Im modernen Fußball ist das Angriffspressing zu einer unverzichtbaren Waffe geworden, um den Gegner früh unter Druck zu setzen und schnelle Ballgewinne in torgefährlichen Zonen zu erzielen. In einem detaillierten Vortrag geben Vitali Topuria (NLZ-Trainer & Inhaber der UEFA Pro-Lizenz und Betreuer bei der georgischen Nationalmannschaft) und Martin Prankl (NLZ Jugendtrainer) tiefe Einblicke in die Mechanismen und Voraussetzungen für ein erfolgreiches Pressing.
Das zugehörige Video zum Vortrag finden Sie direkt hier:
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Mehr InformationenDie Auslöser: Wann starten wir das Angriffspressing?
Ein blindes Anlaufen führt selten zum Erfolg. Das Pressing benötigt klare Auslöser (sogenannte Trigger), bei denen die gesamte Mannschaft weiß, dass nun der Moment gekommen ist, den Druck zu erhöhen. Zu den wichtigsten Auslösern im Spiel gehören:
- Ein Zögern des gegnerischen Torwarts oder das Anlaufen des Torwarts.
- Schlechte Ballverarbeitung, ungenaue Pässe oder ein unkontrollierter erster Kontakt des Gegners.
- Rückpässe zum Torwart oder in die Abwehrkette.
- Standardsituationen wie Abstöße, Freistöße oder auch Einwürfe.
Der ideale Ort für das Angriffspressing befindet sich dabei tief in der gegnerischen Hälfte, sprich im ersten Drittel aus Sicht des Gegners.
Die 3 Ebenen des Pressings
Damit das Pressing nicht ins Leere läuft, müssen laut Vitali Topuria drei taktische Ebenen perfekt ineinandergreifen:
1. Individualtaktik: Hierbei geht es um die Positionierung und die Bewegungen jedes einzelnen Spielers. Eine hohe Aggressivität, die unbedingte Bereitschaft, Sprints anzuziehen, und eine schnelle Entscheidungsfindung sind essenziell. Jeder Spieler trägt die Verantwortung für seinen direkten Gegenspieler und das Blockieren von Passwegen.
2. Gruppentaktik: Die Koordination einzelner Mannschaftsteile ist entscheidend. Stürmer, Außenverteidiger und die Abwehrkette müssen zusammenarbeiten. Ein klassisches Beispiel ist das bewusste Lenken des Gegners nach innen, um dort eine Überzahlsituation (z.B. ein 3-gegen-2) zu schaffen und den Ball zu erobern.
3. Mannschaftstaktik: Das ist das absolute Herzstück. Die wichtigste Regel lautet: Synchronisation. Es bringt nichts, wenn die Stürmer anlaufen, die Abwehrkette aber tief stehen bleibt. Die Mannschaft muss enorm kompakt agieren. Wichtig ist hierbei auch ein klares Kommando eines Führungsspielers ("Leaders"), das als Startsignal für die gesamte Truppe dient.
Gefahren und Fehlerquellen
Die Trainer analysierten auch Szenen, in denen das Pressing scheitert. Die Prämisse im Angriffspressing ist ein konsequentes Mann-gegen-Mann-Spiel. Ein individueller Fehler oder ein Spieler, der "pennt", kann das komplette System destabilisieren.
Zwei klassische Problemfelder wurden im Vortrag deutlich:
- Der zweite Ball: Zwingt man den Gegner zu einem langen Ball, ist die Arbeit nicht vorbei. In einer analysierten Szene verlor die Mannschaft die Struktur, weil nach dem langen Ball der Stürmer oder der Sechser nicht nachrückte, um den zweiten Ball aggressiv zu erobern.
- Die Restverteidigung bei langen Bällen: Bei der U16 gilt die Regel, dass das "Mann-gegen-Mann" in der hinteren Linie nur solange statisch ist, bis der Ball in der Luft ist. Sobald der lange Ball geschlagen wird, müssen die eigenen Sechser nach hinten sprinten und unbedingt schneller sein als die Sechser des Gegners.
- Gegnerische Fallen: Spitzenteams wie die U19 von RB Leipzig versuchen gezielt, den ballnahen Sechser der pressenden Mannschaft herauszuziehen, um Lücken zwischen den Ketten zu reißen. Hier muss der ballferne Außenspieler oder der Sechser die Situation frühzeitig erkennen und einrücken, da auf der ballfernen Seite keine direkte Gefahr mehr droht.
Fazit: Angriffspressing ist hochkomplex und erfordert Mut, höchste Laufbereitschaft und vor allem mannschaftliche Geschlossenheit vom Stürmer bis zum Innenverteidiger. Wenn es jedoch funktioniert, führt es zu brandgefährlichen Abschlüssen nach nur einem oder zwei Ballkontakten.
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