Nachwuchsprofi Neudecker rückblickend über seine Zeit beim TSV 1860 München

Der Juniorennationalspieler Richard Neudecker verlässt wegen seines auslaufenden Vertrages den TSV 1860. Das Löwen-Talent wird zur kommenden Saison im Sommer zum FC St. Pauli wechseln.

Wie sieht der Alltag eines Nachwuchsprofis aus?
Seine letzten Jahre beim TSV 1860 behält Neudecker in guter Erinnerung.

Hier nochmal alles zum mitlesen:

Ich bin der Richard Neudecker, spiele in der U21 beim TSV 1860 München, habe fünf Länderspiele in der U18-Nationalmannschaft gemacht und spiele jetzt seit circa 2010 bei 1860. Also ich war erst beim TSV Buchbach. Dann bin ich zum SV Wacker Burghausen, dann bin ich weiter zu Ampfing und dort kurz danach gleich hierhergekommen. Und hier ist natürlich schon ein Unterschied, alleine schon die Häuser, das Gelände, das beeindruckt natürlich. Aber was mich sehr gewundert hat, dass es hier sogar noch familiärer ist als in den kleinen Vereinen. Also das wundert mich bei 1860 wirklich sehr. Natürlich fühlt man sich dann sehr wohl, weil das Umfeld sehr angenehm ist. Und ich finde, mit dem guten Umfeld kann man auch gute Leistungen bringen.

Also natürlich beginnt es dann mit der Mannschaft, wenn man neu in die Mannschaft kommt, man wird sofort gut aufgenommen. Und auch oben, also bei der Führung vom Verein, da wird man auch sehr gut aufgenommen, und die sind sehr freundlich alle. Wird gut miteinander umgegangen. Und der Kontakt ist zustande gekommen, indem wir ein Freundschaftsspiel mit 1860 hatten. Und kurz danach hat direkt 1860 bei mir angerufen und hat um ein Probetraining gebeten. Und da habe ich mich dann auch gleich entschieden, dass ich im Winter hierher wechseln werde.

Mein erstes Training war, dass ich hergekommen bin, die Kabine war leer und das Training ist ausgefallen und ich habe es nicht mitbekommen, weil keiner meine Nummer hatte. Also ich bin mit einem Freund hergekommen, der schon hier gespielt hat, und der hat dann den Trainer angerufen, der hat uns dann informiert, dass das Training ausfällt. Ja, also es beginnt natürlich, wenn man die Schuhe bindet in der Kabine, da kommt dann schon langsam die Nervosität, und dann der erste Ballkontakt, das ist schon ziemlich interessant, aber dann, also wenn man im Spiel ist, dann denkt man nicht mehr daran.

Also man ist circa um 7:00 Uhr aufgestanden, ist dann relativ relaxed zum Frühstücken gegangen. Dann ist man weitergefahren, fünf Minuten von hier ist das Gymnasium. Dann geht man circa bis 16:15 Uhr in die Schule, aber man hat dazwischen auch noch zwei Stunden Fußball. Das nennt man LSK. Und danach macht man sich einen kleinen Snack. Und um 17:30 Uhr circa hat man dann wieder Training. Nach dem Training gibt es dann Abendessen. Und dann kann man, je wie man will, sich für die Schule vorbereiten wieder oder auch mal relaxed Fernsehen schauen, wie man will. Und dann geht man ins Bett und am nächsten Tag relativ dasselbe wieder.

Natürlich, also es ist anstrengend, aber ich meine, wir wollen alle Fußballprofi werden und es geht ja alles ums Fußball. Und jeder, der hierher kommt, liebt Fußball. Von dem her gewöhnt man sich relativ schnell daran. Natürlich, also man muss sich dann auch die Zeit nehmen, aber für Freunde ist relativ wenig Zeit. Und die Freunde sind halt dann die auf dem Fußballfeld. Aber man kann halt mal ins Kino gehen, wenn man mittwochs frei hat praktisch, aber nicht sehr oft. Dafür geht man ja aufs Sportgymnasium, dass die auch mal Rücksicht auf einen nehmen. Aber es kommt natürlich sehr oft vor, dass man im Bus lernen muss, was ja sehr schwer ist eigentlich, aber es ist schon machbar. Dann muss man auch im Hotel lernen, aber man kann ja auch im Bus mal Fernsehen schauen oder sich mal eine Pause gönnen. Und also die Schule nimmt schon Rücksicht auf jeden Fall. Und da muss man halt die Schulaufgaben nachholen.

Also ich glaube, ich habe den Pädagogen sehr viel zu verdanken, weil die immer für einen da sind. Und die nehmen einem auch viel ab, wenn man mal Fragen hat oder so, die kennen sich aus, auch aus in München, und helfen einem dann. Und die Trainer nehmen auch Rücksicht auf die Internatspieler, wenn die mal heimfahren wollen und den Trainer bitten, ob sie mal ein Training vielleicht ausfallen lassen können. Also das ist alles sehr familiär und das verstehen die schon.

Also es ist so, dass man natürlich seine engen Freunde auch findet innerhalb der Mannschaft. Und oft wohnen die ja dann auch in München noch. Und dann bleibt man natürlich auch in Kontakt. Bei mir war halt das Glück, dass ich schnell wieder einen neuen Freund gefunden habe. Und im Endeffekt kommt man schon gut klar und findet auch schnell Freunde in der Schule auch. Man wird schon gut aufgenommen. Es gibt natürlich paar Leader im Team, die reden dann viel mit einem und helfen einem auch. Und wenn es halt mal schlecht läuft, ist klar, dass man dann auch mal was sagt, aber ist gar nicht/ Also ich wurde sehr gut aufgenommen eigentlich.

Also ich finde das sehr gut, dass die Profis nicht abgeschirmt werden von uns, sondern wir unsere Vorbilder auch sehen können und sogar anfassen können. Ich finde es super. Und auch die Trainer bei 1860, die Profis und die Jugendabteilung, die kommunizieren sehr viel miteinander. Also ich finde das relativ gut eigentlich hier bei 1860. Und das Umfeld ist sehr angenehm hier, sehr familiär und menschlich natürlich. Was richtig wichtig ist hier, ist die Mentalität. Weil von der U14 bis ganz oben wird die Mentalität eingeflößt. Und das ist für mich also, hat mir sehr weitergeholfen.