Viele Trainer kennen das gleiche Bild: Vorne wird begeistert gedribbelt, kombiniert und abgeschlossen, aber sobald der Ball verloren geht, bleiben einige Offensivspieler stehen, schauen zu oder geben die Verantwortung an andere ab. Nicht aus Faulheit, sondern weil das Bewusstsein für defensive Mitarbeit oft nicht mittrainiert wird. Viele Kinder und Jugendliche wachsen mit dem Gefühl auf: „Ich bin Stürmer. Verteidigen ist nicht mein Job.“
Dabei entsteht dieses Bild oft schon sehr früh: Der stärkste Spieler wird nach vorne gestellt, soll Tore schießen und bekommt dafür auch die meisten Komplimente. Wenn er dann im Training oder Spiel nicht mit nach hinten arbeitet, wird das häufig hingenommen, solange er vorne „liefert“. So verfestigt sich eine Denkweise, die im modernen Fußball nicht mehr funktioniert.
Dabei ist moderner Fußball längst nicht mehr in Schubladen unterteilt. Selbst Profis wie Musiala, Havertz oder Sané werden nicht gelobt, weil sie „nur“ torgefährlich sind, sondern weil sie gegenpressen, nachsetzen und nach hinten arbeiten. Sie sind Offensivspieler, aber denken das Spiel in beide Richtungen. Genau dieses Verständnis entsteht jedoch nicht von selbst – es muss im Training angelegt, eingefordert und immer wieder erlebt werden.
Trainer stehen hier vor zwei zentralen Herausforderungen:Erstens müssen Offensivspieler wollen, zweitens müssen sie wissen, was zu tun ist. Motivation, Wiederholung, passende Spielformen und pädagogische Begleitung entscheiden darüber, ob Spieler nach Ballverlust umschalten oder abschalten. Es reicht nicht, im Spiel laut „Zurück!“ zu rufen, wenn diese Situation vorher nie klar und wiederholt trainiert wurde.
Wer möchte, dass Flügelspieler, Stürmer oder 10er defensiv mitarbeiten, braucht kein Autoritätsproblem zu lösen, sondern ein Trainings- und Haltungsproblem. Es geht um Gewohnheiten, Spiellogik, individuelle Verantwortung und letztlich um die Frage: Wie baue ich das so ins Training ein, dass Kinder und Jugendliche gar nicht anders können, als nach hinten zu arbeiten?
Umschalten als Denkprinzip
Kinder und Jugendliche lernen über Wiederholung und Spiellogik, nicht über Appelle wie „Lauf doch mit zurück!“. Wer möchte, dass Offensivspieler defensiv mitarbeiten, muss Umschalten zur Normalität machen – als automatischen Gedanken nach Ballverlust: „Was ist jetzt meine nächste Aufgabe?“
Das funktioniert über Spielformen mit klaren Ballverlust-Momenten, zum Beispiel:
Wichtig:Umschalten ist weniger eine Laufsache als eine Denksache. Das Ziel ist, dass Spieler nicht erst loslaufen, wenn der Trainer ruft, sondern bereits beim Passen oder Dribbeln im Hinterkopf haben: „Was mache ich, wenn wir den Ball verlieren?“
Übung 1: Umschaltspiel im 3 gegen 2
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Mehr InformationenHier können Trainer sehr gut coachen, was nach Ballverlust passieren soll: Wer stellt den Ballführer, wer sichert ab, wer sprintet zurück? Offensivspieler erleben, dass sie mit einem schnellen Rückwärtssprint eine klare Torchance des Gegners verhindern können.
Übung 2: 3 vs 3 mit drehendem Angriffsrecht
Durch das drehende Angriffsrecht entstehen viele Ballgewinne und -verluste in kurzer Zeit. Spieler sind gezwungen, ständig zwischen „Wir greifen an“ und „Wir verteidigen“ umzuschalten. Genau das schärft das Bewusstsein für defensive Mitarbeit – auch bei denen, die sich „eigentlich“ als Offensivspieler sehen.
Hier lernen Spieler, nach einem Angriff blitzschnell umzuschalten – sei es ins Gegenpressing oder in die Rückwärtsbewegung. Besonders Offensivspieler merken: Nach dem Abschluss ist nicht Feierabend, sondern der nächste Sprint beginnt.
Wichtig:
Umschalten ist weniger eine Laufsache als eine Denksache. Das Ziel ist, dass Spieler nicht erst loslaufen, wenn der Trainer ruft, sondern bereits beim Passen oder Dribbeln im Hinterkopf haben: „Was mache ich, wenn wir den Ball verlieren?“
Wiederholung schlägt Theorie
Viele Trainer packen jede Woche neue Spielformen aus – oft zu ihrem eigenen Nachteil. Kinder und Jugendliche brauchen wiederkehrende Abläufe, um ihr Verhalten zu verinnerlichen. Wer defensives Mitdenken fördern will, sollte lieber regelmäßig ähnliche Spiele nutzen und nur kleine Varianten einbauen.
Gleich gehts weiter...
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