Zwei Co-Trainer, zwei Welten: Zwischen türkischen Polizeieskorten und ägyptischen Klingeln

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Mit David Pietrzyk und Sebastian Podsiadly, Co-Trainer im Profifußball

Zum ersten Mal in der Geschichte des Podcasts sitzen gleich zwei Gäste gleichzeitig im Gespräch und das nicht ohne Grund. David Pietrzyk und Sebastian Podsiadly kennen sich seit Jahren, wohnten in Berlin zufällig 80 Meter Luftlinie voneinander entfernt und haben seitdem parallele, aber völlig unterschiedliche Karrieren als Co-Trainer im Profifußball hingelegt.

Von der Türkei bis nach Ägypten

David ist seit 2017 im Profibereich unterwegs, arbeitete in Deutschland, Polen und der Türkei und feierte zuletzt mit Górnik Zabrze die Vizemeisterschaft, den Pokalsieg und die Champions-League-Qualifikation. Sebastian kam über das Scouting zum Trainerjob, war unter anderem bei Union Berlin und dem SK Sturm Graz aktiv und arbeitet seit dieser Saison mit Urs Fischer beim FSV Mainz 05.

Besonders eindrücklich schildern beide, wie unterschiedlich Fußball emotional erlebt wird: In der Türkei begleiteten Polizeieskorten mit Blaulicht die Mannschaftsbusse zu Auswärtsspielen, nachts wurde das Team von hunderten Fans am Flughafen empfangen. In Ägypten wiederum sorgte eine Klingel auf dem Schreibtisch, mit der Mitarbeiter herbeigerufen wurden, für den größten Kulturschock – bei einer Medienabteilung mit rund 70 Angestellten.

Von der Nachricht bis zum ersten Training: 24 Stunden

Beide berichten, wie wenig Vorbereitungszeit im internationalen Profifußball oft bleibt. David hatte nach dem Anruf von Markus Gisdol nur zwei Tage bis zum ersten Training bei Samsunspor, Sebastian musste sich innerhalb von 24 Stunden für den Wechsel nach Ägypten entscheiden. Auch kulturelle Besonderheiten wie der Ramadan mussten kurzfristig in die Planung einfließen, da die Hälfte der Mannschaft in der Türkei fastete.

Sprache als Vertrauensfrage

Ein zentrales Learning für David: Ohne gemeinsame Sprache lässt sich nur schwer eine echte Bindung zu Spielern aufbauen. Während er zu englisch- und deutschsprachigen Spielern schnell eine gute Beziehung entwickelte, blieb der Zugang zu den türkischsprachigen Spielern lange schwierig – trotz Übersetzer, kleiner Gesten und Respekt gegenüber Kultur und Religion.

Der taktische Geniestreich gegen Leverkusen

Eine der spannendsten Anekdoten der Folge: Mit Drittligist Elversberg entwickelte David ein ungewöhnliches 4-2-2-System gegen Bayer Leverkusen im DFB-Pokal, bei dem die offensiven Außen als Zehner ins Zentrum zogen. Leverkusen fand über die komplette erste Halbzeit keine Lösung – am Ende gewann Elversberg sensationell 4:3.

Werden die Basics vergessen?

Zum Abschluss diskutieren David und Sebastian kontrovers, wie sich moderner Fußball entwickelt. Sebastian ist überzeugt: Grundlagen wie Restverteidigung, Körperhaltung und Zweikampfverhalten werden bei vielen Trainern zunehmend als selbstverständlich angesehen und dadurch vernachlässigt – ein Grund, warum Teams wie PSG oder Arsenal mit wiederentdeckter Defensivarbeit so erfolgreich sind. David sieht zusätzlich die Attraktivität des Spiels als entscheidenden Faktor und nennt den Doppelpass als Qualitätsindikator, der im modernen Fußball viel zu selten genutzt wird.

Fazit

Zwei Co-Trainer, zwei Wege – aber eine gemeinsame Überzeugung: Erfolg im Profifußball entsteht selten über nur einen richtigen Weg, sondern über Authentizität, Beziehungsarbeit und die Bereitschaft, sich immer wieder auf neue Umfelder einzustellen.

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