Was braucht ein guter Fußballtrainer? Taktisches Wissen, eine klare Spielidee und gute Trainingsformen gehören ohne Zweifel dazu. Für Dr. Anselm Küchle liegt ein entscheidender Teil erfolgreicher Trainerarbeit aber noch an einer anderen Stelle: im Umgang mit Menschen.
Anselm ist Geschäftsführer am Internationalen Fußball Institut (IFI) in München und beschäftigt sich seit vielen Jahren wissenschaftlich und praktisch mit der Entwicklung von Trainern. Im 1x1SPORT #FUSSBALLTRAINER Podcast sprechen wir mit ihm darüber, welche Kompetenzen Trainer wirklich benötigen und wie sie sich langfristig weiterentwickeln können.
Gute Trainer schaffen Beziehungen
Für Anselm ist eine Fähigkeit besonders entscheidend: Beziehungen zu Spielern aufzubauen. Trainer arbeiten unabhängig von Altersklasse und Leistungsniveau mit Menschen. Deshalb spielen Vertrauen und Glaubwürdigkeit eine zentrale Rolle.Wer einem Spieler etwas verspricht oder eine Entscheidung ankündigt, sollte sich anschließend auch daran halten. Aussagen und Handlungen müssen zusammenpassen. Dabei geht es nicht nur um Kommunikation.
Auch fachlich müssen Spieler das Gefühl haben, dass ihr Trainer weiß, warum bestimmte Inhalte trainiert werden und welchen Weg die Mannschaft verfolgt. Anselms Erfahrung zeigt dabei: Wenn Spieler später über besonders prägende Trainer sprechen, nennen sie häufig nicht zuerst taktische Details. Viel häufiger erinnern sie sich daran, wie der Trainer als Mensch mit ihnen umgegangen ist. Anselm sagt:
„Am Ende unterscheidet einen sehr, sehr guten Trainer von einem anderen Trainer vor allem die Fähigkeit, Beziehungen mit Menschen zu kreieren.“Die vier Bereiche des Trainerkompetenzmodells
Ein zentraler Bestandteil des Gesprächs ist das Trainerkompetenzmodell. Dabei werden vier große Bereiche unterschieden:
- Personale Kompetenzen: unter anderem Werte und Glaubwürdigkeit
- Aktivitäts- und Handlungskompetenzen: beispielsweise Entscheidungsfähigkeit und Begeisterungsfähigkeit
- Sozial-kommunikative Kompetenzen: Kommunikation, Beziehungen und der Umgang mit Menschen
- Fach- und Methodenkompetenzen: unter anderem Analyse, Spielerbeurteilung und die Fähigkeit, Spieler gezielt weiterzuentwickeln
Entscheidend ist dabei nicht, in jedem Bereich perfekt zu sein. Trainer sollten vielmehr herausfinden, wo ihre eigenen Stärken liegen und wie sie diese für ihre Arbeit nutzen können. Wer beispielsweise eher introvertiert ist, muss nicht versuchen, plötzlich zum großen Motivationsredner zu werden. Die eigene Art muss zur Trainerrolle passen.
Trainerentwicklung bedeutet also nicht, einem bestimmten Idealbild nachzueifern, sondern die eigenen Kompetenzen bewusst weiterzuentwickeln. Genau darum geht es auch in unserem Online Kurs Trainerentwicklung, in dem du dich intensiv mit deiner Trainerpersönlichkeit, Kommunikation und Führung auseinandersetzt.

Trainerentwicklung
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Trainerkompetenzen können entwickelt werden
Eine wichtige Botschaft von Anselm:
"Kompetenzen sind immer erlernbar, sie sind immer entwickelbar, aber sie sind immer situationsabhängig."
Gute Führung ist also nicht ausschließlich etwas, das einem Menschen von Geburt an mitgegeben wird. Gleichzeitig sind Kompetenzen situationsabhängig. Ein Trainer kann beispielsweise in einem Einzelgespräch hervorragend kommunizieren, vor der gesamten Mannschaft aber Schwierigkeiten haben. Besonders spannend wird es unter Druck.
Ein normalerweise ruhiger Trainer kann in den letzten Minuten eines wichtigen Spiels plötzlich beginnen, jede Aktion zu kommentieren und seine Spieler permanent zu steuern. Genau deshalb empfiehlt Anselm Trainern, sich nicht nur in normalen Situationen zu reflektieren. Gerade wenn es stressig wird, zeigt sich häufig, welche Verhaltensweisen wirklich verankert sind.
Nicht nur auf Schwächen schauen
Trainerentwicklung bedeutet für Anselm nicht, ständig nach Fehlern zu suchen. Eine zentrale Frage sollte zunächst lauten: Was kann ich eigentlich besonders gut? Wer seine Stärken kennt, kann diese bewusster einsetzen.
Gleichzeitig können Stärken auch Schattenseiten besitzen. Starkes Selbstbewusstsein kann von außen beispielsweise als Arroganz wahrgenommen werden. Eine besonders enge Beziehung zu einzelnen Spielern kann wiederum den Eindruck erzeugen, bestimmte Personen zu bevorzugen. Selbstreflexion hilft dabei, genau diese Wirkungen besser zu verstehen.
Die Kabine entscheidet mit
Ein weiteres großes Thema ist Führung. Anselm bringt dabei einen interessanten Gedanken ein: Nicht der Trainer selbst entscheidet, ob er eine starke Führungsperson ist. Am Ende entscheidet auch die Kabine darüber. Verliert eine Mannschaft den Glauben an ihren Trainer und dessen Idee, wird es schwierig. Rein taktische Probleme können häufig besprochen und verändert werden. Wenn es jedoch auf menschlicher Ebene nicht mehr funktioniert, ist die Situation deutlich schwerer zu lösen.
Deshalb gehören für Anselm moderne, kooperative Führung und Autorität zusammen.
„Wer inkonsequent ist als Trainer, der wird die Autorität irgendwann verlieren.“
Gute Trainingsarbeit beginnt bei der Organisation
Trainerkompetenz zeigt sich aber auch auf dem Platz. Eine gute Spielform funktioniert nicht automatisch gut, nur weil sie beispielsweise von einem Profitrainer eingesetzt wurde. Entscheidend ist unter anderem:
- Wie ist die Trainingsform vorbereitet?
- Wie lang sind die Standzeiten?
- Wie schnell funktionieren Übergänge zwischen den Übungen?
- Wie hoch ist die Netto-Spielzeit?
- Wie viele Ballaktionen erhalten die Spieler?
- Welche Coachingpunkte setzt der Trainer?
Gerade mit einem größeren Trainerteam kann außerdem individueller gearbeitet werden. Während die gesamte Mannschaft dieselbe Spielform absolviert, können einzelne Spieler unterschiedliche Coachingpunkte erhalten.
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Die Zeit der Hütchenaufsteller ist vorbei
Auch die Rolle des Co-Trainers hat sich verändert. Für Anselm sind Klarheit und Rollenbewusstsein entscheidend. Der Cheftrainer sollte wissen, welche Aufgaben er selbst übernehmen möchte und wo sein Co-Trainer Verantwortung bekommt. Dabei kann ein Co-Trainer beispielsweise eine Trainingsform coachen, die Analyse präsentieren oder dem Cheftrainer ermöglichen, eine beobachtende Rolle einzunehmen.
Wichtig ist auch, dass ein Co-Trainer nicht einfach nur zustimmt. Anselm empfiehlt ausdrücklich, Menschen im Trainerteam zu haben, die auch einmal einen Kontrapunkt setzen. Entscheidend ist jedoch, dass Kritik konstruktiv bleibt und mit einer konkreten Alternative verbunden wird.
Trainerentwicklung hört nie auf
Je länger Trainer in verantwortlichen Positionen arbeiten, desto wichtiger wird es, sich die eigene Reflexionsfähigkeit zu bewahren. Es geht nicht darum, nach jeder Niederlage alles infrage zu stellen. Vielmehr sollten Trainer regelmäßig überlegen:
- Was funktioniert gut?
- Wo liegen meine Stärken?
- Wie reagiere ich unter Druck?
- Welche Rückmeldungen bekomme ich von meinem Umfeld?
- Und wo kann ich mich noch weiterentwickeln?
Am Ende sollte ein Trainer dabei auch seine eigene Rolle richtig einordnen. Anselm betont zum Abschluss des Podcasts, dass Trainer zwar einen enormen Einfluss haben, der Fußball aber weiterhin ein „Players Game“ ist.
Die Aufgabe des Trainers besteht darin, Bedingungen zu schaffen, unter denen seine Spieler bestmöglich performen können.
Was macht einen guten Trainer wirklich aus und wie entwickelt man sich als Trainer weiter? Die komplette Antwort gibt’s in der neuen Podcastfolge mit Anselm Küchle.
Jetzt die komplette Folge des 1x1SPORT #FUSSBALLTRAINER Podcasts mit Dr. Anselm Küchle anhören.

