Kinderfußball & Bambini Training: Tipps und Tricks für altersgerechte Bambini-Trainingseinheiten

Das A und O im Bambinitraining: Spaß

Sie sind unsere Jüngsten im Verein. Alle Kinder, die das siebte Lebensjahr noch nicht vollendet haben, gehören in der Regel zu den G-Junioren oder der U7 – besser bekannt als Bambini. ​

Gerade weil die Kleinen noch so jung sind, brauchen sie ganz andere Fußballübungen als die älteren Teams. Die Trainingsinhalte sind andere als im übrigen Jugendtraining, die pädagogischen Anforderungen ans Coaching und den Fußballtrainer sind andere und auch die Ziele für Training und Spiel sind andere. Das weiß auch der Deutsche Fußball-Bund. Daher gibt der DFB seinen Übungsleitern und allen, die es werden wollen, speziell für die Kleinsten eine ganze Menge an Hinweisen mit an die Hand. Wieso das so sein muss? Ganz einfach: Weil unsere Minikicker in ihrem Alter und in ihrer Entwicklungsphase sowohl körperlich, als auch psychosozial noch ganz andere Merkmale aufweisen als in den nächsten Jahren:

Die wichtigsten Merkmale der Bambini Fußballer

  • ausgeprägte Neugierde
  • geringes Konzentrationsvermögen
  • starke Ich-Bezogenheit
  • starke Orientierung am Trainer
  • ausgeprägte Phantasiewelt
  • geringe „taktische“ Fähigkeiten
  • großer Bewegungs- und Spieldrang
  • schnelle Ermüdung
  • hohe Beweglichkeit
  • schwach ausgebildete Muskulatur
  • geringe koordinative Eigenschaften
  • unterschiedliche Leistungsvoraussetzungen

Bambini Fussballtraining Übungen

Jede Menge Übungen und Anregungen für die ganz Kleinen.

„Fußballerspieler“ in Bambini-Alter sind also in erster Instanz noch lange keine Fußballer, sondern vor allem Kinder. Weil das so ist, gilt stets der Grundsatz: Passt das Spiel den Kindern an und nicht die Kinder dem Spiel. Dementsprechend gestalten sich dann auch die Inhalte des Trainings. Auch wenn ihr zusammen mit eurer Mannschaft natürlich selbst herausfinden müsst, was den Minis am meisten Spaß bereitet, kann man dem DFB zufolge die groben Inhalte des Bambini-Trainings grob in drei Kategorien unterteilen:

Inhalte des Bambini-Kindertraining

Vielseitige Bewegungsschule

Bewegungsspiele gehören in jede Bambini-Trainingseinheit.

Eine allgemeine, umfassende Bewegungsschule sollte im Bambini-Training definitiv die größte Rolle spielen und demzufolge einen verhältnismäßig großen Teil jeder Übungsstunde mit den Kleinen einnehmen. Dazu gehört vor allem die Schulung der motorischen Grundbewegungen der Kinder wie Gehen, Laufen, Springen, Hüpfen, Rollen, Kriechen und das Balancieren. Auch Bewegungsübungen durch Spiele mit und auf Geräten, die mit den Barren, Kästen, Bänken oder Matten aus der Halle besonders gut funktionieren, gehören hier dazu. Genauso gilt das für allgemeine Lauf- und Abschlagspiele mit den Kids. Sie sollen durch die verschiedenen Spiel- und Bewegungsformen auch die Erfahrung der eigenen Körperhaltung machen, sowie Wahrnehmungsfähigkeit, Koordination und Orientierung im Raum verbessern.

Fußballorientierte Bewegungsschule & Ballgefühl

Hierbei geht es nun in erster Linie darum, dass sich die Bambini mit dem Spielgerät Ball vertraut machen. Sie sollen dabei jedoch nicht nur einen ausgewählten Ball kennenlernen, sondern bestenfalls eine Reihe verschiedener und mit diesen ganz grundlegenden Aufgaben wie Werfen, Fangen, Rollen oder Stoppen nachgehen. Darüber hinaus soll die fußballspezifische Bewegungsschule durch leichte Aufgaben natürlich auch schon erste Erfahrungen der Bambini mit dem Ball am Fuß fördern. Gerne kann das Training hier auch ein wenig kombiniert werden: beispielsweise durch eine Koordinationsaufgabe mit Ball oder kleine Fußballspiele mit gleichzeitigen Aufgaben am Ball.

Fußball spielen

Bei aller Betonung der Wichtigkeit einer ausgewogenen Bewegungsschule sollte natürlich auch das Fußballspiel dennoch nicht zu kurz kommen. Trotzdem sollten für das Spiel der Kleinsten definitiv andere Regeln gelten als für ältere Jahrgänge. Damit hoffentlich ganz viele Tore fallen, solltet ihr auf folgende Dinge setzen:

  • kleine Mannschaften (3 gegen 3 oder 4 gegen 4)
  • kleine Spielfelder (beim 4 gegen 4 etwa 10×15 Meter)
  • verschiedene Tore (Stangen, Hütchen, Matten, Kästen)
  • einfache Spielregeln (Einrollen statt Einwerfen, ohne Abseits, ohne Rückpassregel)

Zur Optimierung des Spaßfaktors helfen außerdem kleine Fußballturniere oder Spielfeste (kombinierte Fußballspiele mit Bewegungslandschaften und Geräteparcours) sowie allgemein kooperative Spiele und kleinere Wettbewerbe zur Förderung des sozialen Verhaltens.

Auf der Basis dieser Inhalte wird für eine klassische Trainingseinheit dementsprechend eine Spielstunde empfohlen, die folgende Elemente beinhaltet:

Kleine Mannschaften, kleine Spielfelder, einfache Regeln – so sieht das ideale Spiel für die Minikicker aus.

Inhalte einer Bambini-Einheit

  • Spiele und Aufgaben mit Kleingeräten und Materialien wie Matten, Barren, Bänken, Reifen, Stäben, Kästen, Langbänken, Luftballons, Bändern, Teppichfliesen, Zeitungen etc.
  • Spiele und Aufgaben, in denen sich Kinder mit verschiedenen Bällen vertraut machen und ihr Ballgefühl verbessern
    vielseitige und eher einfache Aufgaben mit dem Ball am Fuß
  • Spiele mit kombinierten Bewegungsformen wie Laufen und Werfen oder Laufen und Schießen
  • einfache Lauf- und Fangspiele
  • zwischendurch: kleine Fußballspiele

Ein erfolgreiches Bambinitraining unterscheidet sich also in einigen Aspekten von einem höherklassigen Fußballtraining. Und es sind nicht nur die Inhalte einer Bambini Spielstunde, die sich anders gestalten als ein Fußballtraining in einem älteren Jahrgang. Durch die veränderten Anforderungen ist auch der Rahmen ein anderer. 

Um diesen Rahmen altersgerecht für die Bambini zu formulieren, sollte jede Einheit in dieser Altersklasse nach dem sogenannten LASSEN-Prinzip funktionieren. Dabei geht es dum folgende Anregungen:

Das LASSEN-Prinzip

  • Lange Wartezeiten vermeiden
  • Aufgaben einfach gestalten
  • Spielerisch üben
  • Spielangebote wechseln
  • Erfolgserlebnisse ermöglichen
  • Nicht nur fußballspezifische Lernziele verfolgen

Doch wer Trainer einer Bambini-Mannschaft ist, hat nicht nur damit zu tun, ein passendes Trainingskonzept mit den entsprechenden Inhalten aufzustellen und so sein Team bei Laune zu halten. Wahrscheinlich mehr als bei jeder anderen Jugendmannschaft, bei jeder Amateur- oder Profimannschaft, sind vom Trainer noch ganz andere Rollen als nur die des Übungsleiters gefragt. Der Trainer im Bambini-Fußball ist nach den Erwartungen des DFB darüber hinaus auch noch:

Die Rollen des Trainers

  • Spaßmacher und Mitspieler
  • Tröster und Streitschlichter
  • Erzieher, Mensch und Freund
  • Förderer jedes einzelnen Kindes

Der Trainer spielt im Bambinibereich eine ganz besondere Rolle.

Und diese Rollen ändern für den Trainer wiederum die speziellen Anforderungen an sein Coaching der Bambinis. Unter Umständen geht es gar überhaupt zu weit, von einem „Coaching“ der Minis zu sprechen. Denn grundsätzlich gilt fürs Bambini-Training die sehr simple Grundregel: einfach spielen lassen. Aufgrund der eingangs besprochenen Merkmale unserer Jüngsten sind die gar nicht in der Lage, Anweisungen des Trainers während des Spielgeschehens umzusetzen. Im schlimmsten Fall irritieren sie den Kleinen gar und hemmen ihn so in seinen Aktionen. 

Das Gegenteil kann dahingegen ein einfaches Lob bewirken. Es zeigt den Kindern, dass sie etwas richtig gemacht haben und spornt sie an, das Ganze nochmal so zu versuchen. Ganz indirekt kann man auf diesem Wege beispielsweise bereits am Passspiel der Bambini feilen. Lobt man den Passgeber für ein gutes Zuspiel, wird er eher dazu bereit sein, auch in der nächsten Situation die Kugel rüber zu schieben. Der Bambini-Verantwortliche ist daher häufig mehr Betreuer als Fußballtrainer. Dementsprechend anders gestaltet der DFB also auch die Aufgaben des Bambini-Betreuers:

Die Aufgaben des Bambinitrainers

  • Die Freude am (Fußball-)Spiel entwickeln und ständig fördern.
  • Die Teamfähigkeit langsam entwickeln.
  • Gelungene Aktionen mit Lob belohnen.
  • Als Vorbilder für die Kinder wirken.
  • Durch Offenheit, Herzlichkeit und eigene Begeisterung eine Atmosphäre schaffen, in der die Kinder positiv aufgehoben sind.
  • Die erforderten Rollen einnehmen statt auf eine unnötige Vermittlung von Technik oder Taktik zu pochen.
    Als Basis von Idealismus und Engagement ein Herz für Kinder haben.
  • Durch Lob, Aufmunterung, Trost oder Ansporn Geschick in der Betreuung von Kindern zeigen.
  • Positive Werte und Normen wie Gerechtigkeit, Fairness, Zuverlässigkeit, Selbstkritik, Geduld, Freundlichkeit etc. vorleben.
  • Ein feines Gespür für die Probleme der jungen Kicker zeigen und ihnen Lösungsmöglichkeiten anbieten.
  • Eine eigene Begeisterung für das Fußballspielen vorleben und dadurch Spaß und Freude vermitteln und Motivation wecken.

Diese veränderten Anforderungen an den Betreuer einer Fußballmannschaft rühren natürlich nicht von irgendwoher. Wie bereits angedeutet unterscheiden sich die Ziele im Bambini-Bereich schlichtweg voll und ganz von denen in anderen Altersklassen im Kindertraining. Sie gehen über rein sportliche Ziele hinaus, weg vom Zwang des Dreiers am nächsten Wochenende. Bambinitraining zielt auf andere Komponenten des Fußballspiels. Es geht um Spaß, Bewegung und Persönlichkeit:

Ziele des Bambinitrainings

  • Den Kindern die Faszination des Spiels vermitteln.
  • Spaß und Freude in den Vordergrund stellen.
  • Möglichst viele Erfolgserlebnisse und Tore erzielen lassen.
  • Abstand von der „Gewinnen-Müssen-Mentalität“ nehmen und den Sieg in den Hintergrund rücken.
  • Alle spielen lassen und damit auch die „Guten“ mal draußen lassen.
  • Jedes Kind als gleich wichtig sehen und auch so behandeln!
  • Auf übermäßig viel Technik, Taktik und ein vorgeschriebenes Spielsystem verzichten.
  • Kinder in Training und Spiel fördern und fordern.
  • Das Leistungsvermögen erproben und dabei Selbstvertrauen aufbauen.
  • Den Kindern eine vielseitige sportliche Grundausbildung ermöglichen.
  • Vielseitige Bewegungsaufgaben anbieten und damit das Bewegungskönnen der Kleinen verbessern.
  • Nicht nur die sportliche, sondern vor allem die ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung der Kinder in den Vordergrund rücken.
  • Betreuung im Verein nicht nur auf Training und Spiel beschränken.
  • Kinder sportlich und außersportlich betreuen.
  • Kontakte zu Gleichaltrigen knüpfen lassen und das Einfügen in eine Gruppe unterstützen.
  • Außersportliche Angebote wie Wochenendfahrten, Zeltlager oder andere gemeinsame Veranstaltungen anbieten oder unterstützen.
  • Entwicklung und Förderung aller Spieler als Ziel der ganzen Jugendabteilung formulieren.

Phantasievolle Trainingsübungen

Je phantasievoller die Fußballübungen, desto einfacher und lustiger wird die Trainingseinheit für die Kicker des jüngsten Jahrgangs. Mit ein bisschen Kreativität, lässt sich um jede Übung eine kleine Geschichte erfinden, wodurch der Nachwuchs motiviert an die Sache geht.

Hier sind ein paar Tipps für den Trainingsbeginn sowie zwei Trainingsübungen mit denen altersgerechte Grundtechniken (in diesem Fall Koordinationstraining und Passspiel bzw. Torschuss), die dank einer kleinen Geschichte kindgerecht und noch interessanter für die Minikicker werden.

Der Trainer ist Zauberer, Drache und vieles mehr. Lasst eurer Kreativität freien Lauf.

1. Trainingsbeginn

Wichtig beim Fußballtraining mit den Kleinen sind feste Rituale wichtig. Begrüßung und Trainingsbeginn sollten deshalb immer nach dem gleichen Muster ablaufen. Eine gute Methode, um die Energie der Bambinis in den Griff zu bekommen ist, sie die ersten fünf bis zehn Minuten austoben zu lassen. Ein klassisches Aufwärmen wie in höheren Altersklassen wird damit hinfällig. Für das "Aufwärmen" braucht es keine fußballspezifischen Übungen oder Abläufe, sondern nur Bälle und ein freies Feld.

Danach sind die Kinder wesentlich aufnahmefähiger. Anschließend trifft man sich in der Mitte, begrüßt sich und das eigentliche Training kann beginnen. Wichtig für alle Trainingsübungen: Die Konzentrationszeit ist in dem Alter noch sehr beschränkt. Deswegen sollte eine Übung nicht länger als 15 – 20 Minuten dauern. Außerdem sollte man die Gruppen so klein wie möglich halten, um lange Wartezeiten zu vermeiden.

Trainingsschwerpunkte sind vor allem koordinative Fähigkeiten, technische Grundlagen und Ballspiele. Der Übungsaufbau sollte in jedem Fall sehr einfach und klar verständlich sein. Mehr als ein paar Hütchen, Linien und Tore sind für ein Training mit den Bambinis in der Regel nicht nötig. Im Vordergrund sollten aber immer der Spaß an der Bewegung und die Freude am Sport stehen.

Ausgehend von einer Trainingszeit von 60 Minuten bietet es sich in diesem Alter an, das Training in 15 Minuten Technik-, und Ballkoordinationsübungen und 45 Minuten Spielformen zu unterteilen.

2. Fußballübung - Koordination

Neben der Koordination wird in diesem einfachen Übungsaufbau für die Mini-Kicker die Kommunikation unter den Teamkollegen trainiert. Ihr braucht nur ein paar Bälle (mindestens zwei) und eine Linie. Optional ein paar Hütchen.

Der Anfang und das Ende der Linie ist mit einem Hütchen begrenzt. In dieser Übungsanordnung balancieren zwei Spieler auf einer Linie aufeinander zu. Jeder von ihnen hat einen Ball in der Hand. In der Mitte übergeben sie sich den Ball, ohne ihn fallen zu lassen, und müssen sich dann aneinander vorbeischlängeln. Auch hier kann man verschiedene Bewegungsmuster vorgeben, z.B in einem Viereck (seitlich, rückwärts, etc.).

Nach der Ball-Übergange müssen sich die Kids aneinander vorbeischlängeln.

3. Fußballübung - Torschuss & Pass

Passt in fast jede Trainingseinheit: Für diese Torschuss- und Passübung unterteilt man ein Kleinfeldtor mit Hütchen in einem zusätzlichen Minitor in der Mitte. Dort positioniert sich der Trainer (Drache).

Die Kinder versuchen nun den Drachen zu besiegen, indem sie links und rechts neben den Hütchen in das Tor treffen. Bei zehn Treffern haben sie gewonnen und der Drache wurde erfolgreich gejagt.


Die Kinder lernen, zielgenau zu schießen, bzw. zu passen. Bei älteren Spielern kann zusätzlich bereits eine bestimmte Schusstechnik vorgeben und ihnen die grundlegende Technik beibringen, ohne zu sehr ins Detail zu gehen.

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