Als Jugendspieler hat mich mein Trainer mal ausgewechselt und mir dann gesagt: “Luis, du läufst rum wie Falschgeld auf dem Platz!“ Damals war ich enttäuscht, heute kann ich über die Wortwahl schmunzeln. Aber um ehrlich zu sein: ich hatte auch keinerlei Idee, wie ich mich auf dem Feld bewegen sollte. Mir fehlte die Unterstützung.
Wenn ich heutige Jugendspiele schaue, beobachte ich dasselbe Phänomen: Spieler positionieren sich suboptimal, weil dem Spieler und möglicherweise auch dem Coach ein Verständnis für die Bewegung ohne Ball fehlt. Aber auch ein anderes Extrem ist zu beobachten: Coaches dirigieren in vielen Situationen die exakte Position ihrer Spieler – ohne jedoch ein Verständnis oder eine Übertragbarkeit auf andere Situationen zu schaffen. Die Folge: Dem Spieler ist nur in dem jeweiligen Moment geholfen. Die Entwicklung einer eigenen Entscheidungskompetenz bleibt aus.
Ziel des Beitrags
Das möchte ich mit diesem Beitrag ändern. Ich gebe dir 5 Prinzipien, mit welchen deine Spieler eine eigene Entscheidungsqualität und ein Verständnis für die Bewegung ohne Ball entwickeln.
#1 So offen wie möglich, so geschlossen wie nötig
Die offene Stellung verbinden viele Spieler mit einer Ausrichtung der Körpervorderseite, die parallel zur Seitenauslinie ist. Das ist aber gar nicht immer die optimale Lösung – es geht oftmals offener: Dadurch kann ein Spieler offensive Lösungen noch besser erkennen und das Spiel noch schneller fortsetzen.
➔ Daher gilt: „So offen wie möglich“
Maximale „Offenheit“ bedeutet, dass die Körpervorderseite direkt zum Tor zeigt. Gleichzeitig muss aber auch der Ballbesitzer im Blickfeld bleiben und der Ball sollte weiterhin vernünftig verarbeitet werden können (kein Pass in den Rücken). Hinzu kommt noch der Gegnerdruck: Oftmals muss auf „Offenheit“ verzichtet werden, um den Weg zum Ball blockieren zu können.
➔ Daher gilt: „So geschlossen wie nötig“
Schauen wir uns das Prinzip mit hilfe eines Beispiels an:

(Abbildung 1)
Die halboffene Stellung wird häufig so trainiert. Es geht aber effektiver.

(Abbildung 2)
Die Lösung: „So offen wie möglich, so geschlossen wie nötig“
- Ballbesitzer ist weiterhin im Blickfeld
- Vorteil: Offensive Optionen zur Spielfortsetzung werden besser erkannt
- Vorteil: Schnellere Spielfortsetzung
#2 So hoch wie möglich, so flach wie nötig
Dieses Prinzip gilt für Spieler, die außerhalb des gegnerischen Verbunds agieren. Gegen ein hohes Pressing wird man meist sowieso gezwungen, sich maximal flach anzubieten, um den hohen Druck abzuschwächen.
Gegen einen kompakteren, tieferen Verteidigungsstil hilft die Regel beim Erzeugen von Druck auf den Gegner und dem Überdribbeln von Linien. Es lässt sich immer wieder beobachten, dass Aufbauspieler aus Gewohnheit oder Unwissen eine recht gleichbleibende Höhe halten – und das obwohl sie problemlos in eine tiefere Ebene vorstoßen könnten, wenn sie sich vor Erhalt des Balles höher positioniert hätten.
So hoch wie möglich, um…
- ...Linien besser überdribbeln bzw. überspielen zu können
- …der Abstand zum Tor zur letzten Linie des Gegners verkürzt wird (Torabschluss und Tiefenpass)
- …mehr Raum gewinnen zu können
- …den Zugriff im Gegenpressing und auf 2. Bälle zu verbessern
- …Gegenspieler stärker zu binden
So flach wie nötig, um…
- …anspielbar zu bleiben
- …genug Raum und Zeit für die Anschlussaktion zu haben
- …Verbindungsmängeln und Isolationen vorzubeugen (besonders am Flügel und weiteren Passdistanzen relevant)

(Abbildung 3)
Was hilft bei der Umsetzung des Prinzips?
Rede im Spiel vom Ball nicht von Ketten, sondern von Ebenen – das erzeugt ein weniger starres Verständnis vom Positionsspiel.
Ausnahme
Das Prinzip wird nicht genutzt, wenn die Intention ein Locken ist. Lassen sich Gegenspieler weit aus dem Verbund ziehen, führt dies nach Verlagerungen zu weiteren Wegen zum Schließen von Räumen und Absichern von Mitspielern.
Gleich gehts weiter...
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Autor: Luis Österlein









