Juniorenleiter Matthes über seine Arbeit beim TSV 1860 München

Roy Matthes, Juniorenleiter, ist unter anderem für die Personalplanung zuständig. Er berichtet von seinen Aufgabenbereichen beim TSV 1860.

Welche Fragen kommen bei der Jugendarbeit auf?
Wie gestaltet sich die Nachwuchsarbeit beim 1860?
Was hat es mit der Zertifizierung auf sich?

Hier nochmal alles zum mitlesen:

Also ich bin der, der jetzt schon am längsten da ist von dem Leitungsgespann, obwohl ich der Jüngste von allen dreien bin. Also Roy Matthes, ich bin 32 Jahre und bin 2007 zu den Löwen gekommen. Habe vorher praktisch Sport und Betriebswirtschaft studiert in Chemnitz. Habe nebenbei praktisch die Fußballtrainerausbildung bis hin zur A-Lizenz und bin dann mehr oder weniger aus privaten Gründen nach München gekommen und habe mich dann in München umgeschaut, wo kann ich im Fußballbereich was machen, wo kann ich mich einbringen? Und war dann froh, dass das bei den Löwen geklappt hat. Und bin dann 2007 im Sommer zu 1860 München gekommen. Damals ist der Herr Schellenberg nach Nürnberg gewechselt. Habe das Schultraining für ihn übernommen. Und dann stand das erste Mal die Zertifizierung auf dem Programm. Und habe die dann praktisch das erste Mal für 1860 München gemacht. Mittlerweile haben wir das schon dreimal durch. Immer recht erfolgreich. Und das ist praktisch eins meiner Hauptaufgabengebiete bei 1860 München. Bin dann als U12-/U13-Co-Trainer zwei Jahre im aktuellen Trainingsgeschehen mit drin gewesen und bin seit Juli 2009 Jugendleiter und damit verantwortlich für die Mannschaften U10 bis U17, was das Organisatorische angeht in erster Linie. Sportlich kümmere ich mich eher um den niederen Bereich, also sprich, bis zu U12, U13 habe ich so ein bisschen das Auge drauf, wie es so im sportlichen Bereich läuft.

Also ich bin ganz viel auf Sportplätzen unterwegs, schaue natürlich unsere eigenen Mannschaften an, mache mir ein Bild von Spielern, von Mannschaften, von Trainern und versuche immer irgendwo den nächsten Schritt zu gehen für 1860 München. Das heißt, wenn irgendwo ein interessanter Spieler ist, aber auch Trainer oder Mitarbeiter, wie auch immer, ist das eigentlich das Hauptaufgabengebiet. Also sowohl eine Personalplanung, was die Trainer angeht, welche Sichter sind für uns unterwegs, also so die Geschichten laufen praktisch über meinen Schreibtisch. Und dann auch, was Kaderplanungsgeschichten angeht, Kommunikation mit Eltern, Weihnachtsfeiern, irgendwo repräsentative Aufgaben nehme ich dann praktisch für 1860 München wahr. Weil die Eltern ja schon auch immer ein bisschen wissen wollen, was so los ist und, ja, wenn irgendwelche Fragen sind für die Eltern, natürlich auch jederzeit.

Was noch ein wesentlicher Schwerpunkt ist, ist die sogenannten Erstgespräche mit den Spielern. Das heißt, wenn ein Spieler zu uns kommt, führe ich das Erstgespräch mit Spieler und Eltern. Das heißt, es ist ein völliges Neuland eigentlich, und dann haben sie natürlich Fragen. Wann sind Pausen? Wann sind Weihnachtsferien? Wie läuft es zu Ostern? Oder was kriegen wir an Ausrüstung? Wie groß ist der Kader? Wer ist Trainer nächstes Jahr? Also solche Fragen beantworte ich praktisch im Gesamten.

Also erstmal werden acht verschiedene Hauptkriterien abgefragt. Das geht los, wie schon genannt, bei einer Infrastruktur, wie ist eine Etatplanung aufgestellt? Welchen Bezug hat man auch zur Profiabteilung? Ist die Zusammenarbeit da? Gibt es ein sportliches Beratungsgremium, wo der Jugendleiter oder der, der für den Bereich U16 bis U17 verantwortlich ist beispielsweise? Wie ist die Durchlässigkeit zu den Profis? Wie ist die Kommunikation zur Profiabteilung? Das ist ein ganz wesentlicher Schwerpunkt, der abgefragt wird. Dann alles, was an sonstigem. In welchen Ligen wird gespielt? Nimmt man an internationalen Turnieren teil? Investiert der Verein praktisch in seine Jugendarbeit? Das ist eigentlich der Hauptschwerpunkt, die Hauptfrage, die bei der Zertifizierung abgeprüft wird. Dann ein wesentlicher Punkt: Mit welchen Trainern arbeitet man? Haben die Erfahrung als Spieler? Welche Trainerlizenzen liegen vor? Haben sie Zusatzausbildungen? Physiotherapeut, Lehrer, Sportlehrer? Das gibt praktisch alles Zusatzpunkte und gibt zum Schluss das Bild, dass man drei oder vier Sterne praktisch hat.

Ein weiterer wesentlicher Schwerpunkt ist die Effektivität, was ja 1860 München immer ausgezeichnet hat. Dass wir Spieler praktisch in den Profibereich überführt haben. Ob das die Vollands, die Leitners waren, die zum Schluss praktisch so ein bisschen noch das Ganze aufrechterhalten, aber wir schauen, dass wir wieder welche durchkriegen jetzt.

Zertifizierung ist immer ein sehr großer Aufwand. Das ist praktisch so, dass der DFB oder die DFL aller drei Jahre Nachwuchsleistungszentrum anschaut. Und über die drei Jahre dokumentiert man praktisch das Tagesgeschehen. Sprich, ich muss Unterlagen sammeln, wer hat an welchem Laktattest teilgenommen, wann ist welcher Elternabend zu welchem Thema? Jetzt haben wir solche Sachen wie Fußpflegetermine. Das sind natürlich Präventionsmaßnahmen, die sie im medizinischen Bereich abfragen. Also das ist dann schon ganz im Detail. Aber im Großen und Ganzen geht es darum, was kann man den Jungs bieten. Also erstmal haben wir ein tolles Team. Sprich, das geht beim Förderkader-Trainer los ganz unten, der eine U10 zusammenstellt, und geht natürlich irgendwo bis zur U19, U21 bis hin zur Schnittstelle Profis. Wir sind personell recht gut aufgestellt. Kann natürlich immer noch besser sein, das ist gar keine Frage. Also wir investieren ganz viel, sowohl personell. Größeres Problem haben wir im infrastrukturellen Bereich. Wir sind begrenzt. Nach rechts, links ist kein Platz mehr. Das heißt, ein oder zwei Kunstrasenplätze mehr, der eine oder andere Rasen, Spielfeld wäre natürlich noch eine Verbesserungsmöglichkeit. Aber im Großen und Ganzen das, was wir mit den Jungs machen. Sprich, vom ersten Tag an. Wie werden sie betreut? Werden sie schulisch betreut? Gibt es Nachhilfe? Also solche Sachen. Ist man an die Eliteschule angegliedert? Ja, in allen Bereichen sind wir eigentlich mittlerweile gut bis sehr gut aufgestellt, aber natürlich liegt die Messlatte immer noch ein Stück höher.

Also weil wir in den Jahren, in denen man für 1860 München spielt, ganz viel mitnimmt. Es ist wahnsinnig anstrengend, keine Frage. Wir reden von der Elite, wir reden immer vom Eliteschüler. Wir reden von der Elite-Fußballausbildung. Aber ohne Aufwand, ohne Leidenschaft und auch Mehraufwand wird man nicht oben ankommen. Man spielt bei uns tolle Turniere, hat Leistungsvergleiche, hat den Ligaspielbetrieb, hat super Trainer. Das ist schon nochmal ein anderer Gradmesser. Bessere Mitspieler in der Regel, so dass man sich auch schneller weiterentwickelt, als wenn man vielleicht in einem kleineren Verein spielt. Und wenn man dann über vier, fünf Jahre sportlich hervorragend gefördert wird, auch wenn man nicht oben ankommt, hat man zumindest eine Ausbildung sportlich, so dass man sich irgendwo vielleicht auch in einer Bayernliga- oder Landesligamannschaft ein Studium finanzieren kann oder 10, 12 Jahre in einem Amateurverein praktisch noch weiterspielen kann, wertgeschätzt wird. Das ist für eine Persönlichkeitsentwicklung von einem Spieler oder von einem Jungen, von einem Jugendlichen schon ganz wichtig.

Die erste Zeit, die kann ich kaum beurteilen. Also 2000 war ich 18 Jahre alt. Da war noch gar nicht so abzusehen, wo der Weg hingeht. Aber ich habe natürlich auch mitgekriegt, was jetzt in den letzten 8, 9 Jahren passiert ist. Es wird immer professioneller. Die Breite der Leistungszentren wird immer dichter. Man hat sich damals, 2005, 2006 so ein bisschen rausgehoben, weil man halt in die Jugend investiert hat. Mittlerweile haben alle Nachwuchsleistungszentren das erkannt, dass es sich lohnt, in die Jugend zu investieren. Wir sind nach wie vor dabei. Also auch, wenn wir am Wochenende gegen Stuttgart oder Bayern spielen, will ich da schon auch was holen. Also wir sind nach wie vor noch konkurrenzfähig, würden uns aber trotzdem freuen, wenn die Profis irgendwann wieder aufsteigen, so dass wir auch da wieder Bundesligaspieler in die erste Mannschaft bringen können.

Ansonsten, was die Ausbildung angeht, wie gesagt, es wird immer professioneller, es gibt in jedem Nachwuchsleistungszentrum mittlerweile mehrere hauptamtliche Angestellte. Man muss in allen Bereichen praktisch investieren, um weiter den Standard auch bieten zu können. Und das machen wir.

Jeder Spieler, der oben ankommt, ist eine Auszeichnung für die Jugendarbeit. Also wenn das möglichst viele schaffen, sage ich immer, haben wir unseren Job unten erledigt. Also mir ist ein Spieler, der in der U10 zu uns kommt und 9 oder 10 Jahre später bei den Profis aufschlägt, das liebste. Bevor ich aus der U16 oder U17 neue Spieler dazuholen muss, mit denen ich eine Bundesliga spiele, wenn die Spieler, die lange da sind, die haben Löwenherzen, das ist mir das liebste. Dass das natürlich nicht immer machbar ist und in jedem Jahrgang vielleicht nur drei oder vier da durchkommen, das liegt in der Natur der Sache, weil die Entwicklungen auch unterschiedlich sind. Aber ich denke, wenn wir das schaffen, in jedem Jahr zwei, drei Spieler hochzugeben, dann bleibt die Jugendabteilung auch weiterhin wertgeschätzt. Wir sind der Münchner Traditionsverein, der sich mit eigenen Spielern/ Also ich will die Spieler haben, die aus dem Großraum München kommen. Der U10 will ja eigentlich nur Münchner Spieler, damit die sich mit dem Verein auch identifizieren. Und dann später muss ich natürlich schon schauen, wie kann ich auch meine Mannschaften verstärken? Aber das ist eigentlich die Hauptaufgabe, Spieler in den Profibereich zu kriegen.

Also wir sind ja praktisch ein gemeinnütziger Verein. Also ich arbeite ja praktisch für den Verein. Bis zu U17 haben wir alle Mannschaften noch in der Gemeinnützigkeit und wir bieten praktisch für alle Spieler, die nicht bei 1860 München spielen können, die Löwen-Fußballschule an. Da kann man sich praktisch immer in den Ferien, seit zwei Jahren jetzt auch im sogenannten Talentfördertraining bei uns anmelden und kann Tage oder Nachmittage, Trainingseinheiten mit unseren Trainern, mit unseren Trainingsinhalten mitmachen. Das ist praktisch ein Angebot gegen einen Teilnehmerbeitrag, wo man dann eine Woche in Garmisch-Patenkirchen verbringt oder in Rosenheim, wo die Jungs praktisch rundum betreut sind, wo sie zum einen Trainingseinheiten haben, wo sie sportlich ein bisschen was mitnehmen, wo aber auch der Spaßfaktor nicht zu kurz kommt. Das heißt, man geht dort vielleicht auch mal, wenn man eine ganze Woche in Garmisch ist, vielleicht auch mal ins Hallenbad oder muss mal einen Berg hochlaufen, weil man abends irgendein Quiz gegen die Trainer verloren hat. Also es ist eine Breitensport-Geschichte, wo wir natürlich auch immer drauf schauen, wie die Jungs sportlich da sind, keine Frage, aber in erster Linie wollen wir dort das blaue Blut in die Jungs einpflanzen. Das ist eine Image-Geschichte.

Also jetzt im Herbst sind wir zum Beispiel bei der Spielvereinigung Altenerding. Dieses Jahr waren wir auch schon bei der DJK Rosenheim, Ergolding waren wir, in Garmisch-Patenkirchen kooperieren wir praktisch mit dem FC Garmisch, nutzen praktisch dort die Trainings-, die Sportstätten. Das funktioniert in der Regel sehr gut. Wir sind immer gern gesehene Gäste. Das freut uns auch. Die können zum einen praktisch Spieler, die kriegen zum Teil ein gewisses Freikontingent an Spielern. Zum einen können sie natürlich Trainer mitlaufen lassen. Also wenn man sagt, man hat 60 Kinder, dann kommen wir mit vier oder fünf Trainern und nehmen zwei vom Heimatverein mit und bringen dann wieder ein bisschen, ja, dann können die schon noch an Trainingsinhalt noch ein bisschen was mitnehmen.