation vorzubeugen.
Aber auch der Coach selbst sollte seiner Vorbildfunktion gerecht werden, indem er freundlich und respektvoll auf Schiedsrichter und Gegner zugeht und sich während dem Spiel gemäßigt und diszipliniert verhält. Das heißt nicht, dass er emotionslos am Seitenrand sitzen soll, aber sich minutenlang über einen Einwurf an der Mittellinie aufzuregen oder gegen irgendeinen Akteur auf dem Platz beleidigend zu werden, ist nicht nur unsportlich, sondern auch unnötig.

Für Dich ist heute Schluss!

Außerdem kann man klare Zeichen setzen und Position beziehen, indem man Fehlverhalten eigener Spieler nicht toleriert und sie in letzter Konsequenz bei unangebrachtem Verhalten auswechselt. Auch den ständig pöbelnden Zuschauer kann man durchaus ansprechen und in die Schranken weisen.
Sich bei Schiedsrichter und Gegner zu bedanken, auch wenn man nicht mit allen Entscheidungen und Abläufen einverstanden war, spricht für einen korrekten und fairen Trainer und tut auch keinem weh.
Grundsätzlich schadet es nicht, wenn man sich mannschaftsintern auf einen Verhaltenskodex einigt und diesen auch auf das gesamte Umfeld des Vereins überträgt.
Diese Verhaltensregeln sind natürlich keine großartigen Neuerungen, sondern sollten eigentlich bereits als menschliche und sportliche Grundvoraussetzungen gelten. Zum Glück ist dies auch bei einem Großteil der Sportbegeisterten der Fall. Aber offensichtlich sind sich einige Trainer und Vereine ihrer Verantwortung nicht bewusst oder wissen nicht, wie sie der Problematik entgegenwirken können. Das hier Erwähnte soll nur als Hilfestellung und als Anreiz dienen, um sich konstruktiv mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Den ganzen Vortrag von Christoph Heckl kannst Du Dir hier ansehen!

Die Sicht des Schiedsrichters

Amateurfußball – Ein schwieriges Umfeld

Josef Maier
Josef Maier

Josef Meier war über 15 Jahre lang Schieds- und Linienrichter im Profi- und Amateurbereich. Während seiner Schiedsrichterlaufbahn wurde auch er mehrfach Opfer verbaler Attacken und sogar körperlicher Gewalt. Mittlerweile ist der 50-jährige Familienvater als Funktionär für die Ausbildung von Regionalliga-, Bayernliga- und Landesligaschiedsrichter verantwortlich.
Da das Spiel immer temporeicher und vor allem in den unteren Ligen unverhältnismäßig gewaltsamer wird, müssen auch die Schiedsrichter ihre Rolle neu definieren. Die Philosophie, die Meier jungen Schiedsrichtern mit auf den Weg geben möchte, ist vor allem von dem Wort Respekt geprägt. Ein respektvoller Umgang unter allen Beteiligten ist das A und O für einen fairen und sehenswerten Sport.
Während in den höheren Ligen Gewalt, zumindest auf dem Platz, kaum eine Rolle spielt, wird die Situation in den unteren Spielklassen zunehmend kritischer. Besonders bei niedrigklassigen Begegnungen und im Jugendbereich stellen schon oft das Spiel- und Umfeld ein großes Problem dar. Zuschauer, Eltern und Verantwortliche stehen rund um den Fußballplatz verteilt, sehen und kommentieren jede Schiedsrichterentscheidung. Es wäre schon ein Fortschritt, wenn man die Vereine davon überzeugen könnte, gerade bei kleineren Spielen alle Beteiligten möglichst auf einem Fleck zu versammeln und so den Job der Schiedsrichter zu erleichtern.

1:0 für den Schiri

Was Maier jungen Schiedsrichtern vermitteln möchte: Die Mannschaften sollen ein Spiel entscheiden, nicht der Schiedsrichter. Konkret bedeutet das, dass wichtige Schlüsselszenen wie Elfmeter und rote Karten nur gegeben werden sollten, wenn sich der Mann in Schwarz zu 100% sicher ist, die richtige Entscheidung zu treffen. Es gibt nichts Schlimmeres, als einen unberechtigten bzw. nur zweifelhaften Elfer, der in der 90. Minute ein Spiel entscheidet.
Aber auch gegenseitiges Verständnis und grundlegendes Fachwissen muss auf beiden Seiten vorhanden sein. Deswegen fordert Maier sowohl Schiedsrichter, als auch die Spieler und Trainer zu einem gegenseitigen Dialog auf. Durch Vorträge in den Vereinen sollen beide Seiten Ihren Standpunkt vermitteln können. Besonders wichtig ist hierbei auch eine umfassende Regelkunde, sodass ein Schiedsrichter nicht aufgrund von Unwissen der Beteiligten zu Unrecht angegriffen wird.
Im Zentrum des Interesses sollte jedoch der eingangs erwähnte Respekt stehen. Respekt der Trainer untereinander, Respekt der Spieler untereinander, Respekt zwischen Spielern und Trainern und natürlich Respekt zwischen Spielern, Trainern und Schiedsrichtern. Wenn sich die Trainer an der Seitenlinie das komplette Spiel über angiften, überträgt sich das auch negativ auf die Spieler und den gesamten Spielablauf.

Ihr dürft ja gerne reklamieren, aber…

Maier betont immer wieder, dass Schiedsrichter in der Regel kein Problem mit kurzen, professionellen Reklamationen haben, solange es dabei bleibt. Kein Spieler oder Trainer kann emotionslos an „seinem“ Spiel teilnehmen – aber das wird auch gar nicht erwartet. Schließlich lebt der Sport von den Emotionen. Der Sport soll allerdings menschlich bleiben und die schönste Nebensache der Welt sein und nicht von Angst und Gewalt dominiert werden. Das ist natürlich nicht alleinige Aufgabe der Trainer, aber durch ihre herausgestellte Position haben sie großen Einfluss auf ihre Mannschaft, den Verein und das gesamte Umfeld.

Hier kannst Du den Vortrag von Josef Maier ansehen!