Co-Trainer der Profis Tapalovic über seine Karriere als Trainer beim TSV 1860 München

Filip Tapalovic, ehemaliger Fußballer, hat nach einem Praktikum beim TSV 1860 eine Stelle als Co-Trainer der U17 bekommen. Nun ist er Co-Trainer der Profis, bei denen das Gewinnen im Vordergrund steht.

Was ist das wichtigste in einem Training?
Wie ist die Zusammenarbeit in dem Verein?
Was sind die Kernpunkte die ein Jugendspieler beachten sollte?
Wie wird entschieden, ob ein Spieler übernommen wird?

Hier nochmal alles zum nachlesen:

Mein Name ist Filip Tapalovic. Was zu meinem sportlichen Werdegang. Habe seit der C-Jugend alle Jugendmannschaften von Schalke 04 durchlaufen, bin dann über die Profistation Bochum wieder zurück zu Schalke. Und dann 1999 zu 1860 München gewechselt. Habe hier drei Jahre verbracht. Damals noch 1. Liga von 1999 bis 2000. Und dann hat mein Weg mich wieder zu Bochum geführt drei Jahre. Und dann bin ich über Österreich und Kroatien, habe ich dann meine Karriere ausklingen lassen.

Ich bin da mehr oder weniger reingerutscht also nach meiner Karriere. Weil erstmal musste man sehen, was macht man jetzt? Weil man hat ja nur trainiert sein ganzes Leben lang, also neben der Schule dann noch als Jugendlicher. Und habe dann also die B-Lizenz gemacht und habe dann im kleinen Verein trainiert oben in Gelsenkirchen und bin dann nach München gezogen privat, habe dann meine A-Lizenz erworben und habe dann eigentlich auch nur wegen der Nähe zu 1860 München, weil ich ja hier dann gelebt habe, hier ein Praktikum angefragt bei dem jetzigen NLZ-Leiter Wolfgang Schellenberg. Und dann hat sich das alles so ergeben. Also relativ schnell, also schneller, als ich geplant hatte.

Ja, also wie gesagt, ich habe mit einem Praktikum angefangen, habe das angefragt beim Herrn Schellenberg. Herr Schellenberg hat gesagt: “Okay, aber nur umsonst.” Habe ich gesagt: “Kein Problem, Praktikum ist immer umsonst, so viel ich weiß.” Habe dann oder durfte dann beim damaligen U19-Trainer ein sechswöchiges Praktikum absolvieren und bin dann danach wieder ganz normal meinem normalen Alltag hinterhergegangen. Und dann kam im Winter der Anruf, also vor Weihnachten, von Herrn Schellenberg, ob ich Interesse hätte, bei der U17 als Co-Trainer einzusteigen, weil wir eine Umstrukturierung hatten im Verein. Und, wie gesagt, ich hatte ja nichts zu verlieren. Es war einfach, ich mache es mal ein halbes Jahr. Und es macht ja Spaß. Ich komme ja aus dem Fußball. Und habe gesagt: “Mache ich.” Ja, und dann war wieder eine Umstrukturierung. Dann wurde von Herrn Schellenberg gefragt, ob ich die U17 machen möchte, ob ich mir das zutraue. Da habe ich gesagt, habe ich mich erstmal bedankt für das Vertrauen und habe auch gesagt, dass ich mir das auf jeden Fall zutraue, dass ich aber einen Co-Trainer bräuchte, der halt ein bisschen Erfahrung hat, weil ich ja wirklich erst ein halbes Jahr dabei bin, noch nie eine Mannschaft geführt habe. Und da haben wir dann ein gutes Team zusammengestellt. Und ich war dann ja eigentlich schon letztes Jahr also in der U17 die letzten vier Wochen der Saison schon bei den Profis, weil es da auch wieder eine Umstrukturierung gab. Und, ja, und dieses Jahr habe ich dann die U19 übernommen mit einem Riesenkader, auch wieder eine Riesenherausforderung für mich. Und jetzt dann nach praktisch drei Monaten bin ich jetzt bei den Profis Co-Trainer. Also alles in Megatempo nach oben. Also war nicht vorauszusehen.

Prinzipiell geht es ja in der Jugend mehr um Ausbildung, also um Ausbildung der Spieler. Das Gewinnen steht jetzt nicht so im Vordergrund wie bei den Profis. Da geht es ja jede Woche nur ums nackte Ergebnis. Obwohl, bei der Jugend wollen wir jedes Spiel gewinnen, egal, ob im Training, also nicht, dass wir jetzt denken, wir wollen nicht gewinnen, also gewinnen wollen wir jedes Spiel, egal, ob es ein Trainingsspiel ist oder ein Freundschaftsspiel. Aber im Vordergrund steht wirklich die fußballerische Ausbildung und, nicht zu vergessen, auch die Persönlichkeitsentwicklung der Spieler. Weil das meiner Meinung nach das Wichtigste ist beim Fußball. Und bei den Profis ist es so, man hat schon fertige Spieler und es geht praktisch nur ums nackte Ergebnis. Und wenn es dann nicht gut läuft, dann kommen halt viele Strömungen von außen und ist halt fast, wenn man es jetzt übertrieben sieht, eine andere Sportart als Trainer.

Also ich habe es so gemacht, wie ich es für richtig halte, ohne irgendwie aus Büchern zu lesen. Für mich stand der Spaß im Vordergrund, obwohl ich sehr auf Disziplin geachtet habe. Also ich habe immer gesagt, Disziplin ist alles. Wenn wir keine Disziplin haben, dann ist die Taktik nichts wert, auch die Technik nichts wert. Fängt bei Kleinigkeiten an. Ordnung auf dem Platz, Bälle nicht wegschießen. Also wirklich banale Sachen, wo man sagt, okay, der übertreibt jetzt. Aber bei Kleinigkeiten fängt das an. Und so kriegt man dann auch eine Homogenität in die Gruppe rein, aber immer mit Spaß. Also Spaß war immer im Vordergrund. Trotzdem habe ich meinen Jungs gesagt: “Okay, wenn wir trainieren, machen wir das vernünftig, sonst brauchen wir nicht auf den Platz gehen. Ihr investiert viel Zeit, ihr wollt Profifußballer werden. Und da brauchen wir nicht hier Halligalli machen, weil dann, denke ich, dass ihr bessere Freizeitmaßnahmen habt, als hier zu sein.”

Man kann sagen, wir sind ein familiärer Verein, vor allen Dingen in der Jugend. Wenn man das tagtäglich erlebt, dass die Trainer sehr eng zusammenarbeiten, wir sitzen alle in einem Büro, wir diskutieren viel, wir reden permanent über Fußball. Wir haben viel Arbeit, viel Arbeit. Aber die Arbeit macht unwahrscheinlich viel Spaß. Sonst würde das, glaube ich, kein Trainer machen wollen oder können. Ja gut, es gibt das Scouting-System. Dann haben wir den Herrn Schellenberg wieder, er entscheidet dann praktisch irgendwie in Zusammenarbeit mit den Trainern, wer übernommen wird. Bei mir persönlich ist es ein Bauchgefühl, also wie entwickelt sich der Spieler bei so Kleinigkeiten, setzt er nach? So Kleinigkeiten. Die Technik und so, alles gut, ja, das kann man sehen, wie viel Tore macht er? Aber trotzdem, diese Persönlichkeit, diese Mentalität, diese Eigenschaften, die setze ich vor Technik und vor Taktik. Und da habe ich dann für mich dann irgendwie vom Gefühl her von meiner Seite aus. Klar, weiß ich selber, dass da viel Glück dabei ist, aber nicht Glück jetzt, dass du einfach ausgewählt wirst, du erarbeitest dir das schon. Also das ist jetzt nicht so, ich komme jetzt einfach und habe Glück und werde Profi. Also das wäre zu einfach, weil dann würde es jeder probieren. Es probieren ja viele, aber es schaffen nur wenige.

Was sind denn so deine Tipps für Jugendspieler, die jetzt so ganz gut dabei sind, auf was sollten die alles achten? Was sollten die machen? Sollten die also sowohl, sagen wir mal, Zusatztraining oder so, aber auch auf der anderen Seite vielleicht Umgang mit dem Trainer oder auch drauf hören und so, also was sind so die Kernpunkte, auf was man alles achten müsste als Spieler?

Ja, hart trainieren. Gut trainieren. Muss man Glück haben, dass man gute Trainer hat oder einen guten Trainer hat, dass man halt viel Technik trainiert, Taktik, auch Kräftigung. Also das sind alles Sachen, die sehr wichtig sind für einen Spieler heute. Wir haben dann noch die Möglichkeit, mit Videoanalysen zu arbeiten. Das haben kleinere Vereine sicherlich nicht oder das ist schwierig für einen Trainer, wenn er noch nebenbei berufstätig ist. Aber wie gesagt, also auf den Trainer hören, weil der hat Ahnung von der Materie. Und darauf vertrauen und versuchen, sein Bestes einfach zu geben.