#7: Pass, pass, pass it! (Fußballtraining-Playlist)

Klingt nach 5€ fürs Phrasenschwein ist aber wahr: Das Passspiel gehört zu den wichtigsten Elementen im Fußball. Dazu gehört nicht nur, dass man die Technik beherrscht, sondern auch, dass man weiß, wohin der Pass in bestimmten Situationen gespielt werden muss. Deshalb dreht sich in Playlist Nummero sieben alles um das Thema Passen. Mittlerweile kennt ihr ja unsere Coaches schon, deswegen kann’s auch ohne große Erklärungen losgehen. Aufgepasst…

1. Genaues Passen

Passübung: Stangentore

Den Ball sauber mitnehmen und einen ordentlichen Pass spielen – darum geht es in der Übung “Stangentore” aus dem Training der FC Bayern-Frauen.

Durchpassen, mitnehmen, durchpassen. Simpler Aufbau, effektives Passtraining.

Diese Übung dient dazu, die erste Berührung mit dem Ball, den „first touch“, sauber zu trainieren. In der Mitte eines kleinen Feldes werden Stangen in verschiedenen Farben der Länge nach hingelegt. Diese dienen als Tore. Die Spielerinnen werden in zwei Teams eingeteilt. Beide Mannschaften stellen sich jeweils gegenüber auf einer Seite des Spielfeldrandes auf. Aufgabe ist es nun, sich den Ball zuzupassen. Dabei kommt es darauf an, den Ball gut anzunehmen und sauber durch das Stangentor zum anderen Team zu spielen.

Sie sollen den Pass in die richtige Richtung mitnehmen und mit dem zweiten Kontakt durch das entsprechende Stangentor zurückspielen. Je nach Können der Spieler, kann die Größe der Stangentore verkleinert werden, um die Übung schwieriger zu machen. Je geringer der Abstand zwischen den Stangen ist, umso genauer müssen die Spielerinnen den Ball spielen. Da stets beide Füße gleichermaßen trainiert werden müssen, sollten die Spielerinnen den Ball im ersten Durchlauf mit rechts und im nächsten mit links mitnehmen.

Als Variation werden weitere Stangentore in verschiedenen Farben aufgebaut. Der Ablauf der Übung ist vom Prinzip derselbe, allerdings gibt die Spielerin, von der man den Pass erhält, eine Farbe vor. Anschließend muss man den Ball durch das Stangentor mit der vorgegebenen Farbe zurückspielen. Zu Beginn sollten die Stangentore weiter auseinander sein. Wenn die Spielerinnen die Übung auf beiden Seiten gut beherrschen, kann man den Abstand der Stangen wieder verringern.

Um die Schwierigkeit weiter zu steigern, kann der Trainer eine Gegenspielerin einsetzen, um sowohl Zeitnot als auch Druck durch einen „Störfaktor“ zu erzeugen. Die Gegenspielerin stellt sich mit ein paar Meter Entfernung auf der Seite der Stangentore auf. Die beiden Teams stehen sich wieder gegenüber und müssen sich den Ball durch die Stangentore sauber zupassen. Allerdings versucht die Gegenspielerin zwischen den Pass zu laufen und so der Spielerin, die den Ball erhält, sowohl das Annehmen, als auch das Weiterpassen des Balles zu erschweren.

Noch schwieriger wird’s mit Gegenspieler(in).

Die Spielerin, die den Ball gepasst hat, stellt sich an die Position der Gegenspielerin und versucht im nächsten Zug ihrer Mitspielerin das Passen zu erschweren. Die Spielerin, die den Ball gegen den Gegenspieler verteidigen muss, läuft nach Abgabe des Balles auf die andere Seite des Spielfeldrandes und stellt sich dort hinten bei der Gruppe an, während sich die Gegenspielerin auf der Seite, auf der sie „verteidigt“ hat, zu der Gruppe gesellt. Diese Übung lässt sich wieder variieren durch unterschiedliche Größe der Stangentore oder durch Vorgaben wie bestimmte Farben (der Stangentore).

2. Passen

Passkombinationen: Schritt für Schritt

Bei der Übung “Passkombinationen” wird das Passspiel, die Ballannahme und -mitnahme verbessert. Zusätzlich werden Kombinationen im Team trainiert.

Für diese Übung braucht man ein ca. 20 bis 30 Meter großes Spielfeld. An jeder Längsseite sind jeweils drei Stationen. So gibt es insgesamt sechs Stationen, an denen sich die Spieler gegenüberstehen.

6 Stationen, 3 auf jeder Längsseite.

Schritt 1: Die Spieler an den äußeren Stationen passen den Ball zu der mittleren Station, die ihnen den Ball vorlegt.

Schritt 2: Sie müssen nun den Ball diagonal über das Spielfeld auf die Station auf der anderen Seite spielen.

Schritt 3: Danach wird gewechselt, das bedeutet die „inneren“ Spieler laufen zu einer der äußeren Stationen, sodass jeder einmal passen und diagonal den Ball zuspielen muss.

Schritt 4: Anschließend laufen sie allerdings nicht auf die andere Seite, sondern wieder auf die innere Station.

Wichtig: Der Trainer muss diese Übung stets beidfüßig ausführen lassen. Die Spieler können die Vorgabe bekommen, dass sie auf der linken Seite stets mit links und auf der rechten Seite stets mit rechts spielen sollen. Als Variation kann man auch einen Doppelpass einbauen, nachdem der Spieler diagonal gepasst hat. Das bedeutet, dass der Spieler, der den Ball an der Station erhält, mit dem Spieler, von dem er den Ball bekommen hat, einen Doppelpass ausführt.

Noch anspruchsvoller wird die Übung mit einem teilaktiven Gegner auf der gegenüberliegenden Seite, der Druck auf den Doppelpassspieler ausübt. Diese Übung kann man auch mit hohen Bällen ausführen. Der Aufbau und Ablauf ist derselbe, allerdings wird der Abstand vergrößert, sodass man sich den Ball zuschießen kann. Die Spieler, die sich den Ball an den ersten beiden Stationen zuspielen, passen sich den Ball flach zu.

Übung mit teilaktivem Gegenspieler.

Training der Ballannahme und -mitnahme.

Der Spieler, der ihn diagonal auf die andere Seite bringen soll, tut dies mit einem hohen Schuss. Für die nächste Variante beginnt der erste Spieler mit einem Einwurf, anstatt den Ball flach zu der 2. Station zu passen. Der restliche Ablauf bleibt derselbe. Nach einiger Zeit sollte bei allen Variationen die Seite getauscht werden, sodass die Spieler beide Füße gleichmäßig trainieren.

3. Technik

"Such' eine Linie mit Torschuss"

Diese Übung behandelt vor allem den scharfen Druckpass in die Tiefe, das Gefühl für leichte Drop-Pässe und in dieser Variante auch den Torabschluss. Ideal sind hierfür etwa 8 bis 10 Spieler.

Der Übungsaufbau.

Aufbau und Ablauf sind identisch zu der Übung „Such eine Linie“. In dieser Übung ist allerdings hinter dem Zielspieler ein Tor aufgebaut. Anstatt direkt zurück zur Startposition zu laufen, dreht sich der Zielspieler um die eigene Achse, nimmt den Ball mit oder legt ihn sich mit einem Kontakt selber in den Lauf und schließt die Übung mit einem Torschuss ab.
Achtet darauf, dass sich die Spieler den Ball nur mit der Innenseite vorlegen und auch mit demselben Fuß abschließen, mit dem sie den Ball mitgenommen haben.

Variante: Der letzte Spieler schießt nicht selber aufs Tor, sondern legt noch einmal ab auf den Spieler aus dem zweiten Viereck. Dieser nimmt den Ball an und mit, zieht am Zielspieler vorbei und schließt dann ab.

4. Torschuss

Passrundlauf mit Torschuss

In dieser Übung werden Passgenauigkeit und Torschuss miteinander verbunden.
Für alle, die Ingos Übung “Passrundlauf” kennen: Diesmal wird ein Viereck herausgenommen und stattdessen mit einem Torschuss abgeschlossen.

Zentimeterarbeit… Die Spieler schenken sich beim Dreiecks-Fangen nichts!

Jeweils eine Gruppe von circa drei Spielern stehen nun an drei kleinen Vierecken, welche die drei Ecken eines großen Dreiecks bilden, das die Stationen des Passspiels darstellt. Gestartet wird in dem Viereck neben dem Tor. Zunächst folgt ein Zuspiel nach vorne und anschließend ein paralleler Pass zum Tor. Vom dritten Viereck aus folgt abschließend ein Schuss auf das Tor. Die Kinder spielen gleichzeitig und wechseln nach jedem Pass ihre Position, sodass die Übung dynamisch bleibt. Je nach Leistungsklasse kann man vor dem Abschluss noch eine Finte einbauen.

Der Trainer sollte Acht geben, dass die Spieler ihre Pässe sauber ausführen und die Ballan- und Mitnahme gut funktioniert.

5. Schnelligkeit

"Dreierpass": Schnelligkeit & Passspiel

Verbinde Schnelligkeitstraining mit einer Passübung. Beim “Dreierpass” werden technische und athletische Komponenten geschickt miteinander verknüpft.

Kurz vor dem Start: immer 3 Spieler bilden ein „Pass-Team“.

Wie der Name vermuten lässt, beschäftigt eine Passfolge im “Dreierpass” stets drei Athleten. Die Spieler stehen sich zu Beginn im Abstand von etwa zwölf bis 15 Metern gegenüber. Auf der einen Seite befinden sich zwei Spieler mit einem Ball, auf der anderen Seite wartet ein Spieler ohne Spielgerät. Auf beiden Seiten stehen die Spieler hinter durch Hütchen abgesteckten Toren. Die Distanz der neutralen Zone ist ebenfalls mit Deckeln markiert.

Den Auftakt macht nun der ballführende Spieler, der in die neutrale Zone geht und von da den Spieler hinter dem gegenüberliegenden Hütchen mit einem präzisen Innenseitstoß bedient. Der Passgeber bleibt nach dem Zuspiel aber nicht stehen, sondern folgt seinem Passweg sofort und nimmt die Position des Passempfängers ein. Der nimmt die Kugel nämlich hinter seinem Tor an, geht wie sein Vorgänger in die neutrale Zone und spielt nun auch von da nun den nächsten Pass zu seinem Gegenüber. Da er danach ebenso seinem Passweg folgt und als nächster Passempfänger wieder wartet, folgt das Prinzip des Dreierpasses einer endlos laufenden Kette. Damit das Ganze nicht zum Ausdauertraining verkommt, solltet ihr in einem Durchgang nicht mehr als zehn bis zwölf Kontakte von euren Spielern fordern. Außerdem sollte der Trainer darauf achten, dass Präzision und Technik vor Geschwindigkeit gehen – die Laufgeschwindigkeit kann und soll gleichzeitig dennoch auf einem hohen Niveau sein.

Variieren lässt sich diese Übung, indem ihr die Spieler mal mit ihrem schwachen Fuß oder nach anfänglich größeren Toren auf etwas enger zusammengestellte Hütchen passen lasst. Aber auch ein Wettbewerb lässt sich aus dem Dreierpass machen. Um die fünf Teams a drei Spieler passen dann, bis sie beispielsweise als erstes zehn Tore erzielt haben. Auch die größte Anzahl an Ballkontakten in einer vorgegebenen Zeit oder die bestmögliche Präzision können eine Variante darstellen. Der Wettbewerb macht den Spielern nicht nur Spaß, er lässt sie sich auch an Drucksituationen gewöhnen, hilft ihnen, Frust einfach zu bewältigen oder bietet die Gelegenheit für ein ausdrückliches Lob. Damit alles fair bleibt, sollten die Mannschaften bestenfalls immer mal wieder durchgemischt werden.

Das Ziel: perfekte Technik bei hoher Geschwindigkeit.

6. 1 gegen 1

Der Pass in die Tiefe

In dieser Schnelligkeitsübung werden auch der Doppelpass und 1-gegen-1-Situationen trainiert. Dazu wird vom mittleren Rand des Spielfelds diagonal zum Tor ein Hütchen-Parcours aufgebaut.

Die Hütchen werden umlaufen.

Die Spieler stellen sich am Anfang des Parcours an. Der Spieler umläuft das erste Hütchen, bekommt dorthin einen Ball zugespielt, den er sogleich zurückpasst, läuft sofort weiter zum zweiten Hütchen und passt den Ball abermals zurück. Nun bekommt ein zweiter Spieler (oder Trainer), der in einigem Abstand vom Parcours und auf halbem Weg zum Tor platziert ist, den Ball zugespielt. Währenddessen läuft der erste Spieler quer an den restlichen Hütchen (der Abwehr) vorbei in Richtung Tor, um von seinem Mitspieler einen gezielten Pass in die Tiefe zu erhalten und nun zu versuchen, im 1-gegen-1 mit dem Torwart zum Torabschluss zu kommen.

Der flüssige Lauf in die Tiefe muss deshalb quer zur Abwehr erfolgen, um nicht ins Abseits zu geraten. Durch den zweiten Spieler wird ein Doppelpass über die Außenseite imitiert.

Als Variation wird die Schwierigkeit durch viele Flugbälle vor dem 1-gegen-1 erhöht, die nicht so einfach zu mitzunehmen sind, wie flache.

7. Taktik

Taktische Feinheiten im Fußball: Verteidigen des Rückraumpasses

Es gibt drei Bereiche, die nach einem Seitenwechsel und einem Rückraumpass gefährlich werden: kurzer Pfosten, langer Pfoste und der Rückraum. Im Video erklärt Euch Manuel Baum, wie ihr diese “Gefahrenzonen” effektiv verteidigen könnt.

Diese 3 Bereiche müssen besetzt werden.

Wenn man nach einem Ballverlust in der Defensive in Unterzahl gerät und Bereiche priorisieren muss, gilt es zuerst den kurzen Pfosten zu besetzen, da dieser für den Torwart am schwierigsten zu verteidigen ist. Danach sollte der Rückraum besetzt werden, weil der Torwart einen auf den langen Pfosten gechipten Ball möglicherweise noch abfangen kann. Bei der Frage, ob man in solchen Situationen den Raum oder den Mann decken soll, gehen die Meinungen auseinander.

Die Position am kurzen Pfosten wird durch den ballnahen Innenverteidiger besetzt, der Rückraum durch den ballentfernten Innenverteidiger, der ballferne Außenverteidiger läuft zum langen Pfosten. Wenn diese Besetzung nicht möglich ist, beispielsweise weil ein Innenverteidiger aus der Viererkette rückt, besetzt der Spieler die Position, der am nächsten ist.

Für das Training ist es wichtig, diese Situationen immer wieder durchzuspielen und sich einzuprägen, welche drei Räume abgedeckt werden müssen, mit dem Ziel, die Wahrscheinlichkeit eines Gegentores zu verringern.

Gefahr gebannt: So sieht die Defensivarbeit im Idealfall aus.

8. Sportmentaltraining (Bonus)

Fokussierung

Bei der Technik der Fokussierung geht es darum, seine Konzentration und seinen Fokus an bestimmte Situationen anzupassen. Mit anderen Worten: Man konzentriert und fokussiert sich auf das, was einem in diesem Moment am meisten nach vorne bringt.

Stelle Dir den Lichtkegel einer Taschenlampe vor. Es gibt Taschenlampen, deren Lichtkegel Du von ganz eng bis extrem weit verstellen kannst. Verwende nun dieses Bild und übertrage es auf Deine Konzentration. Je nach Sportart oder Situation benötigst Du eine andere Fokussierungsfähigkeit. Entweder wir fokussieren einen engen Bereich sehr genau oder wir schalten auf „Überblick“ und betrachten den gesamten Raum. Wir können unsere Aufmerksamkeit aber auch nach außen richten oder in uns hineinhören.

Wir unterscheiden vier verschiedene Fokuseinstellungen:

1. Außen breit
Bei dieser Fokuseinstellung nimmst Du Deine Umgebung, also z.B. die Zuschauer war, die Dich motivieren, aber auch nervös machen können. Der Blick wandert bei dieser Einstellung also deutlich hin und her.

2. Außen Fokus
Hierbei fokussierst Du Dich auf wichtige äußerliche Einzelheiten, also z.B. den Ball an Deinem Fuß. Du fixierst mit einem konzentrierten Blick die Aufgabe.

3. Innen breit
Bei dieser Fokuseinstellung geht es darum, wie Du Dich gerade fühlst. Du nimmst Deinen Körper und Dein Gleichgewicht war. Du fokussierst also Dein eigenes Befinden. Bist Du nervös? Bist Du angespannt? Bist Du ruhig und ausgeglichen? Etc.

4. Innen Fokus
Beim „Innen Fokus“ konzentrierst Du Dich explizit auf ein Gefühl oder eine Aufgabe Deines Körpers. Lasse Deine Aufmerksamkeit zur gewünschten Stelle wandern. Achte zum Beispiel darauf, wie der Tennisschläger in der Hand liegt, oder wie sich der Ball an Deinem Fuß anfühlt und konzentriere Dich auf den entscheidenden Moment des Schlages bzw. Schusses.

Ziel ist es, zwischen diesen Fokuseinstellungen hin und her wechseln zu können, je nachdem, welche Du gerade brauchst. Wenn Du diese Technik beherrschst, was durchaus etwas Übung und Zeit bedarf, hast Du ein sehr effektives Tool zur Fokussierung und Konzentration. Dies bringt Dich vor allem im Leistungssport weiter. Fehler werden dann wahrscheinlicher, wenn wir in einer Situation die falsche Konzentrationsart verwenden. Nehmen wir zum Beispiel einen Fußballer beim Elfmeterschießen: Statt sich nur auf den Ball und das Tor zu konzentrieren, also auf den Außen Fokus, wird der Spieler von den Rufen der gegnerischen Zuschauer (außen breit) abgelenkt. Der bekannte 12. Mann auf dem Platz ist außen breit und motiviert Dich zusätzlich. Übe diese Technik so oft Du kannst im Alltag oder beim Training und wende sie dann im Wettkampf so schnell wie möglich an, um Deine Konzentrationsfähigkeit genauso steuern zu können, wie es die aktuelle Situation bedarf. Natürlich gibt es noch viele weitere Tools und Möglichkeiten, um seine Konzentrationsfähigkeit zu optimieren und zu steuern. Diese Technik hilft Dir aber auch dabei, schnell in den berühmten Tunnelblick zu gelangen, wenn dieser für den Wettkampf gerade erforderlich ist.

Nächste Woche geht’s nur um eins: Tore schießen. Sinnvoll ballern üben, das macht Laune.

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