Männer und Frauenfußball: Weg mit den Vorurteilen, her mit den Fakten

1x1SPORT #FUSSBALLTRAINER Podcast mit Bianca "Jay" Rech

Vom Büro-Container zum Champions-League-Traum: Was wir vom Frauenfußball des FC Bayern lernen können

Männer- vs. Frauenfußball: Die feinen, aber entscheidenden Unterschiede

Die Debatte ist so alt wie der Sport selbst: Wie unterscheiden sich Frauen- und Männerfußball auf dem höchsten Niveau wirklich? Ein detaillierter Blick auf brandaktuelle Tracking-Daten der Saison 2024/2025 liefert spannende, teils überraschende Erkenntnisse, die weit über das bloße Auge hinausgehen und mit einigen Vorurteilen aufräumen. Eines der größten und hartnäckigsten Missverständnisse betrifft dabei direkt das Laufpensum der Spielerinnen.

Ausdauer auf Augenhöhe: Laufleistung in der Saison 2024/2025

Oft wird nämlich pauschal angenommen, dass eine von Natur aus geringere Physis unweigerlich zu einer niedrigeren Arbeitsrate auf dem Platz führt. Doch wer das glaubt, irrt gewaltig. Die Gesamtlaufleistung pro Spiel ist bei beiden Geschlechtern absolut vergleichbar, was die enorm hohe relative VO2max (maximale Sauerstoffaufnahme) der Elite-Fußballerinnen belegt.

In der UWCL-Saison 2024/2025 legten Top-Spielerinnen durchschnittlich 10 bis 12 Kilometer pro Spiel zurück – Werte, die nahezu identisch mit denen der Männer sind. Mittelfeldspielerinnen wie Lisa Naalsund (Manchester United) mit 11,8 km pro Partie oder Außenverteidigerin Giulia Gwinn (FC Bayern München) mit 11,4 km belegen diese enorme Ausdauer eindrucksvoll. Bei den Männern dominieren in der Champions League Dauerläufer wie Koke (Atlético Madrid, 12,7 km pro 90 Minuten) oder João Neves (PSG, über 11 km pro Partie). Wissenschaftliche Auswertungen der aktuellen Saison zeigen ganz klar: Die Kluft zwischen Männer- und Frauenfußball in Bezug auf die reine Laufleistung ist heute nahezu geschlossen.

Sprints und hochintensive Läufe: Die rasanteste Entwicklung im Frauenfußball

Noch faszinierender ist die Evolution bei der Intensität. In den letzten fünf Jahren hat sich der Fußball extrem gewandelt – Teams agieren viel kompakter, vertikaler und aggressiver im Gegenpressing. Studien zeigen, dass die Steigerungsraten in Bezug auf hochintensive Läufe, Passgenauigkeit und Spielgeschwindigkeit im Frauenfußball aktuell sogar deutlich höher sind als bei den Männern.

Der Frauenfußball profitiert massiv von der fortschreitenden Professionalisierung und macht gigantische athletische Sprünge. Hochintensive Spielsysteme verlangen den Spielerinnen heute ein extremes Pensum an Sprints und schnellen Richtungswechseln ab. So presst beispielsweise das Frauenteam des FC Arsenal derart intensiv, dass sie 42% der gegnerischen Pässe direkt im Abwehrdrittel des Gegners unterbinden.

Physis, Topspeed und Erholung: Die biologischen Unterschiede

Bei all den Gemeinsamkeiten in der Laufarbeit gibt es natürlich offensichtliche anatomische Differenzen: Spielerinnen sind im Durchschnitt kleiner, leichter und weisen einen höheren Körperfettanteil sowie weniger Muskelmasse (insbesondere an Typ-II-Muskelfasern) auf als ihre männlichen Kollegen. Diese biologischen Gegebenheiten führen dazu, dass Männer über eine höhere Maximalkraft verfügen. Das verschafft ihnen naturgemäß klare Vorteile in direkten, physischen Zweikämpfen und vor allem in der absoluten Endgeschwindigkeit.

Ein Blick auf die Spitzenwerte der UEFA Champions League (UCL) und UEFA Women’s Champions League (UWCL) der Saison 2024/2025 verdeutlicht dies: Während Achraf Hakimi (Paris Saint-Germain) mit 36,9 km/h den Topspeed bei den Männern markierte, führte Tabitha Chawinga (Olympique Lyon) die Liste der Frauen mit beeindruckenden 31,5 km/h an. Auch in der Erholung nach extremen Belastungsspitzen (Sprints) im Spielverlauf profitieren Männer durch ihren höheren Testosteronspiegel und die größere anaerobe Kapazität.

Die Rahmenbedingungen: Warum ein direkter Vergleich oft hinkt

Bei der Betrachtung dieser Geschwindigkeits- und Kraftunterschiede darf ein entscheidender Faktor nie vergessen werden: die Rahmenbedingungen. Obwohl Spielerinnen von Natur aus im Durchschnitt kleiner sind, spielen sie auf exakt denselben Spielfeldgrößen, mit denselben Ballgrößen und auf dieselben Tore wie die Männer. Es ist eine weitaus größere physische Herausforderung, das identische Torvolumen abzudecken, wenn die Körpergröße im Durchschnitt geringer ausfällt. Auch die Beschleunigung eines gleich schweren Balls oder Sprints über dasselbe große Spielfeld erfordern bei unterschiedlichen biologischen Voraussetzungen einen weitaus höheren athletischen Aufwand.

Fazit

Frauen- und Männerfußball unterscheiden sich anatomisch bedingt in ihrer absoluten Endgeschwindigkeit und Maximalkraft. Doch was Ausdauer, Laufwege, taktische Disziplin und die schiere Anzahl an Sprints und hochintensiven Läufen angeht, hat sich der Frauenfußball in rasantem Tempo an den Männerbereich angenähert. Beide Facetten des Sports bieten auf ihre eigene Art und Weise hochathletischen und technisch brillanten Fußball auf absolutem Top-Niveau.

Author: Pascal Feber

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