Mentale Stärke beginnt nicht erst am Spieltag
Druck gehört zum Fußball. Das betrifft nicht nur Profis, sondern auch Nachwuchsspieler, Trainer und teilweise sogar Eltern. Entscheidend ist deshalb weniger, ob Druck entsteht, sondern wie Spieler und ihr Umfeld damit umgehen. Michael Draksal und Andreas Bosch zeigen im 1x1SPORT #FUSSBALLTRAINER Podcast, dass Mentaltraining nicht erst dann relevant wird, wenn bereits ein Problem vorhanden ist. Es kann genauso dabei helfen, Leistung weiterzuentwickeln und Spieler gezielt auf schwierige Situationen vorzubereiten.
Junge Spieler brauchen Rückhalt statt zusätzlichem Druck
Besonders deutlich wird das bei jungen Spielern, die plötzlich im Mittelpunkt stehen. Aufmerksamkeit von Medien, Fans und Social Media kann die Wahrnehmung eines Spielers stark verändern. Für Andreas Bosch sollte der Trainer deshalb dafür sorgen, dass ein Spieler nicht ausschließlich über seine aktuelle Leistung definiert wird. „Der Spieler weiß, er kann sich auf seinen Trainer verlassen.“ Klarheit, Zuverlässigkeit und eine gute Fehlerkultur können gerade in schwierigen Phasen entscheidend sein.
Nach einem Fehler wieder ins Hier und Jetzt
Ein Fehlpass ist häufig nicht das eigentliche Problem. Schwieriger wird es, wenn ein Spieler gedanklich bei diesem Fehler bleibt oder bereits Angst vor der nächsten Aktion bekommt. Genau hier können einfache mentale Routinen helfen. Andreas arbeitet beispielsweise mit individuellen Signalwörtern wie „Fokus“, „Flow“ oder „Easy“. Sie sollen den Spieler daran erinnern, wieder bei seiner eigentlichen Aufgabe zu sein. Mentaltraining bedeutet dabei nicht, Fehler auszublenden, sondern die Aufmerksamkeit schneller wieder auf die nächste Aktion zu richten.
Drucksituationen gehören ins Training
Auch Druck lässt sich zumindest teilweise trainieren. Michael verweist im Podcast darauf, Wettkampfsituationen möglichst realistisch nachzustellen. Geräusche, Kleidung, Konsequenzen oder die Haltung der Spieler können dazu beitragen, dass sich eine Trainingssituation stärker wie ein echtes Spiel anfühlt. Andreas beschreibt den gewünschten Effekt so: Die Spieler kommen später ins entscheidende Spiel und denken sinngemäß: Das habe ich schon einmal erlebt. Für Michael gilt deshalb: „Training ernst, Wettkampf Spaß.“
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Die Kabinenansprache soll das Training nicht ersetzen
Vor einem Spiel noch schnell mehrere neue taktische Informationen vermitteln? Michael sieht die Aufgabe einer Kabinenansprache anders. Die taktischen Inhalte sollten bereits im Training vermittelt worden sein. Kurz vor dem Spiel geht es darum, Bekanntes verfügbar zu machen und die Mannschaft emotional auf das Spiel vorzubereiten. Auch Musik kann dabei eingesetzt werden. Besonders wichtig ist aber die Wirkung des Trainers selbst: Stimme, Körpersprache, Stimmung und Klarheit beeinflussen, wie eine Botschaft bei den Spielern ankommt.
Klarheit bei schwierigen Entscheidungen
Kaum ein Gespräch ist für Trainer angenehm, wenn einem Spieler mitgeteilt werden muss, dass er nicht startet oder gar nicht im Kader steht. Andreas nennt dafür vor allem drei Punkte: Klarheit, Begründung und Perspektive. Ein Spieler muss die Entscheidung nicht gut finden, sollte aber verstehen können, wie sie entstanden ist und was er beeinflussen kann. Gleichzeitig muss ein Trainer zu seinen Aussagen stehen. Denn Vertrauen entsteht nicht durch eine einzelne Motivationsrede, sondern durch zuverlässiges Verhalten über einen längeren Zeitraum.
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Nicht jede Analyse muss sofort passieren
Auch das Timing von Kommunikation spielt eine Rolle. Besonders direkt nach einem emotionalen Spiel kann es sinnvoll sein, nicht sofort jedes Problem anzusprechen. Michael rät beispielsweise davon ab, unmittelbar nach Abpfiff eine ausführliche Fehleranalyse zu starten. Erst wenn die Emotionen etwas abgeklungen sind, kann sachlicher über das Spiel gesprochen werden. Gleichzeitig lohnt es sich, Entwicklung nicht ausschließlich am Ergebnis festzumachen. Wie Michael zum Abschluss sagt: „Entweder du gewinnst oder du lernst.“ Entscheidend ist, welche Erkenntnisse Trainer und Spieler aus Training und Spiel mitnehmen.
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