Leiter der Organisation Matthias Imhof über das Nachwuchsleistungszentrum vom TSV 1860 München

Matthias Imhof, Leiter der Organisation des Nachwuchsleistungszentrums, spricht über seine Arbeit beim 1860.

Wie werden die Spieler gefördert?
Was ist die Kernaufgabe des Nachwuchsleistungszentrums?
Wie hat sich die Ausbildung über die Jahre gewandelt?

Hier nochmal alles zum mitlesen:

Also mein Name ist Matthias Imhof. Ich bin Leiter der Organisation vom Nachwuchsleistungszentrum bei 1860 München. Und mir macht es besonders Spaß, mit so vielen jungen Spielern, die das Ziel vor Augen haben, Profi zu werden, die sind alle willig und haben Spaß bei der Sache. Bei denen merkt man einfach, dass die Freude haben am Fußballspielen.

Ich kümmere mich um die ganzen Abläufe im Nachwuchsleistungszentrum und im Internat, sowohl intern, als auch um die ganzen Spielabläufe, sprich fürs Wochenende, mit den ganzen Verbänden, diese ganzen Kontakte, das läuft alles über mich.

Ist natürlich jetzt zurzeit ein bisschen schwierig. Also wenn man es natürlich aufs Nachwuchsleistungszentrum bezieht, glaube ich, dass wir sehr, sehr erfolgreich arbeiten mit lauter willigen und jungen Spielern, die praktisch normal geblieben sind. Ich glaube, das ist auch für uns das Wichtigste, dass die Spieler normal geblieben sind bei uns. Und ich glaube, das können wir uns auch hoch anrechnen, dass das so ist, und keiner abhebt und denkt, er ist schon was Besseres oder schon ein Profi, weil da sind sie alle noch ein Stück weg davon.

Bei uns besteht die Möglichkeit, relativ schnell sich als Profi zu etablieren, da wir schon bewiesen haben, dass viele junge Spieler bei uns den Durchbruch geschafft haben. Sieht man auch anhand von einer Studie vom ‘Kicker’, wo man sieht, dass wir die Nummer 1 in Deutschland sind in dem Bereich, Spieler in den Profibereich zu bringen.

Wir haben eine Kooperation mit allen Schulen. Sprich, Realschule, Hauptschule, Gymnasium. Wir fördern unsere Spieler, wir geben Nachhilfeunterricht, wir machen Hausaufgabenbetreuung. Wir legen sehr viel Wert drauf, dass die Spieler gute Noten haben und dass die Spieler auch wirklich ihren Abschluss tätigen, egal, in welchem Bereich, aber jeder Spieler sollte bei uns einen Abschluss machen. Da legen wir großen Wert drauf, da wir so viele Jungs hier haben, aber ja natürlich nicht alle Profi werden können.

Also kann ich Ihnen nicht versprechen, dass Ihr Sohn Profi wird, aber die Jungs, die wir holen, die können natürlich alle Fußball spielen. Also alle haben das Potenzial, höherklassig zu spielen. Ob der Durchbruch bei uns geschafft wird, das kann natürlich keiner versprechen. Da spielen so viele Sachen eine Rolle, sprich die Entwicklung, ob einer ein Mädel kennenlernt, das kommt alles dazu. Da haben wir keinen Einfluss drauf, haben auch die Eltern keinen Einfluss drauf. Das wichtigste ist nur zu wissen, selbst wenn es hier nicht klappt, man hat immer eine zweite Chance woanders dann und hat da auch die Möglichkeit, da nochmal einen Schritt nach oben zu schaffen. Was wir garantieren können, dass die Jungs eine sehr, sehr gute fußballerische Ausbildung bekommen plus natürlich auch in der schulischen Ausbildung wir Wert drauf legen, dass das funktioniert.

Mein Werdegang ist, ich habe früher selbst Fußball gespielt, habe damals in Aschaffenburg angefangen, bin dann zu den Stuttgarter Kickers gewechselt, habe dort vier Jahre 2. und 1. Liga gespielt und bin 1993 zu 1860 München gewechselt, bin dann damals aufgestiegen in die 1. Liga hier in dem Jahr und wurde 1996 leider Sportinvalide durch eine Knieverletzung. Habe dann eine Umschulung gemacht, habe längere Zeit in einem anderen Bereich gearbeitet, bin dann wieder zum Sport zurückgekommen über eine Firma, die praktisch Fußballdaten gesammelt hat und Analysesysteme entwickelt hat für Fußball, und habe da in dem Zeitraum auch längere Zeit die Traditionsmannschaft von 1860 betreut und bin so wieder praktisch zurück zu 1860 München gekommen.

Der Reiz ist natürlich darin, mit jungen Spielern zu arbeiten, die einfach das Ziel haben, was ich damals auch hatte, ich kann mich noch zurückversetzen, wie das damals war, das Ziel, unbedingt Fußballprofi zu werden, und das macht dann einfach Spaß mit den Spielern. Also da geht es wirklich nur um Fußball und nicht um irgendwelche anderen Sachen. Und ich glaube auch, durch die ganze, dass ich den Weg auch gegangen bin, vielleicht den Jungs ein paar Tipps geben kann, wie es funktioniert. Und auch gerade wahrscheinlich ist es am wichtigsten in dem Fall, wenn einer mal vielleicht nicht spielt oder gerade ein Leistungstief hat, den dahin zu führen, zu sagen: “Okay, das ist jedem passiert, das passiert auch jedem. Und das ist nicht so schlimm. Wir wissen, dass du Fußball spielen kannst. Geh einfach deinen Weg weiter.”

Man muss auch dazu sagen, die Jungs haben heute einen Fulltime-Job, die zu uns kommen. Also sprich, die haben lange Schule. Die haben zusätzliches Training auch noch. Während die anderen Schüler Sportunterricht haben, haben sie hier bei uns Fußballtraining wieder. Die kommen zu uns, werden versorgt, bekommen Essen, gehen dann wieder ins Training abends, haben Hausaufgabenbetreuung. Also sprich, das ist ein Fulltime-Job. Also die sind wesentlich mehr belastet als jetzt zum Beispiel unsere Profis, die zweimal zum Training kommen und dazwischen immer Freizeit haben. Also das muss man wissen, dass auch der Freizeitfaktor auf der Strecke bleibt erstmal jetzt in dem Alter. Das muss man einfach wissen. Im Gegensatz zu früher. Bei mir war es einfach so, wir haben dreimal die Woche abends trainiert, der Rest war frei. Also wie gesagt, diese Ausbildung heute ist wesentlich intensiver als damals. Man sieht auch, dass die Jungs heute in dem Alter viel, viel weiter sind als wir damals. Bei uns ging es damals mit 22, 23 los, wo erwartet wurde, dass man Stammspieler wird. Das erwartet man heute von einem 17- oder 18-Jährigen. Durch diese Ausbildung, die neu gemacht wurde, sind die wirklich viel früher soweit.

Bei uns geht es definitiv nicht um Titel. Also es bringt uns nichts, wenn wir jetzt in der U19 oder U17 deutscher Meister werden, aber keinen Spieler für unsere Profis rausbringen. Uns ist viel wichtiger, dass wir trotzdem erfolgreich spielen, was wir auch tun. Aber um den Titel geht es uns da nicht. Das wäre nice to have, wenn es so kommen würde, aber ansonsten geht es rein darum, unsere Spieler auszubilden für unsere Profimannschaft, dass die Jungs bei uns, also bei 1860 München in der 2. Bundesliga oder vielleicht irgendwann mal in der 1. Liga spielen.