Frauenfußball – Tipps für das Mannschaftstraining

Weil eine gute Orientierung auf dem Feld das A und O ist!

Thorsten Zaunmüller

FUSSBALLTRAINER

Thorsten Zaunmüller ist sowohl Sporttherapeut, und hat als ehemaliger Co-Trainer der FC Bayern München Bundesliga-Frauen auch Erfahrung im Frauenfußball. Seine Trainerkarriere ­beginnt bereits mit 16 Jahren in seinem Heimatverein, damals noch bei den Herren. 2001 beginnt er nach seinem abgeschlossenen Sport­studium Frauenfußballmannschaften zu trainieren. Über BFV-­Mädchen Förderzentren, den FC Wacker München und die 1. Frauen-­Bundesliga-Mannschaft des FF USV Jena kommt er schließlich zum FC Bayern München. An der Seite von Cheftrainer Thomas Wörle und Technik­trainer ­Matthias Nowak betreut er von 2011 bis 2014 die 1. Bundesligamannschaft der Frauen. Durch seine umfassende Er­fahrung als Trainer sowohl im Herren-, als auch im Frauenfußball, weiß Thorsten genau, was diese voneinander unterscheidet, wie man als Trainer am besten mit einer Frauenmannschaft umgeht und worauf man achten sollte.

Frauen nehmen Trainer Anweisungen eher an, verarbeiten und überdenken sie. Sie hinterfragen vieles und sind sehr wissbegierig. Das erschwert teilweise die Mannschaftsführung, denn die Spielerinnen müssen anders angesprochen und intensiver betreut werden. Ge­spräche sollten sachlicher gehalten werden, denn es kann durchaus ­vor­kommen, dass das ein oder andere Mädchen bei den harschen Ansprachen, die im ­Herrenfußball üblich sind, schlecht auf den ­Trainer zu sprechen ist und dies über mehrere Wochen hinweg. Die Führungsqualitäten eines Frauenfußballtrainers unterscheiden sich gewaltig von Trainern männlicher Teams.

Unterschiede von Herren- und Frauenfußball

Erfolge und Spaß im Training son Voraussetzung für den Erfolg im Frauenfußball

Im Frauenfußball lassen sich Trainer Anweisungen zwar schneller, doch oft in schlechterer Qualität umsetzen. Dies liegt unter anderem an ­anatomischen und kognitiven Bedingungen, die bei Damen weniger ausgeprägt sind. Da die Mädchen die Trainer Ratschläge viele Male im Kopf durchgehen, ist bei ihnen beispielsweise die Umsetzungsgeschwindigkeit höher.

Mädchen - Besser bei den Tricks und im Rhythmus

Betrachtet man die koordinativen Fähigkeiten, wie Rhythmus, Re­aktions- und Umsetzungsfähigkeit, fällt auf, dass Frauen große Pro­bleme bei der Orientierung haben. Männer können sich durch ihr ausgeprägtes peripheres ­Sehen besser auf dynamische Objekte einstellen. Frauen schneiden besonders im Bereich der Rhythmisierung und Kopplungsfähigkeit besser ab. Hier liegen ihre Stärken und daran haben sie Spaß, vor allem, wenn es um Tricks und Ballarbeit geht.

Frauenfußball - Erfolg und Spaß!

Geht man also auf die speziellen Anforderungen des Frauen­fußballs ein, lockt ihre Stärken hervor und arbeitet an ihren Schwächen, ­entwickelt sich das Training hier zu einem viel differenzierteren Sport, als im ­Herrenfußball. So kann man mit einer Frauenmannschaft sehr weit kommen.

Tipps für koordinative Übungen im Frauenfußball

Um koordinative Fähigkeiten zu verbessern, muss in der Komplexität der Übungen variiert werden. Trainiert man beispielsweise genaue ­Pässe oder eine saubere Ballan- und Mitnahme, so müssen auch die Gegebenheiten nach und nach gesteigert werden. Indem man den Spielern ein Zeitlimit setzt, verschafft man ihnen beispielsweise ­zusätzlichen Druck.

Leichte Aufgaben sind anfangs schwer umzusetzen unter dem Druck des Gegners. Im höheren Niveau macht dieser jedoch den ent­scheidenden Unterschied. Aus diesem Grund sollte man im Jugend­bereich schon so früh wie möglich damit beginnen.

Idealerweise sollten koordinative Übungen in jeder Trainingseinheit enthalten sein, wenigstens 10 oder 15 Minuten. Koordination muss ständig in den Trainingsprozess einfließen. Da in den Übungen vor allem das zentrale Nervensystem beansprucht wird, dessen Leistung im Laufe des Trainings aber schwindet, sollten sie schon ganz am Anfang einer Trainingseinheit durchgeführt werden, am besten unmittelbar nach dem Aufwärmen. Nachdem das koordinative Training abgehakt ist, fährt man in der Trainingseinheit ganz normal fort.

Orientierungsübung mit Farben

Frauen haben im Fußball oft Probleme mit der ­Orientierung und dem peripherem Sehen. Folgende Übung soll aber auch Männern helfen, diese zu schulen. Sie ist speziell Mittelfeld­spielern, aber auch Stürmern zu empfehlen. Genutzt werden dabei die Steuerungsmittel Komplexität, Genauigkeit, Zeitnot und Gegnerdruck.

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Aufbau
Aufbau Orientierungsübung

Die Aufstellung beinhaltet einen Startspieler, der den Innenverteidiger simulieren soll. 10 Meter entfernt wird ein Mittelfeldspieler positioniert. Jeweils rechts und links von ihm liegen Hütchenfelder in verschiedenen Farben. Weitere 20 Meter entfernt befinden sich drei oder mehr Spieler, die Leibchen oder andere Erkennungsmerkmale in verschiedenen Farben tragen. Sie sollen Stürmer darstellen. Wiederum 20 Meter hinter ihnen werden drei Mini-Tore aufgestellt.

Ablauf

Zu Beginn wird der Mittelfeldspieler durch den Innenverteidiger angespielt, dabei nennt dieser eine Farbe. Der Mittelfeldspieler, bis jetzt mit dem Rücken zum Tor, nimmt den Ball an und dreht sich zu der Seite, wo die Hütchen der genannten Farben liegen. Mit dem zweiten Ball­kontakt befördert er den Ball zum Stürmer der zuvor bereits genannten Leibchenfarbe, in diesem Beispiel die Farbe orange. Da die Stürmer nicht statisch auf einer Stelle bleiben, sondern sich frei im Raum be­­wegen, ist dies gar nicht so einfach.
Hat der Stürmer der richtigen Farbe nun den Ball angenommen, ­versucht er, damit eines der drei Mini-Tore zu treffen.

Variante A

Aufdrehen zur Gegenseite & Tor freimachen: Der Mittelfeldspieler dreht sich nun nicht mehr in die Richtung der genannten Farbe, sondern in die andere. Bei dieser Variante spielt er den Ball nicht einem Stürmer zu, denn diese laufen bewusst auf eine Seite, um eines der Mini-Tor freizugeben. Der Mittelfeldspieler muss erkennen, welches der Tore gemeint ist und versucht, es zu treffen. Diese Variante der Übung ist noch spielnäher, da die Spieler auch in einem echten Spiel erkennen müssen, wo sich eine Lücke zum Tor auftut.

Variante B

Heranziehen von Gegenspielern: Zwei Spieler (hier blau und schwarz) übernehmen in dieser Übung die Rolle des Gegners. Auf beiden Seiten des Mittelfeldspielers werden nun Gegenspieler ­platziert. Die Farbe, die nun zu Beginn genannt wird, bezieht sich auf den­jenigen Gegner, der den Spieler angreifen soll. Dieser muss so schnell wie ­möglich erkennen, aus welcher Seite der Angriff kommt und in die Gegenrichtung aufdrehen.

In seinem Rückraum befinden sich neben den (hier: vier) Stürmern nun auch drei Defensivspieler der gegnerischen Mannschaft, die jeweils einen Offensivspieler decken. Der Mittelfeldspieler in Ballbesitz muss nun seinen einzigen ungedeckten Mitspieler erkennen und anspielen, bevor dieser wieder versucht, eines der Tore zu treffen.

Variante C

Gegner ohne Farben: Jetzt machen die Spieler per Handzeichen aus, wer von ihnen den Mittelfeldspieler angreift. Schon im Moment der Ballannahme muss dieser über sein peripheres Sehen erkennen, von welcher Seite er Druck bekommt und zur jeweiligen Gegenseite aufdrehen. Wieder gibt es bei den Stürmern nur einen ungedeckten Spieler, der gefunden und angespielt werden muss. Am Ende gilt es, ein Tor zu erzielen.

Variante D

Keine Vorgaben über Angriff und Ballabgabe: Diese Variation ist besonders spielnah, da es hier, wie im Ernstfall keinerlei Vorgaben über den Verlauf der Übung gibt. Auf irgendeine Weise wird also der Mittelfeldspieler angegriffen, wobei er wieder möglichst zur richtigen (Gegner fernen) Seite aufdrehen und sich dazu so früh wie möglich orientieren muss. Die Stürmer im Zentrum bewegen sich frei, der Mittelfeldspieler in Ballbesitz muss denjenigen anspielen, der sich dazu gerade am ehesten bietet.

Die Variationen können abwechselnd oder auch kombiniert durch­gespielt werden. Je abwechslungsreicher sie ausgeführt werden, desto mehr schärfen sie die Orientierung und das periphere Sehen der Spieler.

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