Leiter der Physiotherapie über seine Arbeit beim TSV 1860 München

Stephan Rainer koordiniert den Bereich der Physiotherapie beim TSV 1860, außerdem betreut er die U21. Ist ein Spieler verletzt kann er jederzeit auf die Physiotherapeuten zukommen.

Er erzählt von seiner Arbeit beim TSV 1860 und wie die Spieler dort betreut werden.

Hier nochmal alles zum mitlesen:

Also mein Name ist Stephan Rainer. Geboren bin ich in Südtirol, Italien. Bin über die Ausbildung nach München gekommen, habe hier vor 20 Jahren die Ausbildung zum Masseur, medizinischen Bademeister gemacht, habe mich dann weiter fortgebildet in Richtung Sport-Physiotherapie. Habe dann für eine Praxis gearbeitet, zuerst ein Praktikum in Solln in der Sana Klinik, später über das Bergbad und einem gewissen Herrn Hodrius gearbeitet. Der war hier der Leiter der medizinischen Abteilung bei den Profis. Der hat mich dann mal als Aushilfe mit hierhergenommen, später hat sich das dann, das war 1998, das hat sich dann so entwickelt, dass ich immer öfter herkommen sollte und dann auch mit zu den Spielen gefahren bin. Und im Sommer 1998 war ich im Trainingslager mit dabei. Und da wollte dann die Mannschaft, dass ich einen fixen Job hier kriege. Und dann hat der Herr Wildmoser damals zugestimmt und hat mich hier eingestellt. Dann war ich, ja, schulische Ausbildung. Später habe ich dann nach Abschluss von der Sport-Physiotherapie die Heilpraktikerschule besucht hier in München. Das war Abendschule, weil das sich hier schlecht verbinden lässt, weil man den ganzen Tag arbeitet und man wenig frei kriegt für Fortbildung, muss man echt drum kämpfen. Das habe ich dann abgeschlossen. Später habe ich mich dann spezialisiert auf Chiropraktik. Und aktuell mache ich so einen Fernlehrgang auf der International University of Malta in Bioenergetik, sprich holistische Medizin. Und Abschluss steht noch aus.

Hier bin ich der Leiter von der Physiotherapie. Ich habe vier Mitarbeiter, die Therapeuten sind. Ich bin der einzige, der eine 100-Prozent-Stelle hat. Zwei Kollegen haben eine 75-Prozent-Stelle und zwei Kollegen machen nur Spielbetreuung für Jugendmannschaften. Ich bin zuständig für die Koordination hier, für Bestellung und das ganze Zeug, organisatorischen Bereich. Und als Mannschaft betreue ich die U21. Dann haben wir hier den Tom Reich, der betreut die U19-Bundesligamannschaft. Wir haben Matthias Keßler, der betreut die U16. Die sind während der ganzen Woche hier, immer abends so zwischen 17:00 Uhr und 20:30 Uhr. Spielbetreuung macht für die U17-Bundesligamannschaft Jószef Fehér, der ist zudem auch noch der Therapeut von der ungarischen Nationalmannschaft. Und wir haben die Lorena Büchner, die macht die U15. Das sind die Mannschaften, die Spielbetreut werden.

Sonst kann hier jeder kommen, von der U10 bis U21, wenn der was hat, kommt zu uns, wird kontrolliert. Montags haben wir immer eine Arztsprechstunde. Da werden die auch hingeschickt. Kommt immer einer von unseren Vereinsärzten. Der Dr. Widenmayer, der der oberste Leiter ist, und zudem noch der Dr. Englhard und der Dr. Wimmer. Der Dr. Wimmer ist eigentlich speziell für das Nachwuchsleistungszentrum zuständig. Und die halten montags eine Arztsprechstunde ab, wo man alle Spieler hinschicken kann, die dann kostenlos untersucht werden und eine Diagnose bekommen, mit der wir dann arbeiten können. Jeder Spieler hat Anrecht auf Therapie. Und im Rahmen unserer Möglichkeiten geben wir halt alles, was wir können und versuchen, ihn wieder fit zu kriegen. Wenn das nicht funktioniert, kommt auch externe Hilfe dazu. Oder wenn Eltern das wünschen, dass die lieber woanders hingehen, ist natürlich erlaubt, woanders hinzugehen, allerdings immer in Absprache mit dem Herrn Schellenberg, dem Leiter Sport NLZ. Grundsätzlich ist von morgens bis abends immer ein Therapeut anwesend, bei dem die Spieler Hilfe suchen können, sprich, 8:00 Uhr, halb neun abends ist immer jemand da.

Dadurch, dass ich 15 Jahre bei den Profis gearbeitet habe, möchte ich jetzt von der Art, wie wir arbeiten, gibt es vielleicht keinen Unterschied. Natürlich, in der Intensität der Betreuung gibt es einen Unterschied. Wenn man bedenkt, wir betreuen hier zu dritt 140 Spieler. Und die betreuen zu zweit knapp 30, kann man sich ausrechnen, dass natürlich die Intensität der Betreuung (?verschieden ist). Von der Qualität, glaube ich, gibt es keinen Unterschied. Wir versuchen hier konzeptionell zu arbeiten, dass wir sagen, okay, wir versuchen, vorbeugend zu arbeiten. Das ist ein ganz großes Anliegen meinerseits, dass ich viel chiropraktisch arbeite, damit alle Gelenke gut beweglich sind, damit Nervenaktivität optimiert ist. Wir versuchen, sehr viel für Regeneration zu investieren, dass wir ganz viel Regenerationsmassagen machen. Ist nicht selbstverständlich, kenne ich viele Kollegen, die das nicht gerne machen, weil es einfach ein Knochenjob ist. Aber hier schauen wir schon, dass wir Regeneration auch fördern. Wir haben auch eine Sauna hier, wo die regelmäßig reingehen sollen. Wir versuchen, mit Nahrungsergänzung die ein bisschen zu unterstützen. Und natürlich, wenn jemand eine Verletzung hat oder eine Operation überstanden hat, wird er hier auch betreut und wieder fit gemacht. So läuft das hier.

Auch allgemein die Philosophie ist anders. Wir haben einen jungen Spieler, der hat einen Meniskusschaden, da probiert auch der Arzt schon, ihn so zu operieren, dass möglichst viel Meniskus-erhaltend operiert wird. Vielleicht bei einem Profi, wo du sagst, okay, der hat noch fünf Jahre vor sich, machen wir ganz klassische OP, kommt raus, was raus muss. Und bei einem Jungen probiert man halt, so viel zu erhalten, wie nur irgend geht, weil er halt noch hoffentlich eine lange Karriere vor sich hat. Und wenn ich das so betreibe, braucht er natürlich viel länger in der Reha. Oder die Gefahr, dass der nochmal nachoperiert werden muss, ist auch groß, weil das ist keine optimale OP. Und deswegen, ist vielleicht jetzt besser, wenn das ein Arzt erklärt, aber so in die Richtung läuft es, dass man für die Jungen versucht, ihnen viel Zeit zu geben, dass die Verletzungen wirklich komplett ausgeheilt sind, und auch Wege zu finden, sie möglichst schonend wieder zurückzuführen und strukturerhaltend, könnte man vielleicht so allgemein formuliert mal sagen.

Also bei den Jugendlichen wird auch nicht so aggressiv therapiert. Sprich, auch da wird nichts gespritzt, und wir versuchen auch, keine Medikamente zu geben. Die ganzen Entzündungshemmer wie Voltaren oder Ibuprofen oder Diclofenac, das gibt es hier nicht. Maximal von meiner Seite aus als Heilpraktiker gibt es mal vielleicht kleine homöopathische Unterstützung, aber sonst probieren wir, solche Sachen zu vermeiden und wirklich den Körper die Heilung selber machen zu lassen ohne große Unterstützung von außen. Natürlich, manuell unterstützen wir das so gut, wie es geht in Form von Lymphdrainage, alles, was dazu gehört in den ersten Schritten, und auch hinterher mit Aufbautraining. Und da legen wir viel Wert auf funktionelles Krafttraining, damit die rumpfstabil werden und eine gute Beinachse kriegen, damit die stabile Gelenke haben und sich auch gut bewegen können. Ich sehe das immer so als Basisfitness, wenn einer eine gute Grundstabilität hat. Und dann wirken die anderen Trainingsmethoden wie das Krafttraining, das die früher oder später dann machen müssen, oder auch das Schnelligkeitstraining, viel besser, weil der Körper von der Statik her besser funktioniert und die Muskeln in einer optimalen Reihenfolge und Winkelstellungen arbeiten können. Und auch die Gefahr von Muskelverletzungen reduziert wird.

Bei den Kindern, die im Wachstum sind, gibt es halt so Apophysenentzündungen. Oder der Klassiker ist der Osgood-Schlatter, das ist eine Verletzung am Knie, also eine aseptische Entzündung, und das tritt halt hauptsächlich bei Kindern auf. Und wenn die hier viel auf dem Kunstrasen trainieren, und die haben für ihr Alter schon sehr viele Einheiten und werden schon richtig belastet, da kommt das leider öfter vor, dass die so Ansatzreizungen haben oder auch der Knochen selber Entzündungen entwickelt, die man dann einfach aussitzen muss. Also die werden vom Arzt betreut, und da wartet man einfach so lang, bis die absolut schmerzfrei sind, damit sie wieder ins Training einsteigen können.

Natürlich, je älter sie werden, umso körperbetonter geht es im Training und im Spiel zu, und hat man schon ein paar Kollateralschäden ab und zu zu beheben hier, ja. Wenn die ordentlich in die Zweikämpfe marschieren oder auch, wenn die Kopfverletzungen, wenn die in Kopfbälle reingehen, je älter sie werden, umso massiver ist natürlich der Körperkontakt und aggressiver das Spiel. Dementsprechend ändern sich auch die Verletzungen. Wir hier zum Glück, muss ich sagen, also ich muss irgendwo draufklopfen, haben wenig Muskelverletzungen und eigentlich mehr nur Kontakttraumata.