Du trainierst zweimal in der Woche, hast 60 Minuten, eine unebene Wiese und das Gefühl, dass sich bei der Technik irgendwie nichts bewegt. Wir haben uns gefragt: Woran liegt das eigentlich? Und was machen Coaches, bei denen es wirklich klickt?
Die ehrliche Antwort ist unbequem, aber klar: Meistens sind nicht die Übungen das Problem. Entscheidend ist das Coaching dahinter. Also das, was du vermittelst, wann du eingreifst und wie präzise dein Feedback ist. Trainer, die ihre Spieler technisch wirklich weiterentwickeln, gehen ihre Einheiten anders an. Nicht unbedingt aufwendiger, aber deutlich klarer und gezielter.
Erst anschauen
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Mehr InformationenAuf der Matchplan Konferenz haben wir den Individual-Coach Markus Steffen spontan vor die Kamera gebeten.
Steffen ist seit 2016 als selbstständiger Techniktrainer aktiv und arbeitet mit Bundesliga-Profis und NLZ-Spielern, unter anderem von Borussia Dortmund, Schalke 04, VfL Bochum und Hannover 96.
In unter 40 Sekunden erklärt er, wie eine typische Individual-Trainingseinheit bei ihm aussieht, und was wir uns davon abschauen können.
Was steckt dahinter?
Was Markus Steffen in dem Clip beschreibt, klingt auf den ersten Blick nach Selbstverständlichkeit. Aufwärmen, Passspiel, Thema, Korrektur, Wiederholung: klingt nach dem, was die meisten Trainer ohnehin machen. Aber der entscheidende Unterschied steckt nicht in der Abfolge, sondern in der Haltung dahinter.
Die meisten Technikeinheiten scheitern nicht an schlechten Übungen. Sie scheitern daran, dass zu früh, zu viel und zu unspezifisch korrigiert wird. Ein Spieler macht drei Versuche, der Trainer sieht fünf Fehler, nennt zwei davon gleichzeitig und der Spieler macht beim nächsten Versuch noch mehr Fehler, weil sein Kopf voll ist. Das ist kein Problem des Spielers. Es ist ein strukturelles Problem der Einheit.
Was Coaches wie Markus anders machen: Sie beobachten zuerst, lange genug, um wirklich zu verstehen, was da passiert. Dann sprechen sie genau einen Punkt an – den, der den größten Hebel hat. Und dann üben sie diesen einen Punkt so lang, bis er sitzt. Keine fünf Hütchen-Parcours, keine Leiter, kein Zirkeltraining. Manchmal reichen zwei Hütchen oder sogar überhaupt kein Aufbau. Was zählt, ist die Qualität der Korrektur, nicht die Komplexität des Aufbaus.
Der Aufbau: 5 Phasen
1
Spieler selbst aufwärmen lassen
ca. 8–10 Minuten
Keine Traineransagen beim Warm-up. Die Spieler wärmen sich selbst auf, du beobachtest. So siehst du Bewegungsmuster, bevor sie "drauf" sind, und gewinnst wertvolle erste Eindrücke für dein Coaching.
2
Ankommen mit Erstkontakt oder Passspiel
ca. 8–10 Minuten
Kein direkter Einstieg ins Thema. Erst locker ankommen – Passspiel, einfache Ballmitnahmen. Das schafft Rhythmus und senkt die Fehlerquote im Hauptteil erheblich.
3
Themenschwerpunkt frei ausführen lassen
ca. 10 Minuten
Flanke, Flugball, Torschuss – was auch immer auf dem Plan steht: erst ausführen lassen, ohne Korrekturen. Mindestens 5–6 Wiederholungen beobachten, bevor du eingreifst. Du willst das echte Bild sehen, nicht das nervöse Anfänger Verhalten unter direkter Beobachtung.
4
Ein Fehlerbild benennen – gezielt korrigieren
ca. 5–10 Minuten
Jetzt kommt das eigentliche Coaching. Ein einziger Aspekt – konkret, bildhaft, verständlich. Nicht fünf Punkte auf einmal. Eine gute Korrektur, die wirklich sitzt, kann einen Bewegungsablauf in wenigen Minuten deutlich verbessern.
5
Wiederholung mit dem neuen Fokus
Rest der Einheit
Direkt nach der Korrektur wieder in die Übung. So festigt sich die Bewegung unter echten Bedingungen. Handy-Video optional, aber sehr wirksam: Spieler sehen sich selbst selten, das ist oft der schnellste Aha-Moment.
Und wenn du 20 Spieler vor dir hast?
Der naheliegende Einwand gegen all das: "Klingt gut im Einzeltraining. Aber ich habe keinen Einzelspieler, ich habe eine ganze Mannschaft." Das stimmt, und es ist ein echter Unterschied. Aber das Grundprinzip bleibt dasselbe, es braucht nur eine andere Umsetzung.
Der entscheidende Gedanke: Mach deine Spieler technikintelligent. Erkläre ihnen einmalig, was Fehlerbilder bei einer bestimmten Technik überhaupt sind, z.B. beim Flugball: nach innen, nach außen, zu hoch, zu niedrig. Das sind keine Profikategorien, das sind einfache Beobachtungspunkte, die auch ein Zehnjähriger versteht. Wenn die Gruppe diese Sprache einmal kennt, kannst du auf einmal mit der ganzen Mannschaft effizient arbeiten. Weil dann jeder Spieler weiß, worüber ihr redet, und du nicht mehr bei jedem neu anfängst.
Praxis-Tipp
Fehlerbilder einführen, dann fragen lassen. Erkläre deiner Gruppe einmalig die vier, fünf typischen Fehlerbilder einer Technik - z.B. beim Flugball: nach innen, nach außen, zu hoch, zu niedrig. Dann fragst du: Wer hat das Fehlerbild nach innen? Hände hoch. Du gibst dieser Gruppe ihren spezifischen Tipp. Dann das nächste Fehlerbild. So holst du die Masse ab, ohne alle gleichzeitig zu beschäftigen.
Beobachtungsrolle vergeben. Nimm bei einer Übung einen Spieler raus und gib ihm die Aufgabe zu beobachten und zu kommentieren: zu früh, zu spät, zu hoch. Erst hört er es (von dir), dann sieht er es (beim Teamkollegen), dann sagt er es selbst. Dieses dreistufige Lernen geht erstaunlich schnell.
Leibchenfarben als Coaching-Tool. Bist du zu zweit als Trainerteam? Teilt die Gruppe nach Leibchenfarben auf: Du schaust nur die Gelben, dein Co-Trainer nur die Blauen. Fokus auf 3-4 Spieler statt auf alle 20 gleichzeitig - dein Coaching wird sofort präziser.
Videoanalyse: Einfacher als du denkst
Videoanalyse klingt nach Proficlub, Tablet, Analysesoftware und einem eigenen Videoanalysten, der nach dem Training die Clips zusammenschneidet. Die Realität ist deutlich banaler und genau deshalb so zugänglich: Ein Handy reicht.
Das Entscheidende ist ein simpler psychologischer Effekt. Spieler sehen sich selbst so gut wie nie beim Spielen. Sie haben eine innere Vorstellung davon, wie sie sich bewegen, und diese Vorstellung stimmt erstaunlich oft nicht mit der Realität überein. Einer ist sich sicher, dass sein Oberkörper nach vorne geneigt war. Auf dem Video lehnt er nach hinten. Einer ist überzeugt, er hat früh genug Schulterblick gemacht. Das Video zeigt: zu spät, jedes Mal. In dem Moment, wo der Spieler das sieht, passiert etwas, das kein verbales Coaching ersetzen kann. Er glaubt es nicht mehr nur, er sieht es.
Und noch ein Tipp, der auf den ersten Blick kontraintuitiv klingt: Wenn du Spielern Videos nach dem Training schickst, schick zuerst die guten Ausführungen nicht die Fehler. Was sich festigen soll, wollen wir häufiger sehen. Fehlermaterial ist am Anfang hilfreich, um das Bewusstsein zu schaffen. Aber auf Dauer demotiviert es mehr, als es nützt.
Fazit
Am Ende läuft alles auf einen einzigen Gedanken hinaus, der sich leicht sagen, aber schwer wirklich verinnerlichen lässt: Weniger ist mehr – wenn das Wenige präzise ist.
Viele Trainer haben gelernt, Aufwand mit Qualität gleichzusetzen. Komplexe Übungen, volle Taktiktafeln, ausführliche Erklärungen. Das sieht nach Arbeit aus, und es fühlt sich professionell an. Einfachheit dagegen fühlt sich fast verdächtig an. Zwei Hütchen? Das war's? Ja. Das kann es sein. Wenn der Coaching-Punkt sitzt, wenn der Spieler genau einen klaren Fokus hat und diesen Fokus dann in zehn, fünfzehn, zwanzig Wiederholungen festigt. Dann ist das eine der wirkungsvollsten Stunden, die er je auf dem Platz verbringen kann.
Nimm dir für die nächste Einheit vor, länger zu schauen bevor du redest. Finde ein Fehlerbild, nur eines. Gib einen Tipp, so klar und bildhaft wie möglich. Und dann lass üben, bis es sitzt. Kein Parcours, kein Zirkel, keine Leiter. Nur der Ball, die Bewegung und ein Coach, der weiß, wann er schweigt.
Du willst tiefer ins Technik-Thema einsteigen?
In unserer Podcast-Folge mit Markus Steffen haben wir genau das getan: Wir sind tiefer ins Detail gegangen. Fehlerbilder, Coaching-Punkte, wie er mit Profis arbeitet, was er heute anders macht als vor zehn Jahren – und warum er überzeugt ist, dass die meisten Trainer zu früh reden und zu wenig schauen. Ein Gespräch, das du als Coach auf jedem Level mitnehmen kannst.

Technik entscheidet! – Markus Steffen über den ersten Kontakt, Fehlerbilder und das Training der Details

