Löwen-Kapitän der Profimannschaft über seine Fußballausbildung beim TSV 1860 München

Christopher Schindler, Kapitän der Löwen, berichtet wie er zum Fußball kam. Außerdem legt er allen Nachwuchsfußballern nahe, sich durch einen guten Schulabschluss ein zweites Standbein neben dem Fußball zu schaffen.

Wie gestaltet sich eine Ausbildung beim TSV 1860?
Was kann man als junger Fußballer selbst leisten um fitter zu werden?
Wie werden die Spieler im Nachwuchsleistungszentrum gefördert?

Hier nochmal alles zum mitlesen:

Hallo ich bin Christopher Schindler, bin der aktuelle Kapitän der Profimannschaft und bin 24 Jahre alt. Es ist natürlich so, dass es bei mir auch so war, dass ich nicht im NLZ war, sondern auch in einem Sportgymnasium, die haben ganz eng mit dem NLZ zusammengearbeitet. Wir hatten während der Schule schon Fußballtraining. Und das wurde dann auch durch zum Teil Mitarbeiter vom NLZ durchgeführt. Und so ist dann natürlich auch, hat das so auch meinen ganzen schulischen Weg eigentlich begleitet. Generell ist es auch so, dass im NLZ auch ein großer Augenmerk darauf gerichtet wird, dass man auch seinen schulischen Pflichten ordentlich nachgeht, was, glaube ich, sehr, sehr wichtig ist, weil man in den jungen Jahren noch nicht so richtig abschätzen kann, wie weit es für den einen oder anderen geht. Und da, denke ich, ist es auch ganz wichtig, das Augenmerk darauf zu legen, dass dann auch ein zweites Standbein irgendwie entsteht. Und das ist sehr, sehr wichtig.

Das Prägendste hier war eigentlich meine sehr, sehr gute Ausbildung, die ich bekommen habe, fußballerisch, taktisch. Das ist alles, denke ich mal, viel, viel professioneller und akribischer auch als noch vor 10 Jahren, sage ich mal oder es damals noch 10 Jahre davor gewesen wäre. Und, ja, das ist so das, was für mich eigentlich am prägendsten war.

Erstmal ist es natürlich auch sehr, sehr viel vom Glück abhängig. Auch bei mir persönlich war es so, dass ich auch zum richtigen Zeitpunkt auch am richtigen Ort war, wo dann Positionen freigeworden sind. Aber ist natürlich nicht nur vom Glück abhängig. Du kannst sehr, sehr viel selber auch dafür tun. Du musst natürlich schauen, dass du deine körperlichen Voraussetzungen, gerade wenn es in den Herrenbereich reingeht, schon, ich glaube, jetzt fängt unser Fitnesstrainer auch schon mit der U15 oder U16 schon an mit dem Krafttraining. Das war bei uns jetzt zum Beispiel auch noch nicht so, dass du dir da natürlich so eine gewisse Stabilität, die du dann im Seniorenbereich brauchst, auch irgendwie aneignen kannst. Ja, und ansonsten einfach, glaube ich, das wichtigste ist, dass du Spaß an der Sache hast, weil ohne diesen Spaß, und das wird, denke ich, auch hier sehr, sehr gut vermittelt, ohne den Spaß an der Sache wirst du über kurz oder lang den Sprung nicht schaffen. Weil es muss schon sein, dass du hier aufs Trainingsgelände gehst, auch wenn es mal schwerere Zeiten sind, genau wie es jetzt zum Beispiel auch bei uns ist, ja, wo es dir ein bisschen schwerer fällt, aber grundsätzlich ist es so, dass wir ein Riesenprivileg haben, dass wir so viel Talent mitbekommen haben, dass wir auch unser Hobby, sage ich mal, und ich denke, jeder kleine Junge hat früher auf dem Hof oder auf der Bolzwiese Fußball gespielt, das ist in Deutschland nun mal Sport Nummer 1, und ich denke, dass das ein Privileg ist, wenn man so viel Talent hat, dass man dann auch die Chance hat, sage ich mal, das auch als Beruf zu machen.

Grundsätzlich ist es ja auch so, dass so ein Nachwuchsleistungszentrum auch die Spieler ranerziehen will an ein System. Und diese Philosophie muss natürlich von allen Trainern ungefähr gleich sein. Ich meine, es gibt natürlich in verschiedenen Altersbereichen verschiedene, ja, sage ich mal, Schwerpunkte. Du brauchst jetzt nicht mit einem 14-Jährigen, wo gerade der Wachstumsschub kommt vielleicht oder so, dann schon ins Krafttraining reingehen, weil das einfach nicht passen würde, weil dann irgendwie die Entzündungen von den/ ja, oder die Knochen nicht so fest sind, sage ich mal, und das würde dann auch nicht passen, nicht dass da irgendwelche Schäden entstehen. Es gibt in jeden Jugendmannschaften andere Schwerpunkte. Je höher man kommt, umso besser muss die Basis sein, was Technik angeht, was taktisches Verständnis angeht. Und das wird halt dann eben noch durch diese Physis und durch diese Schnelligkeit dann ersetzt. Wichtig ist, dass man als Spieler da absolutes Vertrauen hat in das, was auch die Trainer vom NLZ sagen, weil die das nicht einfach so machen, weil das jetzt ihr Stil ist, sondern weil da auch was verfolgt wird, was Größeres. Und ich denke, es ist immer gut, wenn du auch diese Hierarchie, ja, auch ein Stück weit vielleicht von eigenen Vorstellungen von Fußball weggehst, ohne das zu verlieren, weil es auch wichtig ist, dass du viel Instinkt auch während dem Spiel zeigst. Aber grundsätzlich auch so ein bisschen, ja, auch das annimmst, was dir der Trainer sagt, weil der einfach nur ein Ziel hat, auch wenn er dich kritisiert, er will dich besser machen. Und das, denke ich, ist ganz wichtig. Und deswegen glaube ich, dass auch Spielertypen, die vielleicht ein bisschen divenartig sind, sage ich mal, ja, vielleicht schnellen Erfolg haben, aber dann auf Strecke, denke ich, ist es gesünder und auch besser, wenn du letztendlich dich auch mal so ein Stück weit zurücknimmst, dich unterordnest und im kompletten Team dann die Stärke rauskommen kann.

Das ist natürlich so, in den jüngeren Jahren war es auch bei mir so, da bist du gerannt ohne Ende, auch gerade, wo der Druck noch nicht so hoch ist. Jetzt ist es natürlich schon so, dass auch in dem Nachwuchsleistungszentrum schon ein gewisser Druck ist, ein Leistungsdruck, weil da natürlich auch nach Möglichkeit die Besten aus einem Jahrgang, sage ich mal, zusammengeholt werden. Aber klar, es ist wichtig, dann einfach, ja, auch mal, wenn es wehtut, dann auch mal drüber zu gehen, weil genau das ist, was halt auch die Trainer sehen wollen. Und das ist ja eben das, was ich auch gerade gesagt habe, es ist wichtig dann auch für spätere Zeiten, wird sich am Ende auch der wahrscheinlich durchsetzen, dem der Trainer am meisten vertrauen kann. Und das ist meistens der, der/ Gerade hier bei 1860 ist es jetzt auch nicht so, dass wir irgendwelche Zauberer oder was weiß ich brauchen, sondern das ist ein Arbeiterverein hier, und diese harte ehrliche Arbeit, die muss dann eigentlich auch auf dem Platz zu sehen sein, dass hier jeder für den anderen rennt, kämpft, auch wenn Fehler mal passieren, auch für den anderen einzuspringen. Und was auch noch ganz wichtig ist, natürlich diese soziale Gruppendynamik, was sich da entwickelt. Das ist natürlich in solchen NLZs super, also weil man, wie gesagt, eigentlich von früh bis abends oder zum Teil, sage ich mal, auch sehr professionell schon arbeitet. Was ein bisschen überfordern kann, aber das ist auch genau das, was wir eigentlich wollen, dass auch Spieler ein bisschen überfordert sind und so immer eine neue Ebene erreichen. Das ist hier sehr, sehr gut.

Und auch diese Gruppendynamik entsteht natürlich durch solche Extremsituationen, wo du mal überfordert wirst, wo du aber dann in der Gruppe natürlich gemeinsam an einem Strang ziehen kannst und auf solche Sachen auch gegenseitig dich nach vorne pushen kannst. Und das ist, denke ich, eine super Sache, dass das schon so professionell auch in jungen Jahren schon möglich ist.

Emotional, auch fanatisch zum Teil. Wenn man so die Fans anschaut und so. Also ich denke, das zeichnet auch den Verein aus. Hier ist immer was los. Ein bisschen chaotisch natürlich auch. Aber was Jugendarbeit angeht, hochprofessionell. Das sind, denke ich, so die Kerneigenschaften. Und, ja, kämpferisch. Ich denke, das passt ganz gut. Jeder Löwen-Fan weiß auch, nach jeder Durststrecke, nach jedem Misserfolg, irgendwann kommt auch die Zeit, wo du wieder für deine Arbeit belohnt wirst. Das zeichnet den Verein auch so ein bisschen aus, dass wir jetzt im Schatten natürlich von einem Riesenverein stehen, der nur Erfolg hat und wo es halt läuft. Deswegen, denke ich, ist es wichtig, dass wir unsere Tugenden in die Waagschale legen. Und ich denke, mit dem müssen wir uns auch nicht verstecken.