Was einen Trainer wirklich gut macht – Raphael Honigstein im Klartext

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Raphael Honigstein sitzt seit über 25 Jahren näher dran als die meisten. Als Journalist, TV-Experte bei Sky und BBC, Autor mehrerer Bücher über den deutschen und englischen Fußball. Heute auch als Berater von Nationaltrainer Ralf Rangnick. Im 1x1SPORT #FUSSBALLTRAINER Podcast redet er offen. Über Taktik, Trainer, Macht und darüber, was er in all diesen Jahren gelernt hat.

Fußball in Schwarz-Weiß sehen

Raphael Honigstein beschreibt seinen eigenen Entwicklungsprozess mit einer ehrlichen Metapher: Während Top-Trainer das Spiel in Farbe sehen – in all seinen taktischen Nuancen, Mustern und Gegenbewegungen – sieht er es selbst noch in Schwarz-Weiß. Und das, obwohl er Tausende von Spielen analysiert hat.

Was er damit meint: Früher hat er Fußball so erlebt wie die meisten Fans. Man spürt, dass eine Mannschaft dominiert. Man sieht, dass es nicht läuft. Aber warum genau? Das blieb oft diffus.

Erst durch die Zusammenarbeit mit Trainern, Gespräche nach Spielen, Einblicke in Matchpläne, Beobachtungen im Kabinengang, hat sich sein Blick fundamental verändert. Ein Beispiel: Wenn ein Innenverteidiger Probleme hat, sauber herauszuspielen, liegt das vielleicht schlicht daran, dass er kein Linksfuß ist. Und das wiederum hängt mit dem Anlaufverhalten des Gegners zusammen. Und daraus ergibt sich eine mögliche Halbzeitanpassung.

Für Trainer bedeutet das: Was Außenstehende nie sehen, ist genau das, was euren Job ausmacht. Die Detailarbeit, die sich nicht in Toren messen lässt.

Guardiola und das fertige Drehbuch

Einer der beeindruckendsten Momente im Gespräch ist Raphaels Beschreibung von Pep Guardiolas Vorbereitung. Guardiola kann Spielern vor einem Spiel erklären, wo sich Räume auftun werden: und ganz oft passiert es dann genau so.

Das Ergebnis für die Spieler: Sie gehen ins Spiel wie Schauspieler, die das Drehbuch bereits kennen. Die Unsicherheit fällt weg. Das Vertrauen steigt. Und damit auch die Leistung.

Diese Sicherheit, das Gefühl, dass der Plan funktioniert, wenn man ihn umsetzt, ist laut Honigstein einer der entscheidenden Faktoren hinter Guardiolas Erfolg. Nicht nur die Taktik. Sondern das Vertrauen, das sie erzeugt.

Warum Tottenham trotz guter Spieler kämpft

Als Negativbeispiel analysiert Honigstein die aktuelle Situation bei Tottenham Hotspur, und sein Fazit ist eindeutig: Das Problem ist nicht die Taktik des aktuellen Trainers. Das Problem ist die fehlende Kontinuität über Monate hinweg.

Binnen weniger Monate erlebte der Klub vier verschiedene taktische Ausrichtungen, von intensivem Pressing über abwartendem Stil bis zur Fünferkette und schließlich Ballbesitzfußball. Keine Mannschaft der Welt kann diese Umstellungen verarbeiten, ohne Schaden zu nehmen. Dazu kommen Verletzungen, fehlende Führungsstrukturen im Verein und der psychische Druck des unerwarteten Abstiegskampfs.

Die Lektion: Taktik allein rettet keine Saison. Konstanz, Vertrauen und klare Strukturen sind die Grundlage, nicht das Sahnehäubchen.

Der schwierigste Job im Profifußball

Auf die Frage, was das Schwierigste am Trainerberuf sei, gibt Honigstein eine klare Antwort: alles gleichzeitig gut machen müssen.

Kommunikator. Taktiker. Führungspersönlichkeit. Mediensprecher. Staffmanager. Motivator. Wer in einem dieser Bereiche schwächelt, verliert früher oder später den Rückhalt. Egal ob in der Kabine, bei den Eigentümern oder in der Öffentlichkeit.

Hinzu kommt die brutale Logik des Ergebnisses. Alle drei Tage bekommst du eine Bewertung deiner Arbeit in Form von Punkten. Und diese Bewertung muss nicht mit der tatsächlichen Qualität deiner Arbeit übereinstimmen. Fünf Niederlagen trotz guter Leistungen sind im Fußball keine Seltenheit. Rote Karten, Elfmeter, Pfosten, der Zufall gehört dazu.

Wer das nicht aushält oder keinen Verein hinter sich hat, der das versteht, hat es schwer.

Wie Klubs Trainer suchen, und warum das oft schief geht

Honigsteins Einblick in die Trainerwahl ist schonungslos ehrlich. Im Idealfall sucht ein Klub den perfekten Kommunikator, Taktiker und Manager in einer Person. In der Praxis gibt es diese Person kaum.

Was also passiert? Manche Klubs filtern nach Spielstil, was ein sinnvoller erster Schritt ist. Andere reagieren rein emotional: Der letzte Trainer hat versagt, also her mit dem genauen Gegenteil. Manchmal funktioniert das kurzfristig. Langfristig ist es Glückssache.

Und dann gibt es noch das Phänomen, das Honigstein fast als "Showbusiness" beschreibt: Wenn ein Klub Aufmerksamkeit braucht, wenn die Fans unzufrieden sind und die Jahrestickets nicht mehr verlängert werden. Dann sucht man keinen Taktiker, sondern einen Star auf der Bank. Den neuen Klopp. Den neuen Pep. Jemanden, der elektrisiert.

Ralf Rangnick und was einen guten Trainer wirklich ausmacht

Bei der Frage nach Ralf Rangnicks Arbeit mit der österreichischen Nationalmannschaft wird Honigstein persönlich. Er erlebt ihn täglich als Berater und beschreibt, was einen erfahrenen Trainer von anderen unterscheidet.

Es ist nicht die Taktik. Die kann man lernen. Es sind die menschlichen Fähigkeiten: Das Vertrauen in der Kabine aufbauen. Eifersüchteleien im Keim ersticken. Jedem Spieler das Gefühl geben, wichtig zu sein. Und all das glaubwürdig umzusetzen.

Rangnick coacht seit über 40 Jahren. Diese Erfahrung zeigt sich nicht in großen Gesten, sondern in kleinen Entscheidungen. Welcher Spieler braucht heute Spielzeit? Wer wackelt gerade im Training? Was sagt ein Blick in die Kabine über die Stimmung der Gruppe?

Das sind Dinge, die du dir nicht anlesen kannst.

Du willst tiefer in das Thema einsteigen?

Dann hör dir die komplette Folge des 1x1SPORT #FUSSBALLTRAINER Podcasts mit Raphael Honigstein an – über Taktik, Macht, Fehler und das, was Trainer wirklich voneinander unterscheidet.

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