Kinderfußball: Tipps und Tricks für altersgerechte Bambini-Trainingseinheiten

Freude beim Training
Das A und O im Bambinitraining: Spaß

Sie sind unsere Jüngsten im Verein. Alle Kinder, die das siebte Lebensjahr noch nicht vollendet haben, gehören in der Regel zu den G-Junioren oder der U7 – besser bekannt als Bambini. In der Spielzeit 2015/16 gehören dazu die Spieler des Jahrgangs 2009 und jünger. Die 0:1-Niederlage Deutschlands im EM-Finale gegen Spanien ein Jahr zuvor haben die Minis also noch nicht miterlebt. Und gerade weil die Kleinen noch so jung sind, brauchen sie ein ganz anderes Training die älteren Teams. Die Trainingsinhalte sind andere, die pädagogischen Anforderungen ans Coaching und den Fußballtrainer sind andere und auch die Ziele für Training und Spiel sind andere. Das weiß auch der Deutsche Fußball-Bund. Daher gibt der DFB seinen Übungsleitern und allen, die es werden wollen, speziell für die Kleinsten eine ganze Menge an Hinweisen mit an die Hand. Wieso das so sein muss? Ganz einfach: Weil unsere Minikicker in ihrem Alter und in ihrer Entwicklungsphase sowohl körperlich, als auch psychosozial noch ganz andere Merkmale aufweisen als in den nächsten Jahren:

Die wichtigsten Merkmale der Bambini

    Bambini Film
    Jede Menge Übungen für die ganz Kleinen.
  • ausgeprägte Neugierde
  • geringes Konzentrationsvermögen
  • starke Ich-Bezogenheit
  • starke Orientierung am Trainer
  • ausgeprägte Phantasiewelt
  • geringe „taktische“ Fähigkeiten
  • großer Bewegungs- und Spieldrang
  • schnelle Ermüdung
  • hohe Beweglichkeit
  • schwach ausgebildete Muskulatur
  • geringe koordinative Eigenschaften
  • unterschiedliche Leistungsvoraussetzungen

„Fußballer“ in Bambini-Alter sind also in erster Instanz noch lange keine Fußballer, sondern vor allem Kinder. Weil das so ist, gilt stets der Grundsatz: Passt das Spiel den Kindern an und nicht die Kinder dem Spiel. Dementsprechend gestalten sich dann auch die Inhalte des Trainings. Auch wenn ihr zusammen mit eurer Mannschaft natürlich selbst herausfinden müsst, was den Minis am meisten Spaß bereitet, kann man dem DFB zufolge die groben Inhalte des Bambini-Trainings grob in drei Kategorien unterteilen:

Inhalte des Bambini-Trainings

vielseitige Bewegungsschule

Kinder fassen sich an den Händen
Bewegungsspiele gehören in jede Bambini-Trainingseinheit.

Eine allgemeine, umfassende Bewegungsschule sollte im Bambini-Training definitiv die größte Rolle spielen und demzufolge einen verhältnismäßig großen Teil jeder Übungsstunde mit den Kleinen einnehmen. Dazu gehört vor allem die Schulung der motorischen Grundbewegungen der Kinder wie Gehen, Laufen, Springen, Hüpfen, Rollen, Kriechen und das Balancieren. Auch Bewegungsübungen durch Spiele mit und auf Geräten, die mit den Barren, Kästen, Bänken oder Matten aus der Halle besonders gut funktionieren, gehören hier dazu. Genauso gilt das für allgemeine Lauf- und Abschlagspiele mit den Kids. Sie sollen durch die verschiedenen Spiel- und Bewegungsformen auch die Erfahrung der eigenen Körperhaltung machen, sowie Wahrnehmungsfähigkeit, Koordination und Orientierung im Raum verbessern.

fußballorientierte Bewegungsschule & Ballgefühl

Hierbei geht es nun in erster Linie darum, dass sich die Bambini mit dem Spielgerät Ball vertraut machen. Sie sollen dabei jedoch nicht nur einen ausgewählten Ball kennenlernen, sondern bestenfalls eine Reihe verschiedener und mit diesen ganz grundlegenden Aufgaben wie Werfen, Fangen, Rollen oder Stoppen nachgehen. Darüber hinaus soll die fußballspezifische Bewegungsschule durch leichte Aufgaben natürlich auch schon erste Erfahrungen der Bambini mit dem Ball am Fuß fördern. Gerne kann das Training hier auch ein wenig kombiniert werden: beispielsweise durch eine Koordinationsaufgabe mit Ball oder kleine Fußballspiele mit gleichzeitigen Aufgaben am Ball.

Fußball spielen

Bei aller Betonung der Wichtigkeit einer ausgewogenen Bewegungsschule sollte natürlich auch das Fußballspiel dennoch nicht zu kurz kommen. Trotzdem sollten für das Spiel der Kleinsten definitiv andere Regeln gelten als für ältere Jahrgänge. Damit hoffentlich ganz viele Tore fallen, solltet ihr auf folgende Dinge setzen:

  • kleine Mannschaften (3 gegen 3 oder 4 gegen 4)
  • kleine Spielfelder (beim 4 gegen 4 etwa 10×15 Meter)
  • verschiedene Tore (Stangen, Hütchen, Matten, Kästen)
  • einfache Spielregeln (Einrollen statt Einwerfen, ohne Abseits, ohne Rückpassregel)
Kinder Fußball
Kleine Mannschaften, kleine Spielfelder, einfache Regeln – so sieht das ideale Spiel für die Minikicker aus.

Zur Optimierung des Spaßfaktors helfen außerdem kleine Fußballturniere oder Spielfeste (kombinierte Fußballspiele mit Bewegungslandschaften und Geräteparcours) sowie allgemein kooperative Spiele und kleinere Wettbewerbe zur Förderung des sozialen Verhaltens.

Auf der Basis dieser Inhalte wird für eine klassische Trainingseinheit dementsprechend eine Spielstunde empfohlen, die folgende Elemente beinhaltet:

Inhalte einer Bambini-Einheit

  • Spiele und Aufgaben mit Kleingeräten und Materialien wie Matten, Barren, Bänken, Reifen, Stäben, Kästen, Langbänken, Luftballons, Bändern, Teppichfliesen, Zeitungen etc.
  • Spiele und Aufgaben, in denen sich Kinder mit verschiedenen Bällen vertraut machen und ihr Ballgefühl verbessern
  • vielseitige und eher einfache Aufgaben mit dem Ball am Fuß
  • Spiele mit kombinierten Bewegungsformen wie Laufen und Werfen oder Laufen und Schießen
  • einfache Lauf- und Fangspiele
  • zwischendurch: kleine Fußballspiele

Und es sind nicht nur die Inhalte einer Bambini Spielstunde, die sich anders gestalten. Durch die veränderten Anforderungen ist auch der Rahmen ein anderer. Um diesen Rahmen altersgerecht für die Bambini zu formulieren, sollte jede Einheit in dieser Altersklasse nach dem sogenannten LASSEN-Prinzip funktionieren. Dabei geht es darum:

Das LASSEN-Prinzip

  • Lange Wartezeiten zu vermeiden.
  • Aufgaben einfach zu gestalten.
  • Spielerisch zu üben.
  • Spielangebote zu wechseln.
  • Erfolgserlebnisse zu ermöglichen.
  • Nicht nur fußballspezifische Lernziele zu verfolgen.

Doch wer Trainer einer Bambini-Mannschaft ist, hat nicht nur damit zu tun, ein passendes Trainingskonzept mit den entsprechenden Inhalten aufzustellen und so sein Team bei Laune zu halten. Wahrscheinlich mehr als bei jeder anderen Jugendmannschaft, bei jeder Amateur- oder Profimannschaft, sind vom Trainer noch ganz andere Rollen als nur die des Übungsleiters gefragt. Der Trainer im Bambini-Fußball ist nach den Erwartungen des DFB darüber hinaus auch noch:

Die Rollen des Bambini-Trainers

  • Spaßmacher und Mitspieler
  • Tröster und Streitschlichter
  • Erzieher, Mensch und Freund
  • Förderer jedes einzelnen Kindes
Trainer und Kind
Der Trainer spielt im Bambinibereich eine ganz besondere Rolle.
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Und diese Rollen ändern für den Trainer wiederum die speziellen Anforderungen an sein Coaching der Bambinis. Unter Umständen geht es gar überhaupt zu weit, von einem „Coaching“ der Minis zu sprechen. Denn grundsätzlich gilt fürs Bambini-Training die sehr simple Grundregel: einfach spielen lassen. Aufgrund der eingangs besprochenen Merkmale unserer Jüngsten sind die gar nicht in der Lage, Anweisungen des Trainers während des Spielgeschehens umzusetzen. Im schlimmsten Fall irritieren sie den Kleinen gar und hemmen ihn so in seinen Aktionen. Das Gegenteil kann dahingegen ein einfaches Lob bewirken. Es zeigt den Kindern, dass sie etwas richtig gemacht haben und spornt sie an, das Ganze nochmal so zu versuchen. Ganz indirekt kann man auf diesem Wege beispielsweise bereits am Passspiel der Bambini feilen. Lobt man den Passgeber für ein gutes Zuspiel, wird er eher dazu bereit sein, auch in der nächsten Situation die Kugel rüber zu schieben. Der Bambini-Verantwortliche ist daher häufig mehr Betreuer als Fußballtrainer. Dementsprechend anders gestaltet der DFB also auch die Aufgaben des Bambini-Betreuers:

Die Aufgaben des Bambini-Trainers

  • Die Freude am (Fußball-)Spiel entwickeln und ständig fördern.
  • Die Teamfähigkeit langsam entwickeln.
  • Gelungene Aktionen mit Lob belohnen.
  • Als Vorbilder für die Kinder wirken.
  • Durch Offenheit, Herzlichkeit und eigene Begeisterung eine Atmosphäre schaffen, in der die Kinder positiv aufgehoben sind.
  • Die erforderten Rollen einnehmen statt auf eine unnötige Vermittlung von Technik oder Taktik zu pochen.
  • Als Basis von Idealismus und Engagement ein Herz für Kinder haben.
  • Durch Lob, Aufmunterung, Trost oder Ansporn Geschick in der Betreuung von Kindern zeigen.
  • Positive Werte und Normen wie Gerechtigkeit, Fairness, Zuverlässigkeit, Selbstkritik, Geduld, Freundlichkeit etc. vorleben.
  • Ein feines Gespür für die Probleme der jungen Kicker zeigen und ihnen Lösungsmöglichkeiten anbieten.
  • Eine eigene Begeisterung für das Fußballspielen vorleben und dadurch Spaß und Freude vermitteln und Motivation wecken.

Diese veränderten Anforderungen an den Betreuer einer Fußballmannschaft rühren natürlich nicht von irgendwoher. Wie bereits angedeutet unterscheiden sich die Ziele im Bambini-Bereich schlichtweg voll und ganz von denen in anderen Klassen. Sie gehen über rein sportliche Ziele hinweg, weg vom Zwang des Dreiers am nächsten Wochenende. Bambinitraining zielt auf andere Komponenten des Fußballspiels. Es geht um Spaß, Bewegung und Persönlichkeit:

Ziele des Bambini-Trainings

  • Den Kindern die Faszination des Spiels vermitteln.
  • Spaß und Freude in den Vordergrund stellen.
  • Möglichst viele Erfolgserlebnisse und Tore erzielen lassen.
  • Abstand von der „Gewinnen-Müssen-Mentalität“ nehmen und den Sieg in den Hintergrund rücken.
  • Alle spielen lassen und damit auch die „Guten“ mal draußen lassen.
  • Jedes Kind als gleich wichtig sehen und auch so behandeln!
  • Auf übermäßig viel Technik, Taktik und ein vorgeschriebenes Spielsystem verzichten.
  • Kinder in Training und Spiel fördern und fordern.
  • Das Leistungsvermögen erproben und dabei Selbstvertrauen aufbauen.
  • Den Kindern eine vielseitige sportliche Grundausbildung ermöglichen.
  • Vielseitige Bewegungsaufgaben anbieten und damit das Bewegungskönnen der Kleinen verbessern.
  • Nicht nur die sportliche, sondern vor allem die ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung der Kinder in den Vordergrund rücken.
  • Betreuung im Verein nicht nur auf Training und Spiel beschränken.
  • Kinder sportlich und außersportlich betreuen.
  • Kontakte zu Gleichaltrigen knüpfen lassen und das Einfügen in eine Gruppe unterstützen.
  • Außersportliche Angebote wie Wochenendfahrten, Zeltlager oder andere gemeinsame Veranstaltungen anbieten oder unterstützen.
  • Entwicklung und Förderung aller Spieler als Ziel der ganzen Jugendabteilung formulieren.

Phantasievolle Trainingsübungen

Trainer mit Hut im Kindertraining
Der Trainer ist Zauberer, Drache und vieles mehr. Lasst eurer Kreativität freien Lauf.

Je phantasievoller die Übungen, desto einfacher und lustiger wird das Fußballtraining für die Kicker im Vorschulalter. Mit ein bisschen Kreativität, lässt sich um jede Übung eine kleine Geschichte erfinden, wodurch die Kleinen motiviert an die Sache gehen. Hier sind ein paar Tipps für den Trainingsbeginn sowie zwei Beispielübungen mit denen altersgerechten Inhalten (in diesem Fall Koordination und Passspiel bzw. Torschuss), die dank einer kleinen Geschichte noch interessanter für die Minikicker werden.

1. Trainingsbeginn

Bei den ganz Kleinen sind feste Rituale wichtig. Begrüßung und Trainingsbeginn sollten deshalb immer nach dem gleichen Muster ablaufen. Eine gute Methode, um die Energie der Bambinis in den Griff zu bekommen ist, sie die ersten fünf bis zehn Minuten austoben zu lassen. Dazu braucht es keine Übungen oder Abläufe, sondern nur Bälle und ein freies Feld. Danach sind die Kinder wesentlich aufnahmefähiger. Anschließend trifft man sich in der Mitte, begrüßt sich und das eigentliche Training kann beginnen. Wichtig für alle Übungen: Die Konzentrationszeit ist in dem Alter noch sehr beschränkt. Deswegen sollte eine Übung nicht länger als 15 – 20 Minuten dauern. Außerdem sollte man die Gruppen so klein wie möglich halten, um lange Wartezeiten zu vermeiden.
Trainingsschwerpunkte sind vor allem koordinative Fähigkeiten, technische Grundlagen und Ballspiele. Im Vordergrund sollten aber immer der Spaß an der Bewegung und die Freude am Sport stehen.
Ausgehend von einer Trainingszeit von 60 Minuten bietet es sich in diesem Alter an, das Training in 15 Minuten Technik-, und Ballkoordinationsübungen und 45 Minuten Spielformen zu unterteilen.

2. Koordination

Neben der Koordination wird in dieser Übung für die Mini-Kicker die Kommunikation unter den Teamkollegen trainiert. Ihr braucht nur ein paar Bälle (mindestens zwei) und eine Linie.

Bambinitraining balancieren Partnerübung
Nach der Ball-Übergange müssen sich die Kids aneinander vorbeischlängeln.

In dieser Übungsanordnung balancieren zwei Spieler auf einer Linie aufeinander zu. Jeder von ihnen hat einen Ball in der Hand. In der Mitte übergeben sie sich den Ball, ohne ihn fallen zu lassen, und müssen sich dann aneinander vorbeischlängeln. Auch hier kann man verschiedene Bewegungsmuster vorgeben (seitlich, rückwärts, etc.).

3. Torschuss (Pass)

Für diese Torschuss- und Passübung unterteilt man ein Kleinfeldtor mit einem zusätzlichen Hütchentor in der Mitte. Dort positioniert sich der Trainer (Drache).

Die Kinder versuchen nun den Drachen zu besiegen, indem sie links und rechts von ihm in das Tor treffen. Bei zehn Treffern haben sie gewonnen und der Drache wurde erfolgreich gejagt.
Die Kinder lernen, zielgenau zu schießen, bzw. zu passen. Bei älteren Spielern kann zusätzlich bereits eine bestimmte Schusstechnik vorgeben und ihnen die grundlegende Technik beibringen, ohne zu sehr ins Detail zu gehen.