SV Odelzhausen über ihre Kooperation mit dem TSV 1860 München

Dirk Richter, 1. Abteilungsleiter des SV Odelzhausen, berichtet über die Partnerschaft seines Vereins mit dem TSV 1860. Für ihn ist die Kooperation ein großer Zugewinn. Zum einen an Image, zum anderen aber auch als Anstoß, wie man sich als Team präsentiert.

Wie kam es zu der Gründung der JFG Kicker Dachau Land West?
Woran liegt es, dass immer weniger Kinder Fußball spielen können?
Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem TSV 1860?

Hier nochmal alles zum nachlesen:

Also mein Name ist Dirk Richter. Ich betreibe hier beim SV Odelzhausen die Funktion des 1. Abteilungsleiters der Fußballabteilung. Bin seit 1996 im Verein und seit 1997 eigentlich mit einem Jahr Pause Mitglied der Abteilungsleitung der Fußballabteilung. Partnerverein, offizieller Partnerverein sind wir seit letztem Jahr. Zustande kam es im Endeffekt durch einen Kontakt über einen ehemaligen Trainer unserer Seniorenmannschaft, der Kontakt hatte zum Udo Seidl, zum damaligen Chef-Scout von 1860. Und der hatte mal angefragt bei unserer Anlage hier, ob die U19 mal ein Vorbereitungsspiel gegen den SC Fürstenfeldbruck machen könnte bei uns auf der Anlage. Und, ja, es hat ihnen eigentlich ganz gut gefallen. Die waren dann gleich die Woche drauf nochmal da. Und dann kam über den Wolfgang Schellenberg die erste Anfrage mal über ein U16-Bayernligaspiel, ein Punktspiel. Das erste, was wir hier hatten, war dann gegen Greuther Fürth. Und so kam die nächste Anfrage und die nächste Anfrage. Und irgendwann habe ich mir gedacht, es wäre eigentlich eine schöne Geschichte, wenn man das als Standard- oder als Dauerlösung einrichten könnte, und habe dann mit ihm gesprochen und habe ihn gefragt, ob man das nicht irgendwie in Form einer Kooperation machen könnte. Und seitdem sind wir, seit letztem Jahr im Sommer sind wir offiziell Kooperationspartner und Heimspielort der U16-Bayernliga.

Ja, also für uns es, erstmal sind diese Spiele, die hier kommen, Riesen-Highlights. Man sieht Begegnungen, die man eigentlich sonst nur als Fußballfan im Fernsehen, im Stadion sieht. Wir haben jetzt am Sonntag gerade das Derby gehabt gegen den 1. FC Nürnberg hier. Und das sind natürlich, ja, Spiele auf einem Niveau, was für unsere Jugendarbeit natürlich sehr viele Vorteile bringt. Weil die Jungs, die wir trainieren, gerade im kleineren Alter, im E-Jugend-, F-Jugend-Bereich, die sehen diese Spieler natürlich schon in einer gewissen Art schon als Vorbild und versuchen natürlich auch vielleicht den einen oder anderen Sprung zu schaffen, um vielleicht auch mal mit dem Trikot der Löwen hier in Odelzhausen in einer Jugendmannschaft aufzulaufen.

Wir haben immer wieder das Glück, dass unsere Jugendmannschaften von Trainern und Betreuern, teilweise auch U17-Bundesligaspielern der 1860er hier mal eine Trainingseinheit leisten. Unterstützen uns in Fragen. Wir haben immer wieder die Möglichkeit, auch mal zu 1860 selber ins Stadion reinzufahren. Wir können unsere Trainer zu Trainerfortbildungen schicken. Und das ist also für die fußballerische Ausbildung ein unheimlicher Mehrwert, den wir haben. Aber nichtsdestotrotz ist der größte Mehrwert, den man natürlich sagen kann, für uns als kleiner Dorfverein der Imagegewinn, mit einem Traditionsverein wie dem TSV 1860 hier einfach den Kontakt zu haben und auch eine Partnerschaft zu haben.

Wenn es logistisch möglich ist, natürlich. Wenn man so eine Chance bekommt, auch mal hinter die Kulissen schauen zu dürfen oder auch mal mitzuerleben, wie/ Unsere Vereine hier sind Amateure. Wir machen das ehrenamtlich. Es gibt diesen berühmten Spruch, den man immer wieder im Amateurfußball hört, wenn es ein Foul gibt: “Hey, tu doch mal langsam, wir müssen alle morgen wieder in die Arbeit.” Und auf der anderen Seite sieht man dann aber diese Professionalität, die auch im Jugendbereich schon, und zwar von den Kleinen an, dargelegt wird. Und ist vorteilhaft für jeden Verein, weil man natürlich auch dort selber seine Weichen stellen kann. Und wenn es nur damit anfängt, dass man einfach in einem vernünftigen gemeinsamen einheitlichen Outfit zu einem Auswärtsspiel fährt und einfach dort sich präsentiert, den Verein präsentiert, sich als Team, als Gemeinschaft präsentiert. Und ich glaube, davon kann sich jeder Verein einiges abschauen.

Jetzt hast du mir vorhin erzählt, dass ihr die JFG gegründet habt. Warum habt ihr denn so eine JFG gegründet?

Ja, im Endeffekt ging es eigentlich, oder wir hatten nur noch die Überlegung, entweder wir schauen wirklich, dass wir eine Jugendgemeinschaft gründen. Zu dem damaligen Zeitpunkt war es leider so, dass Spielgemeinschaften nicht aufstiegsberechtigt waren in den Jugendligen. Und man muss es halt einfach so sagen, als kleiner Dorfverein, wir haben nicht das Einzugsgebiet wie die Stadtvereine in München oder die großen Gemeinden. Wenn man überlegt, 5 Kilometer weiter ist Sulzemoos. 5 Kilometer in die Richtung ist Egenburg. Die selber alle eigenständige Vereine haben. Und wir hatten einfach die Problematik, dass alle drei Vereine nicht mehr in der Lage waren, eigenständige Jugendmannschaften zu stemmen. Und dann war natürlich die Überlegung auch, wie können wir das forcieren, wie können wir das irgendwie bündeln, um gleichzeitig einen vernünftigen Spielbetrieb aufrechtzuerhalten und natürlich auch eine gewisse Ausbildung, eine gewisse vernünftige Ausbildung im Jugendfußball zu bieten? Und da ist vor vier Jahren jetzt in der Zwischenzeit schon die JFG Kicker Dachau Land West gegründet worden aus diesen drei Stammvereinen. Und ich muss sagen, also die Zusammenarbeit mit den Vereinen läuft hervorragend. Wir haben von der A-Jugend bis zur D-Jugend, also das gesamte Großfeld inklusive einer C-Juniorinnen-Mannschaft alles abgedeckt. Spielen mit der D-Jugend und mit der A-Jugend in der Kreisklasse. Es funktioniert.

Woran liegt es denn, meinst du, dass immer weniger Kinder Fußball spielen können, oder wie kann man denn die Kinder wieder dazu bringen, dass sie wieder gerne in einen Verein kommen?

Ich glaube, das ist eine Frage, die jeder Verein sich stellt. Und also ich habe noch keine vernünftige Antwort gefunden drauf. Eigentlich hatte ich gehofft mit dem diesjährigen Gewinn der Weltmeisterschaft, dass irgendwie so ein Aufschwung, so eine Hallo-wach-Reaktion gibt. Aber ich muss bei uns jetzt vom Nachwuchs her feststellen, es war nicht der Fall. Da war der Zulauf nach der WM zu Hause 2006 viel größer. Woran liegt es, dass Fußball nicht mehr so interessant ist? In der Zwischenzeit, es gibt so viele Randsportarten, die immer mehr ins Licht gerückt werden auch durch Fernsehberichte oder Sportberichte. Das multimediale Unterhaltungsmedium hat leider, muss man sagen, sehr, sehr oft das Nach-draußen-Gehen und Auf-den-Fußballplatz-Gehen und einfach nur bolzen, so wie früher, na ja, die besten Fußballer waren Straßenfußballer. Und früher sind die Jungs, also wenn ich jetzt nur an meinen denke, der ist von der Schule nach Hause, Hausaufgaben, ab auf den Bolzplatz und abends nach Hause, essen, Bett, Schule, Bolzplatz. Gab nichts anderes. Und das hat nachgelassen. Heute ist die Playstation teilweise wichtiger als ein Teamsport, eine Gemeinsamkeit oder sonstiges. Und das hat leider nachgelassen. Und oftmals ist es auch die fehlende Unterstützung der Eltern. Dass einfach der Sportverein mehr als Einrichtung gesehen wird, um das Kind mal ein, zwei Stunden abzuschieben, ich sage es vorsichtig, aber abzuschieben, um Zeit für sich zu haben. Das ist etwas, was wir also teilweise feststellen.

Nochmal zurück auf 1860. Den Verein hast du jetzt so kennengelernt von der Jugendseite. Wie würdest du den Verein so beschreiben und die Leute, mit denen du zu tun hast?

Sehr aufgeschlossen. Also wenn ich mir überlege, dass also gerade bei den Punktspielen der U16 ich in einem sehr, sehr regen Kontakt mit dem Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, dem Wolfgang Schellenberg, stehe, dass natürlich er unsere Wünsche berücksichtigt. Ich meine, wir haben selber zwei Seniorenmannschaften im Spielbetrieb und einige Mannschaften der JFG, die bei uns hier ihre Heimspiele haben. Und es hat noch überhaupt kein einziges Mal irgendwo ein Problem gegeben zu sagen, wir müssen mit den Spielplänen uns anpassen. Sondern es ist eine Selbstverständlichkeit, der Spielplan kommt raus, er wird besprochen, wir gleichen ihn ab mit unseren Spielplänen. Dann wird gesagt: “Ja, es wäre ganz gut, wenn wir das Spiel verlegen könnten.” Kein Problem, wird gemacht, wird verlegt. Und sehr familiär, sehr professionell. Und es macht unheimlich Spaß. Und der U16 gefällt es bei uns. Das kriegen wir mit. Und ich sage jetzt mal, ansonsten, glaube ich, würden sie auch dieses Jahr heuer nicht ihre Weihnachtsfeier hier bei uns im Sportheim in Odelzhausen machen.

Im Großen und Ganzen muss man sagen, für uns als SV Odelzhausen ist diese Kooperationspartnerschaft mit dem TSV 1860 München ein absoluter Mehrwert. Wir haben dadurch, was für jeden kleineren Verein wichtig ist, muss man auch, wenn man es sagen darf, viel mehr Möglichkeiten, auch Werbepartner wieder zu finden, weil auch uns kostet der Spielbetrieb unserer Mannschaften Geld. Wir haben nicht diesen Einzug, sage ich jetzt mal, den 1860 hat, aber für uns als kleiner Sportverein ist diese Partnerschaft im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert.