Chefscout der Junioren über seine Arbeit beim TSV 1860 München

Robert Simon, Chefscout der Junioren, ist für die Nachwuchssuche zuständig. Er ist für die Kontaktaufnahme mit interessanten Spielern verantwortlich und ist bei vielen Spielen zu Gegend. Vor allem im Großraum München ist er mit seinem Team sehr präsent.

Nach welchen Kriterien werden Nachwuchsspieler ausgewählt?
Wie können Spieler auf sich aufmerksam machen?
Wann sollte man in ein NLZ wechseln?

Hier nochmal alles zum mitlesen:

Mein Name ist Robert Simon. Ich bin mit Unterbrechung das sechste Jahr jetzt bei 1860 München. Ich bin hier im Verein als Junioren-Chefscout tätig.

Okay, also letzten Endes so einen typischen Arbeitstag in dem Sinne gibt es nicht, weil meine Tätigkeit orientiert sich natürlich schon schwerpunktmäßig an den Spielplänen der verschiedenen Ligen, an den Auswahlmaßnahmen, bayerische Auswahl, Nationalmannschaften, aber letzten Endes ist es so wichtig, die Auswertung der Sichtungsergebnisse natürlich, Pflege der Datenbank, die Weitergabe der entsprechenden Informationen an die jeweiligen Trainerteams, Kontaktaufnahme mit interessanten Spielern, die wir im Fokus haben. Natürlich viel unterwegs, ja, wir schauen uns viele, viele Spiele an. Sowohl im ganz jungen Jahrgangsbereich bis auch hoch U17/U19-Bereich. Unser Ziel ist es, dass wir alle Ligen oft sehen, dass wir die Spieler hier kennen und vor allem hier im Großraum München präsent sind und dort die Tops kennen.

Also wie in anderen Vereinen sicherlich auch gibt es natürlich gewisse Kriterien, an denen wir uns orientieren und die Spieler halt auch beurteilen und auch nach denen wir sichten. Das ist natürlich neben den sportlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten wie zum Beispiel im Bereich Technik, Athletik, auf den Spielwitz, aufs Spielverständnis schauen wir natürlich. Aber eine weitere Komponente, die uns sehr, sehr wichtig ist, ist das Thema Persönlichkeit. Also uns sind neben den fußballerischen Fähigkeiten die Charaktereigenschaften sehr, sehr wichtig. Passt er zu uns? Wie verhält er sich auf dem Platz gegenüber den eigenen Mitspielern, gegenüber dem Gegner, gegenüber Schiedsrichter, Trainerteam? Das sind für uns schon auch wichtige, sehr, sehr wichtige Kriterien, die für uns eine Rolle spielen, wenn wir einen Spieler letzten Endes auch zu uns holen und verpflichten möchten.

Ja, also da gibt es verschiedene Wege. Man muss natürlich schon auch ein bisschen flexibel sein. Und oft sind auch viele Recherchen notwendig erstmal, um überhaupt an gewisse Informationen ranzukommen. Aber natürlich erste Anlaufstelle sind immer die Eltern, das ist ganz klar. Die Kinder sind meistens ja noch minderjährig, da sind die Eltern die ersten Ansprechpartner. Darüber das Trainerteam und der Verein natürlich, den wir dann kontaktieren. Also das ist so der normale übliche Weg.

Letzten Endes ist es so, dass man im Heimatverein über einen längeren Zeitraum wirklich konstant gute Leistungen bringt. Also das ist dann sicherlich ein wichtiges Kriterium, weil wenn das gegeben ist, wenn ein Spieler permanent auffällt, nicht nur einmal, sondern über einen längeren Zeitraum, dann muss er schon eine gewisse Qualität haben. Darüber hinaus natürlich, wenn es jemand schafft, in gewisse Auswahlteams berufen zu werden, Regionalauswahl Süd, Ost, Nord und West hier in Bayern, oder dann halt noch weiterführend die bayerische Auswahl im Förderkader, deswegen gibt es ja diese Regionalmannschaften zum Beispiel auch, um dort halt die Tops der verschiedenen kleinen Vereine aus den Stützpunkten dort komprimiert zusammenzuholen. Das ist zum Beispiel eine gute Möglichkeit, um auf sich aufmerksam zu machen. Aber es gibt natürlich auch immer wieder die Ausnahmen, die bestätigen die Regel, dass man halt auch durch Zufall mal jemanden findet, ja, wir haben ja hier bei uns auch den Talentsichtungstag, wo im Prinzip jeder kommen kann und sich hier präsentieren kann. Also auch da, also auch auf diesem Wege ist es möglich, sich uns zu zeigen.

Das ist eine schwierige Geschichte dahingehend, hier in München ist es so, wir haben natürlich mehrere Nachwuchsleistungszentren mit Bayern, Augsburg, wir haben hier eine hohe Dichte. Und je früher, desto besser, das ist klar. Jetzt ist es natürlich so, wir haben viele, viele interessante Spieler, die natürlich nicht aus dem Großraum München kommen, sondern auch überregional. Niederbayern, auch zum Teil Baden-Württemberg, manchmal auch Hessen. Wir bei uns machen es so, dass ab der U15 wir die Möglichkeit geben, im Internat unterzukommen und ins Nachwuchsleistungszentrum zu wechseln. Aber hier in München, natürlich als U10-, U11-, U12-Spieler, je früher, desto besser. Je früher ich auf einem gewissen hohen Level trainieren kann, umso größer ist sicherlich auch die Möglichkeit und die Wahrscheinlichkeit, sich dementsprechend zu entwickeln und vielleicht seinen Traum Wirklichkeit werden zu lassen.

Die Zeiten haben sich geändert, der Fußball hat sich verändert. Es ist so, dass man heutzutage ja doch viel früher eigentlich fertig sein muss, sprich, mit 18, 19 muss man eigentlich schon so weit sein, um den Sprung ganz nach oben zu schaffen, wenn man sich die aktuelle Altersstruktur anschaut in den Bundesligamannschaften und auch in der Nationalmannschaft. Wie viele junge Spieler da den Sprung schon schaffen, das zeigt doch deutlich, dass sich die ganze Zeitachse nach vorn verlagert hat und dass man recht früh fertig sein muss und deswegen einfach auch, je früher, desto besser, in ein NLZ zu wechseln, keine Frage.

Das ist natürlich immer davon abhängig, wo kommt der Junge her? Kommt er von weiter weg, ist es natürlich etwas schwieriger, aber wir bieten immer die Möglichkeit, über einen gewissen Zeitraum oder regelmäßig mitzutrainieren, um halt sich auch ein bisschen an das Niveau zu gewöhnen, um die Mannschaft kennenzulernen, um einfach auch zu sehen, was es heißt, in einem NLZ zu trainieren, denn die Unterschiede sind doch mitunter gravierend, rein vom Tempo her, schon vom Spieltempo her. Das ist einfach was anderes. Und von daher immer im Rahmen der Möglichkeiten, was auch darstellbar ist von den Jungs, bieten wir die Möglichkeit, sich hier an das Level zu gewöhnen, gerade auch in den Ferien dann doch mal über einen längeren Zeitraum mitzutrainieren. Wichtig nur, nicht für jeden, sondern wirklich für die Spieler, die für uns auch wirklich interessant sind.

Unabhängig davon, dass bei 1860 immer was los ist, natürlich, ich bin immer im Nachwuchsbereich tätig gewesen, und das ist weiterhin so nach wie vor, dass 1860 wirklich einen sehr, sehr guten Ruf hat in diesem Bereich, im Nachwuchsbereich. Und ich denke, das zeigen auch letzten Endes die Ergebnisse. Sprich, die Spieler, die den Sprung schaffen in den Profifußball, also da rede ich jetzt nicht immer nur von Nationalmannschaft und Bundesliga, sondern auch 2. Bundesliga, 3. Liga, und das ist doch unglaublich, wie viele Spieler hier gut ausgebildet wurden und den Sprung letzten Endes geschafft haben. Und dafür steht 1860. Und das macht ihn aus.

Ja, ich denke, für uns alle wäre es gut, das sage ich ehrlich, wenn unser Aushängeschild, sprich, die Lizenzmannschaft, auch wieder mal den Sprung schafft ganz nach oben, sprich, mal den Sprung in die 1. Liga zu schaffen. Sie sind nun mal das Aushängeschild, keine Frage. Darüber hinaus wünsche ich mir einfach, dass weiterhin viele gute Jungs sich für 1860 München entscheiden, um den Weg, um diese Plattform zu nutzen, um ihren Traum Wirklichkeit werden zu lassen, sprich, Profi zu werden.