Geradlinige Zusammenarbeit und menschlicher Umgang im Fußballverein

Spieler des SpVgg Unterhaching beim Training

Menschliches Miteinander und ein einheitliches Trainingskonzept – Die Philosophie des Präsidenten Manfred Schwabl

Ein respektvoller Umgang im Fußballverein ist ein wichtiger Schritt für den Erfolg

2012 kommt Manfred „Manni“ Schwabl als neuer Präsident zur Spiel­vereinigung Unterhaching und bringt eine einzigartige Vereinsphilo­sophie mit. Als aktiver Fußballer spielt er sowohl für den FC Bayern München, den 1. FC Nürnberg und den TSV 1860 München, wird ­dreimal Deutscher Meister und läuft viermal für die deutsche Nationalmannschaft auf. 

Im Rahmen seiner Vereinsphilosophie bei der SpVgg Unterhaching legt Manfred großen Wert auf den Spielercharakter und den Umgang im Fußballverein ­zwischen Trainern und Spielern. Außerdem soll den Spielern ein einheitliches Spielsystem vermittelt werden, das schon bei den Kleinsten im Haching Kids Club beginnt und sich, jeweils an die Altersstufen angepasst, über die verschiedenen Jugendbereiche bis in den Profi­bereich durchsetzt. Sein Ziel ist es, möglichst viele Spieler selbst auszubilden und sie schon von Anfang an mit der eigenen Vereinsphilosophie vertraut zu machen. Ein strukturiertes Ausbildungskonzept kann dabei sehr hilfreich sein.

Warum brauchen Vereine ein Ausbildungskonzept?

Claus Schromm, ehemals Sportdirektor der SpVgg Unterhaching jetzt Nachwuchs-Cheftrainer bei FC Augsburg (seit 2021), spricht dem Ausbildungskonzept eine große Bedeutung zu. Sowohl für den Verein selbst, als auch für seine Spieler.

Orientierung für Spieler

Einerseits wird den Spielern durch ein einheitliches Konzept ein fester Plan vermittelt. Sie erkennen, dass eine bestimmte Richtung eingeschlagen wird und erfahren, wohin sie die Reise im Verein führt. Wichtig ist dabei ein zielorientierter Weg. Spieler und Eltern wissen genau Bescheid, was sie in den jeweiligen Alters­bereichen der SpVgg Unterhaching erwartet.

In der Mannschaftskabine mit Claus Schromm
Claus Schromm ehemals sportlicher Leiter beim SpVgg Unterhaching

Einheitliches Trainersystem

Der Verein benötigt zur Umsetzung ein homogenes Verständnis von Fußball, das vom Haching Kids Club bis zur Profiklasse eingehalten wird. Natürlich haben die Trainer nie die­selben Stärken, Schwächen und Schwerpunkte in den unterschied­lichen Gebieten. Während der eine über ein ausgeprägtes Fachwissen verfügt, zeichnet sich der andere durch gute Vermittlungskompetenz aus. Trotzdem muss ein gemeinsamer Weg vorgegeben werden. Nur wenn sie selbst überzeugt sind, können sie ein Konzept leben und sowohl verbal, als auch non-verbal weitergeben.

Trainer und Spieler am Rand des Spielfeldes

Perfekte Zusammenarbeit

Manfred Schwabl mit seinen ehemaligen Kollegen Claus Schromm und Manuel Baum

Zur Vermittlung des Systems muss der gesamte Verein an einem Strang ziehen. In erster Linie sind die Trainer eingebunden, denn sie geben das Vereinskonzept tagtäglich an Spieler, Eltern und Medien weiter. Doch auch die Koordinatoren, das Präsidium und der Vorstand müssen eine einheitliche Schiene fahren und das System am Leben halten. 

Der Ausbildungsplan nach der Spielphilosophie der SpVgg Unterhaching

Im Zentrum der neuen Vereinsphilosophie steht die Ausbildung junger Spieler vom anfänglichen Kontakt mit dem Sport bis hin zur ersten ­aktiven Teilnahme in einer Herrenmannschaft. Im Idealfall durchläuft ein junges Talent sämtliche Altersklassen im Verein und wird perfekt auf das Spielsystem und die Taktik des Profiteams vorbereitet. Dazu entwickelte Claus zusammen mit seinem ehemaligen Trainerkollegen Manuel Baum einen einheitlichen Ausbildungsplan.

Die Hachinger Spielphilosophie

Es wird viel Wert auf taktische Elemente im Spiel gelegt. Rund um das taktische Zentrum stehen Technik, Spielerpersönlichkeit, sowie konditionelle und kognitive Fähigkeiten. Sowohl offensiv, als auch in der Defensive müssen sich die Spieler immer wieder bewusst ­werden, was ihre Aufgaben sind, welche Lösungsmöglichkeiten sich ­ihnen bieten und wie sie mit ­ihren ­Mitspielern agieren können. Die Jugendlichen sollen im Laufe ­ihrer fußballerischen Ausbildung nach und nach an diese Prinzipien herangeführt werden. 

Die Jugendbereiche

Beine eines Spielers

Der Hachinger Jugendbereich ist in drei Stufen gegliedert: Den Grundlagenbereich stellen die „Haching Kids“ der U9 bis U12 dar, die „Haching Teens“ bilden den Aufbaubereich von U13 bis U16. Der Übergangs- bzw. Leistungsbereich der „Haching Youngsters“ reicht von der U17 bis zur U19. Zusammen bilden sie das vom DFB lizenzierte Nachwuchsleistungszentrum kurz NLZ von Unterhaching.

Der Grundlagenbereich / Haching Kids

In dieser Alters­klasse geht es zunächst um den spielerischen Umgang mit dem Ball, ­sowie ­motorisches Lernen. Außerdem wird den Kindern das ­so­ziale ­Verhalten in der Gruppe näher gebracht. Sie lernen, sich in einer Gruppe einzuordnen und menschlich miteinander umzugehen. Mit wachsendem Alter wird auch die persönliche Präsentation auf dem Spielfeld immer wichtiger. Bei der Technik wird der Fokus auf einfache Grundlagen wie Pässe, Schüsse und beidfüßiges Spielen ­gesetzt.

Der Aufbaubereich / Haching Teens

Die SpVgg Unterhaching ­versucht in dieser Altersklasse auf den Haching Kids aufzubauen, die Fähigkeiten der Kinder zu festigen, zu erweitern und zu opti­mieren. Auch die taktischen Elemente der Hachinger Spielphilo­sophie ­werden den Haching Teens allmählich näher gebracht. Dazu lernen sie sowohl offensive, als auch defensive Gruppen- und ­Individualtaktiken, sodass sie sich beispielsweise auch in ­einer 1-­gegen-1-Situation behaupten und durchsetzen können. Im Konditions­bereich beginnen die Trainer mit Stabilitäts- und Athletiktraining.

Der Leistungsbereich / Haching Youngsters
Haching Teens beim Training

Von der U17 bis zur U19 wird die Hachinger Spielphilosophie am stärksten implementiert, sodass die Spieler auch beim Aufstieg in einen höheren Bereich wissen, was auf sie zukommt. Die SpVgg Unterhaching ­zeichnet sich vor allem durch die fungierte Linie zwischen Jugend- und Profi­bereich aus. B-Jugend-Spieler haben beispielsweise die Möglichkeit, hin und wieder am Profitraining teilzunehmen. Dazu dient das Förder­training: In 11-gegen-11-Aufstellungen wird auf verschiedenen Spielfeldgrößen unter Wettkampfbedingungen gegeneinander gespielt. Durch Gegner-, Zeit- und Raumdruck werden die Spieler bestmöglich auf echte Wettkampfsituationen vorbereitet. 

Das Athletiktraining

Athletiktrainer Georg Wallner

Einen übergeordneten Bereich bildet das Athletiktraining um Sport­wissenschaftler Schorsch Wallner. Es ist sehr funktionell und fußballspezifisch ausgelegt, sodass die Übungen optimal an die körperlichen Anforderungen des Spiels angepasst werden. In diesem Bereich wird gezielt trainiert, um Verletzungen präventiv zu vermeiden.

Haching Fußballschule  

Im Januar 2013 wurde die Haching Fußballschule gegründet. Zum ­Programm gehören klassisches Kinder-Fußballtraining, pädagogische und motorische Frühförderprogramme, gezielte Talententwicklung durch Individualtraining, verschiedene Fußballcamps und natürlich der „Haching Kids Club“, dessen Gründung ein wichtiger Schritt in Richtung Neuorientierung der Spielvereinigung war. Kinder im Alter von vier bis sieben Jahren können ohne Leistungsdruck und auf spielerische Art und Weise in ein professionelles, aber zugleich altersgerechtes Training hineinschnuppern.

Fußball-Bambinis haben Spaß beim Training

Claus Schromm beobachtet in vielen anderen Ver­einen, dass zwar eine gute Jugendarbeit geleistet wird, doch zwischen A-­Jugend und Expertenmannschaft eine strikte Trennung besteht. Ein ­gutes Vereinskonzept verbindet für ihn alle Leistungsklassen ­mit­einander. Jugend- und Seniorenbereich gehen fließend ineinander über. Zuständig dafür ist unter anderem Daniel Wimmer. 

Zusammenarbeit des Jugend- und Profibereichs – U19-Bundes­ligen-Trainer Daniel Wimmer

Fußballtrainer Daniel Wimmer

Als Jugendlicher spielt Daniel beim FC Bayern München, von der U17 bis zur U20 sogar in der deutschen Jugend-Nationalmannschaft. ­Später kommt er zum 1. FC Nürnberg, zum SSV Jahn Regensburg und spielt ein Jahr lang in der 2. Liga Griechenlands. Daniels Trainer­laufbahn beginnt beim Bayerischen Fußball-Verband, wo er vier Jahre lang als Auswahltrainer für die Regionalauswahl Süd verantwortlich ist. Um sich aber in Zukunft mit größtmöglichem Engagement und ­Erfolg auf seinen Fulltimejob bei Unterhaching konzentrieren zu können, hängt er den Job beim BFV an den Nagel. Mittlerweile ist Daniel Leiter der Nachwuchsabteilung beim 1. FC Nürnberg.

Aufgrund der Hachinger Philosophie arbeitete Daniel sehr eng mit den Profitrainern und deren Kader zusammen, um das neue Spiel­system einheitlich im gesamten Verein zu etablieren. Inhaltlich unterscheidet sich deshalb das Training der U19 nicht wesentlich von dem der Profis. Lediglich die Intensität wird an die Anzahl der Einheiten angepasst. Um junge Talente nach dem Konzept der Spielvereinigung sehr früh auf die Profimannschaft vorzubereiten, bestand Daniels Aufgabe darin, seine Spieler so auszubilden, dass Sie den Schritt in die erste Mannschaft bestens vorbereitet wagen können.

Aufgaben eines Jugendtrainers – Sportdirektor Claus Schromm

Teil der Vereinsphilosophie ist ebenfalls die menschliche Zusammenarbeit der Trainer und Spieler. Claus Schromm hat als heutiger Fußball­direktor viel Erfahrung im Bereich Jugendtraining sammeln können. Im Laufe der Jahre stellte er fest, dass sich die Aufgaben verändert und erweitert haben. 

Mehr als ein Trainingsbegleiter

Dass Gestaltung, Planung und Durchführung des Fußballtrainings Aufgaben des Coachs sind, ist wohl allgemein bekannt. Sein Beruf hat über die Jahre allerdings an Komplexität gewonnen. Heutzutage bedeutet er viel mehr als früher.

Claus Schromm im Austausch mit einem seiner Spieler

Ein Trainer sollte seinen Spielern nicht nur am Feld sportliche Fähigkeiten näherbringen, er ist für die Jugendlichen auch abseits des Spielfeldes eine wichtige Anlaufstelle, wenn es mal nicht um Fußball geht. Mit der Intensivierung des Fußballsports können sich teilweise die Bezugspersonen verschieben: Durch das häufige Training bekommt ein Leistungssporttrainer manche Spieler öfter zu Gesicht, als seine eigene Ehefrau. Seine Schützlinge verbringen mehr Zeit mit ihm, als in ihren Familien. Aus diesem Grund ist der Job des Jugendtrainers auf keinen Fall zu unterschätzen. Er muss sich klar werden, wie er auf die Spieler einwirken kann, um sie in ihrer Entwicklung positiv zu beeinflussen. 

Rund um das Fußballtraining

Wesentliche Aufgaben des Trainers bleiben allerdings nach wie vor die Trainingsgestaltung, -planung, -durchführung und vor allem die Trainingsauswertung. Wenigstens 15 Minuten sollte man jedes Mal dafür verwenden, ent­weder alleine oder mit Betreuern und Co-Trainer das vergangene Training durchzugehen, Gutes oder Schlechtes herauszustellen und Möglich­keiten zur Optimierung zu finden

Spieler in der Kabine beim SpVgg Unterhaching

Auch die Wettkampfbetreuung spielt eine wichtige Rolle im Trainer­beruf. Einerseits langfristig über die Trainingswochen hinweg, anderer­seits aber auch kurzfristig am Wettkampftag selbst. Dies beginnt schon mit dem Treffpunkt und betrifft auch das Aufwärmen, die Ansprache, die erste Halbzeit, besonders die Halbzeitpause, sowie die zweite Halbzeit und die Spielbesprechung danach. Das Team sollte besprechen, wie in die nächste Trainingswoche gestartet werden soll. 

Erziehung und Fürsorge

Spieler nach dem Training bei einer Besprechung

Der Trainer übernimmt auch eine beratende und betreuende Funktion. Er wird zum Erzieher der Spielerinnen und Spieler, entwickelt eine Fürsorgepflicht und ist auch außerhalb des Platzes für sie da. Die Anforderungen an den Jugendtrainers werden zwar immer größer und komplexer, doch gleichzeitig auch immer erfreulicher. Durch den zunehmenden Einfluss auf seine Spieler ist eine umso effektivere Zusammenarbeit möglich. Seine Erziehung gilt nicht nur dem Sportler, sondern auch dem Menschen, der in jedem Einzelnen seiner Spieler steckt.

Organisatorisches Arbeiten

Sportlicher Leiter Claus Schromm bei einem Vortrag

Der Traineralltag wird immer intensiver von Öffentlichkeits- und Organisationsarbeit eingenommen. Er muss Zu- und Absagen mit verschiedensten Menschen absprechen und Events und Trainingslager planen. In jeder Alters- und Leistungs­struktur gibt es eigene Gewichtungen dieser Komponenten, auch ­Trainer entwickeln ihre eigene Wertigkeit.

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Cover zum Film

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