Taktik und Spielsysteme im Fußball: 4-4-2 flach vs. 4-2-3-1 | Was muss man beachten?

Wenn’s um Taktik geht, weiß Manuel Baum, Cheftrainer der Nachwuchsmannschaften des FC Augsburg, was zu tun ist. In diesem Beitrag beleuchtet er die Systeme 4-4-2 (flach) und 4-2-3-1 und erklärt Euch, mit welchen systembedingten Vor- und Nachteilen man auf dem Platz rechnen muss.

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Die Grundordnungen: Rot im flachen 4-4-2, blau im 4-2-3-1.

Bei eigenem Ballbesitz hat man im Zentrum beim 4-4-2 gegenüber dem 4-2-3-1 im Spielerzahlenverhältnis einen Nachteil – 2 vs. 3 Spieler, dafür aber in der Defensive einen Spieler mehr. Daraus ergibt sich bereits, dass im 4-4-2 tendenziell das Spiel über die Flügel erfolgsversprechender ist, da es dort einfacher ist, Überzahlsituationen herzustellen.

Wenn der Gegner in Ballbesitz ist, hat man in der Defensive nach wie vor eine Überzahlsituation. Beim Vergleich der eigenen Offensive – die äußeren Mittelfeldspieler und die beiden Stürmer – mit den gegnerischen Abwehrspielern findet man eine Gleichzahlsituation. Im Zentrum hat man dagegen immer noch einen Spieler weniger, was durch geschicktes Verschieben teilweise ausgeglichen werden muss. Geschicktes Verschieben heißt in diesem Fall, den Gegner durch Laufbewegungen nach außen zu lenken. Die Vorteile liegen darin, dass man die Anzahl der Anspielstationen für den Gegner gering hält und die Auslinie für sich nutzen kann. Dabei ist zu beachten, dass der eigene Sechser überlappend beim gegnerischen Sechser steht und so den Passweg zum gegnerischen Stürmer zustellt. Der eigene äußere Mittelfeldspieler sollte sowohl hoch genug stehen, um bei einem Pass nach außen sofort in den Zweikampf mit dem gegnerischen Außenverteidiger gehen zu können, als auch eng genug, um den Passweg zum Stürmer zuzustellen.

Ein Ziel bei gegnerischem Ballbesitz: Den Mittelfeldspieler auf den Außen zu doppeln.
Ein Ziel bei gegnerischem Ballbesitz: Den Mittelfeldspieler auf den Außen zu doppeln.

Die Unterzahl in der Mitte wird durch ein Abkappen des zweiten, ballentfernten Stürmers ausgeglichen, welches später genauer beschrieben wird. Unter Druck spielt der gegnerische Außenverteidiger oft den Pass zum gegnerischen äußeren Mittelfeldspieler, da alle anderen Anspielmöglichkeiten zugestellt sind. In dieser Situation wird versucht, eine Doppelsituation zu kreieren, indem der eigene Außenmittelfeldspieler von oben kommt und der eigene Sechser auf den gegnerischen Stürmer abbricht und den Passweg zustellt. Wichtig ist dabei, dass der eigene Stürmer auf den Außenverteidiger nachrückt, um einen Rückpass zu verhindern.
Sollte es der Gegner aber schaffen, die Seite zu wechseln, hat er dort sehr viel Raum, wofür an anderer Stelle Lösungen gefunden werden.

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