Technik-Trainer Benjamin über seine Erfahrungen beim TSV 1860 München

Collin Benjamin, ehemaliger Profifußballer, arbeitet nun als Co-Trainer des Förderkaders. Er erzählt von seinen Erfahrungen als Trainer der Leistungsgruppe (U17-21).
Benjamin hat zu seiner Zeit als Fußballer viel von seinen Trainern gelernt und ist nun selbst begeisterter Trainer.

Was ist wichtig für ein erfolgreiches Training?
Warum ist es manchmal sinnvoll Spieler unterschiedlichen Alters zusammen zu trainieren?
Was ist die Philosophie von 1860?

Hier nochmal alles zum mitlesen:

Hi, ich bin Collin Benjamin. Ich bin in Windhoek geboren, das ist im Süden Afrikas, Namibia genau. Ich bin jetzt zurzeit bei 1860 München als Co-Trainer beziehungsweise Techniktrainer für den Förderkader. Förderkader sind halt die Jungs U17 bis U19, U21, quasi jetzt die Jungs, die wir jetzt nach oben führen, die Leistungsgruppe, so sagt man das.

Und, ja gut, ich habe jahrelang in Hamburg gespielt. Und bin 1999 nach Deutschland gekommen, 2001 den Sprung zum HSV geschafft, in eine Profimannschaft. Mein ganzes Leben eigentlich in Hamburg gespielt. Und wie man immer so sagen würde, dass ich ein Hamburger Jung bin. Aber ich fühle mich trotzdem richtig wohl hier in München, hier in Giesing. Und jetzt bin ich dann halt jetzt als Co-Trainer hier tätig. Ich habe 2011 noch den Sprung gemacht bei 1860. In der ersten Mannschaft habe ich dann halt ein Jahr gespielt. Und leider verletzungsbedingt musste ich dann halt aufhören. Aber, gut, es ist natürlich traurig gewesen, aber das Leben geht weiter und das Fußballleben eh sowieso. Und ich habe jetzt den Weg gefunden dann halt hier in den Trainerstab. Und geile Sache, super, macht Spaß.

Ich sage mal jetzt so, Fußball, das war ja mein Leben. Man ist zur Schule gegangen. Ich denke, ich war einigermaßen gut in der Schule, aber Fußball war ja eh immer dein Ding oder das Ding, wo man eigentlich richtig mit Begeisterung gemacht hat, und dass ich dann halt das Glück hatte, mein Brot mit dem Fußball zu verdienen, war natürlich eine Supersache. Und meine letzte Station hier bei 1860, mit den Jahren, mit der Zeit hat man einfach auch gemerkt hier in Deutschland oder überall, dass es einfach so eine Begeisterung gibt für Fußball. Und da wollte ich eigentlich auch mit beitragen halt. Und ich sage mal jetzt so, wenn so ein junger Kerl, ich bringe ihm ja bei, wie man jetzt zum Beispiel den Ronaldo-, den Messi-Trick macht, und da schaut er dich so an, da dachte ich, ey, das ist es doch, weißt du? Dass man einfach anderen Jungs oder anderen Leuten Freude bereiten kann. Und letztendlich hast du ja auch den Weg gemacht und da gibst du ja manche Sachen, die du auch gerne hättest, die man dir beibringen sollte, hat es vielleicht nicht die Person gegeben, und dass du das jetzt machen kannst, finde ich natürlich so eine Art Berufung, du musst es machen.

Als Co-Trainer in erster Linie, klar, sind wir halt zu zweit in einem Team. Und wir führen dann halt die U21-Jungs. Und das ist dann halt die tägliche Arbeit auf dem Platz. Alles, was mit dem Fußball zu tun hat. Und das andere, das Technik-Trainer, quasi jetzt ich bin dafür verantwortlich, für den Förderkader. Förderkader ist die Leistungsgruppe aus der U17 bis zu U21. Da trainieren wir im Schnitt alle zwei Wochen, wo wir halt quasi jetzt die Förderspieler oder so eine Gruppe von Jungs zusammenstellen, an deren Schwächen wir dann halt arbeiten beziehungsweise die Stärken dann auch versuchen, dann halt noch einen Schritt weiter zu bringen. Und dass wir Sachen mit Ballan- und -mitnahme, eine einfache Flanke schlagen, Ballspannschüsse annehmen, Brust, einfach den Ball zu deinem Baby machen, dass man eigentlich vergisst, dass es das wichtige Tool ist eigentlich, der Fußball. Und das machen wir halt. Und das ist eigentlich so mein Hauptjob, also einer meiner Bereiche, wo ich dann auch tätig bin.

Ich habe richtig viele Trainer gehabt. In Hamburg in den 10, 12 Jahren, wo ich da war, habe ich 10 Trainer gehabt. Und jeder hat wirklich, oder ich habe zumindest für mich dann auch versucht, von jedem was mitzunehmen. Der Huub Stevens. Huub Stevens ist eine Autorität und Disziplin. Es ist dann halt, er hat die Disziplin nicht nur außerhalb des Platzes, auch innerhalb des Platzes, uns so reingedrängt, dass wir zum Beispiel auch wussten, ey, wenn wir jetzt ein Tor in der fünften Minute schießen, gewinnen wir das Spiel 1:0, weil die werden kein Tor schießen, weil wir wussten, wie wir uns zu bewegen haben. Und aus dieser Disziplin heraus, aus dem Mannschaftsverbund, wussten wir, wie wir uns zu bewegen haben und der Gegner hat keinen Platz eigentlich gekriegt, um da Tore zu machen. Und diese Disziplin ist einfach auch ein wichtiger Teil des normalen Lebens, und das hat er dann halt auf den Fußballplatz übertragen.

Thomas Doll, man hat immer so gesagt, das ist so ein Sunnyboy, der hat Hamburg eigentlich wachgeküsst, weil er einfach Lebensfreude gestrahlt hat, der war, wir kamen raus auf den Platz, und der Platz sah aus wie eine Landebahn, Fuhlsbüttel, mit den Hütchen, alles aufgebaut. Das ist, leben, das ist Struktur. Und das ist irgendwie so für uns als Spieler dann auch zu zeigen: “Ich bin bereit, ich bin vorbereitet.” Und also das ist das, was ich zum Beispiel von Thomas Doll mitgenommen habe, geiler Trainer.

Und dann hast du zum Beispiel einen Martin Jol, der Niederländer, der hat in England lange trainiert, dass der richtig the Big Boss, da stand der immer dann halt da. Und dann sitzen wir halt in der Kabine, UEFA-Cup, Viertelfinale gegen Manchester City, die haben einen Robinho, der hat gerade wie viel hundert Millionen gekostet, der ist mein Gegenspieler, und er in der Besprechung sagt: “Ey, Collin, der kann gar nix! Du bist ein Tier, du machst das!” Und dann haben wir ein geiles Spiel gemacht. Motivator pur.

Und dann hast du, ich sage mal, der Toppmöller, der hat natürlich auch, obwohl er dann halt auch älter war, hat er auch gut mitgespielt, und er konnte natürlich ein bisschen kitzeln. Da sagt er: “Ey, Collin, du kannst gar nichts.” Und da sagst du dann halt: “Wie? Du sagst, ich kann gar nichts? Jetzt erst recht zeige ich dir!” Das sind solche Sachen, die ich dann halt von den Trainern mitgenommen habe und die ich dann auch versuche, dann halt umzusetzen, aber trotzdem ich zu bleiben, einfach nur von einem da ein bisschen was zu nehmen und diese Mischung dann halt zu kriegen. Und es ist trotzdem noch so ein Weg, den ich halt jetzt gerade angefangen habe. Und ich hoffe, dass man den halt auch weiter das irgendwie machen kann.

Ich sage mal jetzt so, die Jungs, die sind hier jetzt hier in NLZ, erstens ist es nicht nur ein Privileg, man muss es sehen als eine Riesenchance. Als ich aufgewachsen bin in Namibia: Ein Techniktrainer? Was ist das? Kenne ich nicht. Was ist Technik überhaupt? Kenne ich nicht. Schießen, wir sagen ja immer, die afrikanischen Jungs können nicht schießen. Das stimmt. Weil wir keine Netze hatten. Wenn ich dann halt schieße, dann geht der Ball 10 Kilometer weiter, dann schimpfen alle. Aber jetzt hier in dem NLZ haben die Jungs, die Bedingungen sind richtig gut, die Voraussetzungen sind gut. Die sind jetzt, ich sage mal, ein Junge, der jetzt mit 10 Jahren hier anfängt und bis U19, U20 schafft, der ist gut ausgebildet im technischen Bereich und taktisch sowieso. Zweikampfverhalten. Schnelligkeit versuchen wir natürlich auch, die Jungs irgendwo hinzubringen. Die sind richtig gut ausgebildet.

Was wir dann halt jetzt versuchen zu machen, ist einfach, diese Komponenten dann halt zusammenzubringen, dass er den Sprung dann halt schaffen kann in eine Profimannschaft. Und das sind dann halt, die sechs Facetten, die ich jetzt aufgezählt habe, Technik, Taktik, Zweikampfverhalten, Persönlichkeit, Schnelligkeit, das sind die Sachen, die wir dann halt so zusammen quasi jetzt vermischen, wie wenn man jetzt einen Kuchen backt, zusammenmischen und versuchen, das Beste daraus zu bringen, dass die Jungs dann halt den Sprung nach oben schaffen. Ich sage mal, früher, als ich noch da oben in Hamburg gelebt habe, hat man 1860, es ist bekannt für diese Talentschmiede. Dass man wirklich überall in der Republik und auch außerhalb Deutschlands dann als Spieler haben, die bei 1860 ausgebildet sind. Und das war für mich so eine Art, ich nenne das mal inoffiziell die Akademie des deutschen Fußballs halt. Und das drückt es dann halt für mich aus. Und dann ist es jetzt hier, wenn man jetzt weiter geht in die erste Mannschaft, es ist eine heiße Platte, es brennt immer bei 1860 in Giesing. Der Verein spielt jetzt in der 2. Liga, aber vom Potenzial her, es ist wirklich so ein Riesenpotenzial, dass man eigentlich verdient hat, in der 1. Liga zu spielen. Und ich glaube, man arbeitet daran. Und ich würde mir wünschen, diesen Verein irgendwann in der 1. Liga zu sehen. Und weil es hat einfach auch eine Historie hinter sich. Und München ist halt auch 1860 halt.

Das ist dann halt so, okay, gut, jeder ist verantwortlich für sein eigenes Team, aber wir haben immer einmal die Woche sogenannte Bereichssitzungen, wo wir dann halt zusammenkommen und dann halt die Mannschaften besprechen. Das heißt, dass wir mit dem Leistungsbereich, die U17, U19, U21 und dem Profiteam dann halt zusammensitzen: Welche Jungs sind jetzt gut dabei? Wo sollen wir jetzt sie verbessern? Sind da von den Profis dann halt Jungs, die verletzt sind, die dann vielleicht herangeführt werden müssen? Spielpraxis sammeln. Das heißt, dass sie dann vielleicht bei der U21 spielen. Von den U21-Spielern, die vielleicht mal jetzt einen Sprung gemacht haben, dass die jetzt vielleicht mal Profiluft schnuppern. Oder U17-Spieler, der jetzt herausragt, der vielleicht mal ein bisschen gefordert werden muss, dass er mal vielleicht bei der U19 trainiert. Das sind so die Sachen, die wir dann halt bei den Bereichssitzungen besprechen. Und da heraus kommt dann halt dieses Förderkader-Training, was wir auch alle 2 Wochen dann halt haben, wo wir dann halt die jeweiligen Mannschaften dann halt, die Jungs zusammenstellen, dass wir dann halt sagen, okay, Spieler X braucht es, an seinem Kopfball zu arbeiten. Und da hast du ja Spieler Y, der halt seine Flanken verbessern muss. Da bringt man das dann halt zusammen. Und dass die Jungs dann halt aus verschiedenen Altersgruppen dann halt miteinander trainieren, kann der 17-Jährige auf jeden Fall was lernen von einem 20-Jährigen, der in der U21 spielt. Und anders rum auch halt. Und dann haben wir dann halt die Trainer, dass der U17-Trainer dann halt mal dieses Training führt oder der Co-Trainer vom Profiteam oder sogar der Profitrainer das auch führt. Das ist dann halt das, was 1860 ausmacht, dieser Zusammenhalt. Wenn wir jetzt das Gelände anschauen, das ist alles auf einem Fleck. Und man arbeitet, man ist gezwungen, zusammenzuarbeiten. Und das ist natürlich auch gut für die Jungs, wenn, ich sage mal, jetzt als 17-Jähriger: “Oh, der Trainer von den Profis, der leitet das Training. Ist doch eine geile Sache.” Und davon lernen die Jungs. Und das ist dann auch die Philosophie halt von 1860.

Für mich ist ein Team Leute, die zusammenarbeiten, um ein Ziel zu erreichen. Das heißt, ich muss mich auf meinen Nebenmann, Vordermann, Hintermann oder die zwei neben mir dann halt verlassen. Das ist ein Team. Weil nur zusammen können wir dann halt ein bestimmtes Ziel erreichen. Und wir sind ein Team!