Die Renaissance des Mann-gegen-Mann-Pressing – und wie du es erfolgreich umsetzt

Darwins Evolutionstheorie lässt sich nicht nur auf das Leben anwenden, sondern auch hervorragend auf den Fußball übertragen. Ein Bestandteil der Theorie lautet „Survival of the Fittest“. Das wird im deutschsprachigen Raum gelegentlich falsch übersetzt. „Fittest“ meint nicht die körperliche Fitness, sondern die Anpassungsfähigkeit.

➔ Sprich: die Organismen, welche sich am besten an veränderte Bedingungen anpassen, überleben

➔ Oder in unserem Fall: Die Teams, die sich am besten an den Wettbewerb anpassen, kommen weiter

Die Entwicklung des Pressings

Dieser Prozess lässt sich mit Hilfe der Entwicklung des Spiels gegen den Ball nachvollziehen: 

Vor 20-30 Jahren bedeutete Defensivspiel vielerorts noch „Kämpfen!“ und „Jeder hat seinen Mann!“ – mit Ausnahme der Libero natürlich. Ein simpler Ansatz, der sich irgendwann nicht mehr bewährte.

Die Teams in Ballbesitz fanden effiziente Antworten auf diesen Verteidigungsstil, so dass sich das Defensivspiel ebenfalls weiterentwickelte.

Das Pressing wurde strukturierter und komplexer – der Gegner wurde gezielt gelenkt, bestimmte Räume wurden kompakt gehalten, es wurde eine Ballorientierung ins Defensivspiel integriert und die Viererkette hat sich durchgesetzt.

Auf Top-Niveau zeigt sich jedoch mittlerweile, dass selbst ein sehr gut organisiertes Pressing gegen spielstarke Teams oftmals nicht ausreicht – die Teams finden Lösungen, um das Pressing zu umspielen und den Gegner zurückzudrängen.

Daher sind viele Mannschaften, wie Paris, Bayern oder Barcelona dazu übergegangen in höheren Spielfeldbereichen wieder Mann-gegen-Mann zu pressen – die klarere Zuordnung scheint sich gegen flexible und technisch starke Offensivmannschaften besser zu bewähren als Pressingvarianten mit einem stärkeren Fokus auf Ball und Raum.

Interessant bei diesen Anpassungsprozessen ist, dass das Spiel nicht ausschließlich neu erfunden wird. Teilweise werden – wie beim Mann-gegen-Mann-Pressing – ältere Ansätze wieder aufgegriffen und modernisiert.

Wie wird mein Mann-gegen-Mann-Pressing erfolgreich?

Das Mann-gegen-Mann-Pressing ist nicht nur eine Option für den Spitzenfußball, sondern kann grundlegend eine effiziente Variante im hohen Pressing sein – zumindest dann, wenn ein paar Punkte berücksichtigt werden. Im Folgenden stelle ich dir vor, wie diese Form des Pressings gelingt:

Mann-gegen-Mann-Pressing – Abbildung 1

(Abbildung 1)

Schritt 1: Die individuellen Duelle meistern

Das Mann-gegen-Mann-Pressing erscheint erstmal simpel. Die Zuordnung ist klar. Im besten Fall kann der Pass auf seinen Gegenspieler abgefangen werden oder zumindest ein offener Fuß verhindert werden – das gilt explizit im Zentrum.

Gleichzeitig gilt es aber nicht zu gierig zu sein, da der Gegenspieler sonst den Raum im Rücken finden kann – beispielsweise über einen Steil-Klatsch, ein Spielen und Gehen oder einen progressiven 1. Kontakt.

Mann-gegen-Mann-Pressing – Abbildung 2

(Abbildung 2)

Wie bestreite ich meine Duelle erfolgreich?

  • Duell vorbereiten: „So nah dran wie möglich, so weit weg wie nötig!“ (Pass bestmöglich attackieren können und zeitgleich den Raum im Rücken sichern)
  • Blick des Ballführers lesen
  • Halb-Halb-Stellung nutzen (schnell nach vorne und hinten verteidigen)
  • Überlappend decken (bessere Ausgangslage, um Pass abzufangen)
  • Den Pass attackieren (nicht spekulieren)
Mann-gegen-Mann-Pressing – Abbildung 3

(Abbildung 3)

Schritt 2: Verständnis schaffen - Mann-gegen-Mann-Pressing  ≠ 10 Einzelkämpfer

Mann-gegen-Mann-Pressing klingt erstmal nach jeder verteidigt seinen Gegenspieler. Und wenn mein Gegenspieler nichts macht, habe ich auch keine Schuld. Jedoch ist das nicht die Intention eines progressiven Mann-gegen-Mann-Pressings. Auch wenn der erste Bezugspunkt der Gegenspieler ist, kann das Kollektiv unterstützt werden:

  • Mit der Positionierung Passwege auf tiefere Gegenspieler schließen
  • Zurückdoppeln, wenn du überspielt wirst
  • Losere Deckung am ballfernen Flügel, um Mitspieler oder das Verteidigen auf letzter Linie ggf. unterstützen zu können
Mann-gegen-Mann-Pressing – Abbildung 4

(Abbildung 4)

Gleich gehts weiter...

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Autor: Luis Österlein

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