#5: Für Taktikfüchse (Fußballtraining-Playlist)

Ohne Taktik kein Erfolg. So viel steht fest. Egal ob es um die richtige Grundordnung, die passende Pressing-Variante oder Laufwege und Spielzüge geht, ein Coach, der keinen Plan von Taktik hat, wird nicht lange Coach sein. Damit das nicht passiert, gibt’s heute eine kleine Taktik-Einheit. Unser Taktik-Experte Manuel Baum hat einige wichtige theoretische Inhalte für euch aufbereitet. Aber auch praktische Übungen sollen nicht zu kurz kommen, sodass ihr Laufwege, Spielzüge und das Umschalt- und Verschiebeverhalten jederzeit trainieren könnt. Für die Keeper haben wir uns einmal das Privattraining von Michael Rensing genauer angeschaut und euch eine seiner Übungen mitgebracht. Im Bonusteil könnt ihr euch drei kreative Freistoßvarianten aus dem Playbook von VfR Garching Coach Daniel Weber klauen. Taktisch klug oder?

1. Theorie

Taktische Feinheiten: Tipps für eine erfolgreiche Fußballtaktik

Warum der Stürmer nicht nur rumstehen darf! DFB U-20 Nationaltrainer Manuel Baum hat für Euch ein paar wichtige Tipps und Tricks zusammengefasst, die Euch taktisch nach vorne bringen werden.

Stürmer von der Defensivarbeit überzeugen

Nach hinten arbeiten heißt das Zauberwort für Stürmer.

Den klassischen Stürmer, der nur fürs Toreschießen zuständig ist, gibt es in diesem System nicht. Stattdessen muss der Stürmer mit nach hinten arbeiten. Das kann veranschaulicht werden, indem man dem
Stürmer zeigt, dass er bei Ballgewinn auf der Außenseite Abstand zu seinem Gegenspieler gewinnt, da die gegnerische Viererkette nach dem Pass meistens nicht sofort nachrückt. Dadurch erhält der Stürmer die Möglichkeit, offen auf die Kette zuzulaufen.

Unter sportwissenschaftlicher Betrachtung hat die Defensivarbeit den Vorteil, dass der Stürmer sich „aktiv“ regenerieren kann, was erwiesenermaßen schneller abläuft als Regeneration durch bloßes Stehen, also „passiv“.

Spielphilosophie zurechtlegen

Um sich eine Spielidee oder Spielphilosophie zurechtzulegen, muss man folgende Überlegungen treffen: Zum einen muss man sich aufgrund des eigenen Kaders für eine Grundordnung entscheiden, eventuell sogar für unterschiedliche Grundordnungen in Offensive und Defensive, zum anderen, ob man diese Grundordnung mit Angriffspressing, Mittelfeldpressing oder Abwehrpressing verbindet. Hierbei muss man sich als Trainer der Vor- und Nachteile der eigenen Grundordnung bewusst sein und den Gegner möglichst nicht in Bereiche spielen lassen, in denen man selbst unterlegen ist, sondern ihn in Bereiche lenken, in denen die eigenen Stärken und numerischen Überlegenheiten liegen.

Abkappen

Das Prinzip des Abkappens ist, dass ein Spieler anläuft, während der andere absichert. So wird ein Anlaufen möglich, bei dem man sich nur auf das Anlaufen konzentrieren kann und sich nicht darum kümmern muss, was im eigenen Rücken passiert. Das gilt nicht nur für Stürmer, sondern auch für alle anderen Teile der Mannschaft, zum Beispiel die beiden Sechser oder die Innenverteidiger.

Kommunikation und Visualisierung

Kommunikation mit den Spielern ist auch im Fußball unheimlich wichtig.

Im modernen Fußball ist es sehr wichtig, dass man seinen Spielern die Spielidee und seine Übungen näherbringt und ihnen erklärt, warum sie bestimmte Dinge so machen müssen. Da Kinder und Jugendliche aufgrund von Handys und Co. meist Stärken im visuellen Bereich haben, bietet sich auch der Gebrauch von Hilfsmitteln wie Tablets oder Taktiktafeln an. Je genauer man den Spielern Anweisungen und Übungen erklärt, umso bewusster und besser „befolgen“ sie diese. So müssen sie auch weniger von draußen angetrieben werden.
Beispielsweise kann ein Trainer während einer Übung die Position des Spielers übernehmen und den Spieler hinterherlaufen lassen, um Laufwege zu erlernen.

2. Verschieben

Das Kettenspiel

Sowohl offensive als auch defensive Schwerpunkte werden durch das Kettenspiel trainiert.

Zu den offensiven Schwerpunkten dieser Übung zählen das Kombinationsspiel, der Positionswechsel und das Kreuzen der Positionen. Defensive Schwerpunkte betreffen vor allem die Staffelung der Kette.

Für das Kettenspiel benötigt man 12 Spieler, die in 3 Teams eingeteilt werden. Die beiden Offensivmannschaften stehen sich gegenüber. Zwischen ihnen stellt sich eine Defensivmannschaft in einer Reihe auf.

Die Ausgangsposition der Übung.

Die eine Offensivmannschaft beginnt und spielt sich untereinander den Ball zu. Sie müssen versuchen den Ball durch die Defensivmannschaft flach auf die gegenüberliegende Seite zu der anderen Offensivmannschaft zu spielen. Das angreifende Team stets darauf achten, die Lücken in der Defensivkette zu suchen und zu nutzen.

Defensive Schwerpunkte betreffen vor allem die Staffelung der Kette, da die Mannschaft möglichst wenige Lücken zulassen sollte. Ziel des Kettenspiels ist es, den Ball 5 bis 6 Mal erfolgreich auf die andere Seite zu spielen. Dann sollte das Defensivteam ausgewechselt werden.

3. Laufwege

Übung für Schnelligkeit, Technik & Taktik: Der Zonenlauf

In dieser Übung werden verschiedene Komponenten gekoppelt: lineare Schnelligkeit, Ballannahme, Ballverarbeiteung und Taktik. Der taktische Teil bezieht sich auf das geordnete Strafraumspiel der Stürmer.

Spieler 1 startet außerhalb des Strafraums und läuft auf den Flügel. Dort bekommt er einen Pass vom Trainer (oder einem Mitspieler). Anschließend schlägt er eine Flanke in den Sechzehner. Als Trainer kann man durch die folgende Einteilung vorgeben, von wo die Flanke geschlagen werden soll:
A = auf Höhe des Strafraums
B = zwischen Strafraumgrenze und Grundlinie
C = auf Höhe der Grundlinie

Der Strafraum wird ebenfalls in drei Zonen unterteilt, die mit farbigen Hütchen markiert werden.
Zone 1 = am kurzen Pfosten (gelb)
Zone 2 = langer Pfosten (rot)
Zone 3 = Rückraum (blau)

Die drei Zonen im Strafraum.

Um Chaos im Strafraum zu vermeiden und das „blinde Verständnis“ zu fördern, gibt es folgende Vorgaben: Wenn nur ein Stürmer in den Strafraum läuft, begibt er sich immer in Zone 1, bei zwei Angreifern sind Zone 1 und Zone 2 besetzt etc. Somit weiß der Flankengeber automatisch, welche Positionen besetzt sind und kann sein Zuspiel darauf abstimmen.
In der Übung kann der Trainer nun vorgeben, von wo die Flanke geschlagen werden soll (ABC) und wie viele Stürmer in den Strafraum laufen. Zusätzlich können Hütchen oder Dummys Verteidiger simulieren.

4. Spielform

Übung zum Umschaltspiel im 3 gegen 2

In dieser Übung geht’s ums ständige Umschalten. Vom Angreifer zum Verteidiger und zurück zum Angreifer in 10 Sekunden! Alles, was ihr braucht, sind zwei Tore mit Keeper und die entsprechenden Angreifer und Verteidiger. Und schon könnt Ihr Euer Umschaltspiel effektiv trainieren…

In den Einheiten zum Umschaltspiel geht es unserem Coach Wolfgang wieder darum, verschiedene Schwerpunkte zu koppeln und in einer Übung zu verbinden. So werden hier Tempodribbling mit Distanzschuss und Torabschluss, Umschaltspiel und Zweikampfverhalten im 3 gegen 2 mit Kontermöglichkeit und Umschaltspiel und Kopfballzweikampfverhalten im 3 gegen 2 geschult.

Alles beginnt mit dem Tempodribbling und dem Abschluss aus der Distanz…

Klingt nach viel, geht aber ganz easy. Der Aufbau geht wie folgt: Ihr habt zwei Tore mit Keeper. Eins stellt Ihr bestenfalls auf die Torlinie mit dem Sechzehner davor, das andere ein gutes Stück von der Strafraumkante entfernt. Neben die Pfosten beider Tore stellen sich ausreichend Spieler auf, die gleich in Rekordzeit von Abwehr auf Angriff umschalten müssen und wieder zurück.

Und dann kann’s auch schon losgehen:
Ein Spieler startet mit voller Power mit einem Tempodribbling aufs Tor und kommt noch vor dem Sechzehner zum Abschluss aus der Distanz. Anschließend ist er zusammen mit dem Mitspieler von seiner Torseite Verteidiger. Auf der anderen Seite starten die zwei neuen Angreifer. Sie nehmen Tempo auf, setzen Finten und versuchen an den Gegenspielern vorbei zu kommen. Auch gruppentaktisch können sie sich etwas einfallen lassen: hinterlaufen, wegziehen, das Spiel breit machen usw. Doch bei dieser Übung haben es die Angreifer schwieriger, denn jetzt kommt der taktische Schwerpunkt dieser Übung! Denn sobald die Zwei die 5m-Linie in ihrem Strafraum überschritten haben, darf von ihrem Startpunkt aus noch ein dritter Verteidiger hinzu kommen.

…dann kommt der Gegenangriff der neuen Stürmer und der der dritte Verteidiger darf starten…

…und in der 3-gegen-2-Situation die Stürmer unter Druck setzen…

Der soll nachsetzen, seine Verteidiger-Kollegen durch frontales Doppeln von hinten unterstützen und so die 3-gegen-2-Situation herstellen. Erobern die drei Verteidiger den Ball, dürfen sie den Konter setzen und selbst den Abschluss auf das andere Tor der vorherigen Angreifer suchen. Ist die Aktion endgültig abgeschlossen, kommt es zu einem letzten Umschalten.

Alle müssen wieder umdrehen, denn vom Flügel kommt auf das Tor, auf das auch der erste Schuss fiel, die Flanke in die Mitte. Die Stürmer von gerade versuchen nun die Flanke zu klären. Die, die gerade noch zu dritt verteidigen durften, sind nun im Angriff in der Überzahl und versuchen, den Kopfstoß erfolgreich im Tor unterzubringen.

…ist die Situation geklärt, geht es noch einmal in den Kopfballzweikampf

5. Umsetzung

Pressing: Tipps zur Umsetzung vom Taktikexperten

Unser Taktikfuchs Manuel Baum erklärt euch noch einmal genau, wie man die verschiedenen Pressingvarianten im Fußball idealerweise umsetzt und mit welcher Variante man in Training beginnen sollte.

Es empfiehlt sich, zuerst das Mittelfeldpressing einzustudieren, weil man sowohl in das Angriffs- als auch in das Abwehrpressing gehen kann, sobald das Mittelfeldpressing funktioniert.

Da die Laufwege und die Reaktion auf die einzelnen Spielzüge schwieriger sind, sollte man nicht mit dem Erlernen des Angriffspressings beginnen. Die rote Mannschaft steht im 4-4-2 flach im Mittelfeldpressing. Der blaue Gegner spielt im 4-2-1-1. Um aus dem Mittelfeldpressing in das Angriffspressing zu gehen, müssen die Spieler verschiedene Signale erkennen. Spielt die blaue 2 einen ungenauen Ball in den Rücken seines Mitspielers (blaue 4), steht der blaue 4er mit dem Gesicht zum Tor, um den Ball zu bekommen.

Ein wichtiges Signal: Die gegnerische blaue 2 spielt einen schlechten (ungenauen) Pass auf die 4, welche sofort gedeckt werden muss.

Dieses Signal muss die rote Mannschaft erkennen und sofort ins Angriffspressing übergehen. Die rote 9 muss nun Druck auf die blaue 4 aufbauen.

Die restliche Mannschaft baut Druck auf den Gegner auf und macht Passwege zu. Wie beim Angriffspressing muss der lange Ball in den eigenen Bereich vor dem Tor verhindert werden. Außerdem müssen alle Spieler, die zuvor ballentfernt standen, auf die Seite des Balles schieben, um nach einer Balleroberung sofort zu kontern. Auch dieses situative Pressing folgt derselben Struktur wie beim Abwehr-, Mittelfeld oder Angriffspressing.

Wichtig ist, dass im ersten Schritt die Kette immer ballseitig verschiebt. Der zweite Schritt ist, dass der ballentfernte 6er vor die eigene Abwehr schiebt, um kurze Bälle zu verhindern. Der dritte Schritt ist, dass der gegnerische Spieler, der im Ballbesitz ist, sofort gedeckt wird. Alle Spieler, die in unmittelbarer Nähe zum Ballführer stehen, müssen im vierten Schritt auch gedeckt werden.

Auch auf alle anderen ballnahen Gegner muss Druck ausgeübt werden. Die 6 versperrt den Wegeines weiten, tiefgespielten Passes.

6. Torwarttraining

Torwarttraining mit Michael Rensing: Die Sitzwaage

Eine Übung aus Michael Rensings Off-Season Privattraining mit Freund und Coach Daniel Weber. Professionelles Torwarttraining für alle!

Mit der Sitzwaage kommt die anspruchsvollste Übung am Ende der Trainingseinheit. Jetzt fordern wir unserem Keeper noch einmal alles ab! Es werden in dieser Übung 2 Bälle aneinander gereiht. Für den Torhüter ist die Sitzwaage deshalb etwas anspruchsvoller, weil mehrere Dinge gleichzeitig in schneller Abfolge von ihm verlangt werden.

Die Ausgangsposition.

Die Übung beginnt damit, dass der Schlussmann sich in einem Eck in der Sitzwaage vor die Linie setzt. Die Sitzwaage geht so: Auf den Po setzen, Beine strecken, Füße vom Boden anheben und den Oberkörper leicht nach hinten schräg halten. Die Arme bleiben frei beweglich.
Der erste Ball wird dem Keeper nun in der Sitzwaage in die (bzw. zumindest in Richtung der) Hände geschossen. Der muss beim Abwehren des Balls versuchen, die Stabilität in Rücken und Bauch so gut wie möglich zu halten, so die Füße nicht auf den Boden kommen zu lassen und auch der Wucht des Balles nicht nach hinten nachzugeben. 

Wehrt der Keeper den Ball ab oder fängt ihn, hat er nicht zu viel Zeit bis zur nächsten Aktion. Sein Körper dreht unten leicht durch, sodass er die Füße setzen kann und er steht schnellstmöglich auf.

Nun kommt der zweite Ball aufs lange Eck. Analog zum Spiel weiß der Keeper im Grunde genommen, dass der Schütze sich dieses Eck aussucht – wie der Ball allerdings genau kommt, das weiß er nicht. So bleibt’s auch bei der Übung. Ob der zweite Ball flach, halbhoch oder hoch kommt, soll der Torwart gar nicht wissen. Abwehren soll er ihn natürlich trotzdem. Dazu muss er seine komplette Dynamik aufwenden und schnell und beweglich handeln, um seinen Körper letztlich hinter den Ball zu bekommen und die Kugel am perfekten Punkt zu erreichen.

Kurz vor der ersten Aktion.

Die zweite Aktion ist ein Ball ins lange Eck.

Durch die Übung soll auch erreicht werden, dass der Schlussmann stets mit dem Kopf dabei bleibt. Er soll die Füße nach dem ersten Ball konzentriert setzen, um dann den Abdruck zum zweiten Ball zu bekommen. Auch im Spiel muss der Keeper hellwach im Kopf und flink in den Füßen sein, wenn ein gegnerischer Stürmer nach einer ersten Abwehraktion noch einmal zum Nachschuss kommt.

Nicht vergessen: Nach der zweiten Aktion auch ums Abrollen kümmern! Die Übung in der Sitzwaage trägt zwar auch zur allgemeinen Stabilisation bei, dennoch bleibt eine vernünftige und weiche Landung bei einer höheren Wiederholungszahl das A und O des Torwartspiels!

Auch das richtige Abrollen will gelernt sein.

7. Taktik

Spielanalyse

Alles im Blick. Wer verschiebt wie?

Sei live dabei! Manuel Baum kommentiert und analysiert das taktische Verhalten zweier Mannschaften. Hierbei geht es vor allem um die Pressingstrategien der jeweiligen Teams. Lerne vom Profi!

8. Freistossvarianten (Bonus)

Kreative Freistoßvarianten für Fußballmannschaften

Freistöße und Standards können ein enges Spiel entscheiden. Hier ein paar Variationen, damit sich der Gegner nicht auf Euch einstellen kann.

In einer ersten Freistoßvariante stehen sich zwei Spieler in etwa drei Metern Entfernung vor dem Tor gegenüber. Der erste Spieler tippt den Ball an, wodurch dieser langsam zu seinem Gegenüber hin rollt. Dieser lupft den Ball leicht nach oben, worauf der Schütze ihn mit einem, maximal zwei Schritten übernimmt und mit einem geraden Volley über die Spielermauer ins freie Tor-Eck befördert.

Der Ball wird nur leicht angetippt.

Als zweite Möglichkeit kann der Schütze den Ball zunächst nur antippen und von seinem Gegenüber stoppen lassen. Dieser zieht sich nun schnell zurück, während der Schütze den Ball in hohem Bogen über die Mauer in den Winkel zirkelt.

In einer dritten Version soll die Mauer links umspielt werden. Dadurch hat der Torwart eine schlechtere Sicht auf das Geschehen hinter der Mauer und das freie Eck ist leichter anzuspielen. Dazu lässt ein erster, eher links positionierter Spieler den Ball leicht auf seinen Gegenüber abtropfen. Sobald der Ball sich etwas links von der Mauer befindet, kommt ein dritter Spieler, der Schütze, hinzu befördert den Ball direkt links an der Mauer vorbei ins Tor.

Ein zweiter Spieler lupft den Ball und legt ihn so für den Volley vor.

Nächste Woche gibt’s ein paar Übungen, für die ihr nichts weiter als ein paar Bälle und Tore braucht. So viel vorneweg: Es wird viel gepasst und geschossen.

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