Schmidbauer über die Fußballklassen und die Nachwuchsförderung des TSV 1860 München

Horst Schmidbauer, war vier Jahre beim TSV 1860, und ist nun Koordinator für die Leistungssportklassen am Theodolinden-Gymnasium. Durch die Fußballklassen soll den Schülern ermöglicht werden, neben der schulischen Laufbahn auch Trainingseinheiten in den Stundenplan zu integrieren.

Wie gestaltet sich der Stundenplan für die Leistungssportklassen?
Was passiert mit den Nachwuchstalenten?
Wie wird mit Kindern umgegangen, die aus der Klasse aussteigen?

Hier nochmal alles zum nachlesen:

Mein Name ist Horst Schmidbauer. Ich bin Koordinator für die Leistungssportklassen am Theodolinden-Gymnasium. Das heißt, es ist das Projekt der Fußballklassen, wie es genannt wird. Mein sportlicher Background ist vier Jahre 1860 München von 1989 bis 1993. Insofern habe ich relativ viel Einblick in die Praxis und auch in die Theorie. Und in die Zukunft, die die Kinder erwartet.

Okay, meine Aufgabe ist natürlich jetzt in erster Linie der schulische Bereich. Das heißt, wir schaffen den Kindern die Möglichkeit, zwei Trainingseinheiten am Vormittag zu integrieren in den Stundenplan. Am Nachmittag etwas Nachhilfeunterricht für die Bedürftigen oder die, die länger weg sind, mit Lehrgängen. Wir legen aber hauptsächlich Wert auf die schulischen Sachen. Also darf man sich jetzt nicht vorstellen, dass ich da Talente ausbilde im sportlichen Bereich.

Also Tagesablauf für den Schüler ist so, dass er zweimal in der Woche am Vormittag in den Unterricht integriert Training hat, Verbundtraining nennt man das. Das am Anfang im Klassenverband gegeben wird, später dann vereinsspezifisch. Das heißt also, die Vereine holen sich am Vormittag ihre Leute raus. Meine Aufgabe ist aber in erster Linie, das organisatorisch zu gestalten, zu helfen, wenn es schulische Probleme gibt, oder wenn es Befreiungsanträge gibt für irgendwelche Sportveranstaltungen, die unter der Woche stattfinden. Auch Eltern zu beraten. Das sehe ich so als meinen Aufgabenbereich dann. Die Zusammenarbeit mit 1860. 1860 ist ein Partner dieser Leistungssportklassen. Der andere ist Bayern und Unterhaching. Das heißt, es sind drei Vereine beteiligt. Das ist dann ein Mordsaufwand arbeitstechnisch. Aber die Zusammenarbeit mit 1860 ist sehr gut.

Ja, das kann man aufsplitten in vor und vielleicht sogar nach der Karriere. Das heißt, es wird ja nicht jeder, der jetzt bei uns in der 5. Klasse anfängt, auch gleichzeitig Fußballprofi. Da werden einige dann, ja, wir sagen laufbahnkorrigiert. Das heißt, sie müssen raus aus der Klasse. Da gibt es einen großen Schnitt nach der 7. Klasse und nach der 10. Klasse. Und dann kommen die Eltern auch mit Fragen: Wie gehe ich jetzt vor? Dem Kind ist der Traum genommen worden. Vorher sind sie mehr fußballlastig, sprich, der Verein steht über der Schule. Da muss man natürlich auch ein bisschen korrigierend eingreifen. Aber im Großen und Ganzen haben wir viele vernünftige Eltern.

Es gab eindeutige Bestimmungen. Das hieß zunächst mal, dass die Anreise nicht über 45 Minuten sein darf. Das wird dann manchmal getrickst. Das heißt also, dann wohnt er offiziell beim Onkel in München, aber eigentlich wohnt er noch in Ingolstadt. Da haben wir wenig Einfluss, wir sehen das nicht gerne. Wenn wir draufkommen, dann reden wir mit den Eltern, was das für Konsequenzen haben kann.

Also wir haben ja Schüler, die hauptsächlich auch von auswärts kommen, die nicht direkt in der Umgebung unseres Gymnasiums wohnen, die eine weite Anfahrt trotzdem in Kauf nehmen. Und wenn die dann nicht mehr am Projekt teilnehmen dürfen, weil der Fußballverband gesagt hat, das Talent hat sich nicht so entwickelt, dann gehen die meistens an ihre Heimatschule und dann nehmen wir Kontakt mit den Schulen auf, damit die auch wieder Plätze kriegen.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass hauptsächlich der Traum der Eltern platzt. Das heißt also, die Eltern, die sind da viel verbissener. Das Kind, das mit den anderen nicht mehr mithalten kann und sich nicht so entwickelt hat, das merkt das selber. Und für das Kind ist es oft eine Erlösung. Aber für die Eltern ist dann dieser Traum geplatzt.

Man kann schon beraten, aber je älter die werden, umso mehr haben die ja wirklich schon einen Berater und hören natürlich hauptsächlich auf den und auf ihre Eltern. Es ist dann schon schwer einzugreifen. Zu einigen hat man besonders guten Draht, die glauben dann das auch, was du sagst. Aufgrund meiner Vergangenheit, ich habe ja selber auch studiert und war Fußballprofi zur gleichen Zeit. Also ich kann mich bisschen einfühlen in diese Belastung, die die haben. Und ich versuche, da deshalb Richtung Schule und Zukunft ein bisschen zu lenken, weil das Leben nach dem Fußball ja länger ist als das mit der Fußballkarriere.