Im Mittelfeldblock geht es vor allem um Balance, Kompaktheit, Lesen des Spiels und Timing. Anders als im hohen Pressing müssen Pressingsituationen vorbereitet werden. Andernfalls besteht die Gefahr, ins offene Messer zu laufen.
Bei der Vorbereitung von Pressingsituationen ist Balance gefragt. Einerseits gilt es, Druck aufzubauen und keine Höhe zu verschenken. Andererseits müssen Kompaktheit und die Tiefensicherung erhalten bleiben.
Diese Balance erfordert ein Lesen des Spiels. Das Verteidigen im Mittelfeldblock funktioniert nicht durch ein bloßes Folgen des Gegenspielers. Die Spieler müssen den Raum um sich herum permanent wahrnehmen. Nur so können sie Mitspieler absichern, Passwege in den Verbund schließen, die Kompaktheit aufrechterhalten und auch zum richtigen Zeitpunkt in eine Mannorientierung übergehen.

Das Lesen des Spiels ist auch entscheidend, um Trigger und Situationen für ein Pressing zu erkennen. Während hohes Pressing oft mit Intensität verbunden wird, steht im Mittelfeldblock zunächst stärker das Timing im Vordergrund:
➔ „Wann können wir pressen?“
Entscheidungskompetenz im Defensivspiel
Die erwähnten Herausforderungen beim Verteidigen im Mittelfeldpressing zeigen eines sehr deutlich: Das Defensivspiel erfordert nicht nur ein bloßes Umsetzen von festen Abläufen – besonders gegen Gegner mit flexiblen Positionsspiel und Lösungen im Spielaufbau. Es erfordert individuelle Entscheidungskompetenz auf Grundlage einer klaren Intention:
- Tackeln oder Stellen?
- Druck machen oder den Raum schützen?
- Schnell oder langsam annähern?
- Am Mann bleiben oder den Mitspieler sichern?
Eure Intention im Mittelfeldpressing
Intentionen im Mittelfeldpressing können unterschiedlich aussehen. Das eine Team legt beispielsweise großen Wert auf das Halten eines kompakten Zentrums und wirkt zunächst passiver. Es wird auf den Ball in die Breite oder einen Rückpass vom Flügel als Pressingauslöser gelauert.

Das andere Team baut stärkeren Druck auf den Ball und versucht, Höhe mit der letzten Linie zu gewinnen, um ins hohe Pressing übergehen zu können oder einen Fehler oder langen Ball zu provozieren.

Reflexionsfragen zum Finden eurer Intention im Mittelfeldpressing:
- Worauf wollen wir hinaus? Schnellen Ballgewinn? Geduldiges Lauern auf Pressingauslöser?
- Was bedeutet das für unser Agieren auf letzter Linie?
- Welche Räume wollen wir konsequent schützen und welche Räume dürfen bewusst offen bleiben?
- Was sind unsere Pressingauslöser?
- Wo wollen wir Balleroberungen erzwingen? Was bedeutet das für unser offensives Umschaltspiel?
Tiefensicherung, Höhe gewinnen und vertikale Kompaktheit
Im Mittelfeldpressing entstehen oft Situationen, in denen gegnerische Aufbauspieler nur unter geringem Zeit- oder Gegnerdruck stehen. Gleichzeitig ist hinter der letzten Linie genug Raum für Pässe in die Tiefe. Das stellt hohe Anforderungen an die letzte Linie im Mittelfeldblock.
Die letzte Kette sollte sich bereits vor einem Pass hinter die Kette in der Rückwärtsbewegung befinden, um die Tiefe zu sichern – andernfalls wird es schwer, gut abgestimmte Laufwege und Pässe hinter die eigene Abwehr zuerst zu erlaufen.

Tiefensicherung:
- Ball & Blick des Ballführers lesen ➔ Bedrohungen für die Tiefe rechtzeitig erkennen
- Offener Fuß und gegnerischen Raumgewinn ➔ Letzte Linie fällt sofort
- Seitliches Körperprofil einnehmen ➔ schnell nach vorne & hinten verteidigen können
Im Mittelfeldpressing sollten aber auch keine Meter verschenkt werden. Andernfalls befindet sich das eigene Team schnell in einem tiefen Block. Deshalb muss die letzte Linie auch immer wieder aktiv Höhe gewinnen. Kann der Gegner die Tiefe nicht bespielen oder spielt er den Ball zurück, rückt die letzte Linie nach vorne.
Das ist auch in Pressingsituationen entscheidend. Rücken die vorderen Mannschaftsteile vor und die letzte Linie bleibt stehen, entsteht ein großer Zwischenraum. Diesen Raum kann der Gegner nutzen. Hält die Letzte Linie dagegen Anschluss, bleibt die vertikale Kompaktheit bestehen.

Höhe gewinnen:
- Rückpässe und gegnerischer Raumverlust ➔ Höhe gewinnen
- Vorsicht bei Rückpässen in den Fuß ➔ Gefahr eines direkten Passes in die Tiefe
- Anschluss in Pressingsituationen halten ➔Vertikale Kompaktheit
Gleich gehts weiter...
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Autor: Luis Österlein













