Spielerentwicklung in England – und der Vergleich mit Deutschland

Um die Resultate der Arbeit im englischen Nachwuchsfußball zu sehen, wird nicht unbedingt der Blick auf die Insel benötigt. Zwei Weltstars, welche in England ausgebildet wurden, spielen bzw. haben in der Bundesliga gespielt – Jude Bellingham und Jamal Musiala.

Letzterer hat den Sprung über den Campus des FC Bayern München in den Profibereich geschafft. Der Großteil seiner Ausbildung fand aber im englischen Akademie-Fußball statt. Und über die Jugendarbeit auf der Insel spricht der deutsche Nationalspieler sehr positiv:

"In Deutschland gibt es schon für unter Zehnjährige ein Ligensystem, wohingegen das in England bis zur U18 nicht üblich ist. Da hat man viel weniger Druck und mehr Zeit, sich zu entwickeln, man kann viel freier spielen"₁

– Jamal Musiala

Die „England DNA“

„...man kann viel freier spielen.“

Der letzte Teil von Musialas Aussage ist wohl ein Beleg dafür, dass die sogenannte „England DNA“ nicht nur auf dem Papier nett klingt, sondern auch tatsächlich zur Anwendung kommt. Sie ist eine 2014 eingeführte Spiel- und Trainerphilosophie des englischen Fußballverbandes (FA) zur Entwicklung von Spitzenspielern.

„Mehr Flüstern, weniger Schreien; mehr Fragen, weniger Antworten; 70 % den Ball ins Rollen bringen, 30 % reden.“

– Beschreibung der Essenz der England-DNA durch Les Howie (FA Director of Grassroots Coaching)

Inhalte der „England DNA“ – Training & Coaching

Die „England DNA“ beinhaltet sehr spielnahe Trainingsbedingungen, in welchen die Spieler ein hohes Maß an Spielintelligenz entwickeln. Dabei sollen die Spieler unter Begleitung des Trainers selbst Lösungen finden. Um die DNA besser zu verstehen, schauen wir uns inhaltliche Ausrichtung für das Training und Coaching einmal genauer an₂: 

Training:

  • Realitätsnahe, spielbezogene Trainingsformen gestalten
  • Wenn möglich, Spielformen einsetzen
  • Trainings so gestalten, dass Spieler viele Entscheidungen treffen können
  • In allen Trainingsformen Umschaltmomente integrieren
  • Der Ball rollt mindestens 70 % der Trainingszeit

Coaching:

Der CADC-Lernzyklus durchzieht jede Trainingseinheit: Denn Lernen ist ein Prozess aus „Verbinden – Aktivieren – Demonstrieren – Festigen“ und nicht „Zuhören – Nachmachen – Wiederholen“.

„Wir arbeiten ausschließlich positiv“: Denn ein Kind, das Angst vor Fehlern hat, wird keine kreativen Entscheidungen treffen.

Der CADC-Lernzyklus

Phase

Inhalt

Bedeutung für Spielintelligenz

Connect

(Verbinden)

„Ankommensspiele“ zur Einführung ins Thema, Fragen zur Aktivierung von Vorwissen

Spieler beginnen zu überlegen: „Welches Problem lösen wir heute?“

Activate 

(Aktivieren)

Aufgaben/Probleme stellen und Spieler eigenständig Lösungen entdecken lassen

Kern der Spielintelligenz: selbstständig denken, ausprobieren, scheitern, anpassen

Demonstrate

(Demonstrieren)

Lösungen von Spielern zeigen lassen, Lernen durch Mitspieler (Peer Teaching)

Das Verbalisieren von Entscheidungen vertieft das Verständnis

Consolidate

(Festigen)

Anwendung des Gelernten in spielnahen Spielformen

Können Spieler unter Druck die richtigen Entscheidungen treffen?

Gleich gehts weiter...

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