Vereinswechsel im Nachwuchsbereich: Eine Anleitung zum sauberen Ablauf (Teil 2)

Egal ob Umzug, neue Herausforderung oder der erste Schritt in Richtung Fußballprofi, es gibt viele Gründe für einen Vereinswechsel im Jugendfußball. Trotzdem sollte dieser Schritt gut überlegt und auch formal in Ordnung sein. Hier erfährst Du, wie ein Vereinswechsel abläuft…

Jeder Vereinsverantwortliche weiß, dass nichts mehr Konfliktpotential birgt als der Wechsel eines talentierten Spielers von Verein A zu Verein B. Und das wissen wir nicht erst seit den Wechseln von Mario Götze oder Robert Lewandowski vom BVB zu den Bayern. Doch gerade im Nachwuchsbereich mit Kindern und Jugendlichen sollten noch einmal andere Regeln gelten als im Profisport, wo der blanke Erfolg bekanntlich an erster Stelle steht.

Das Credo des Kinder- und Jugendfußballs

Ingo anderbrügge Kids
Abklatschen ja, Abfeiern nein: Im Jugendfußball sollten Erfolge stets richtig eingeordnet werden, damit die kleinen Kicker nicht die Bodenhaftung verlieren.

Aus diesem Grund möchten wir an dieser Stelle vorneweg schicken, woran auch der DFB appelliert: Im Nachwuchsbereich gilt es zunächst einmal, jegliche Form der Ergebnis- und Erfolgsorientierung außen vor zu lassen. Statt dem kurzfristigen sportlichen Erfolg sollte bei jedem Vereinswechsel im Kinder- und Jugendbereich die Ausbildung und die individuelle Weiterentwicklung des einzelnen Spielers, die es objektiv zu bewerten gilt, im Vordergrund stehen. Halten sich alle Vereine an dieses einfach Credo, ist ein erheblicher Teil des Konfliktpotentials schon einmal aufgelöst.

Die Bedienungsanleitung

Damit es darüber hinaus zu keinen größeren Streitigkeiten kommt, hat der Deutsche Fußball-Bund einige Richtlinien aufgestellt, an die sich zwei Vereine beim Interesse an einem Nachwuchsspieler des jeweils anderen Teams bestenfalls halten sollten:

1. Reflexion beim Interessenten

Bevor ihr euer Interesse herausposaunt, reflektiert stets noch einmal, ob ein Wechsel in euer Team auch Sinn macht. Ist der Spieler schon so weit? Ist dem Kind ein Wechsel in seiner momentanen Situation zuzumuten? Oder tun ihm vielleicht ein paar Saisons bei seinem derzeitigen Klub nicht doch noch ganz gut?

2. Reflexion beim abgebenden Verein

In gleichem Maße sollte der Verein mit dem vermutlich besonders talentierten Spieler natürlich reflektieren, inwiefern der Heimatklub ihm noch das Training bieten kann, was er vielleicht verdient und nötig hätte. In beiden Fällen sollten die Vereine also noch einmal einen Schritt zurück gehen und sich überlegen, was das Beste für den Spieler ist.

3. Der erste Ansprechpartner

Wenn ihr euer Interesse dann doch bekunden wollt, dann geht damit nicht gleich direkt zum Spieler. Euer allererster Ansprechpartner ist der Jugendleiter oder in manchen Fällen auch der Trainer des anderen Vereins.

4. Das Vier-Augen-Gespräch

Spieler und Trainer im Gespräch
Was wie ein lockeres Gespräch aussieht, hat immense Bedeutung – für den Trainer, aber auch für den Spieler.

Der Verein mit dem interessanten Spieler sollte dann ein wenig Zeit bekommen, seinen Schützling selbst von dem Interesse zu unterhalten. In einem Gespräch (in der Regel des Trainers) mit dem Talent sollte der Spieler dann auf eine bevorstehende Kontaktaufnahme vorbereitet werden. Als abgebender Verein dürft ihr dabei gerne ausloten, ob euer Spieler an einem Wechsel denn überhaupt Interesse hat, denn die Meinung des Kindes selbst sollte immer noch an erster Stelle sein. Es ist in diesem Gespräch auch nicht verboten, dem Jungen oder dem Mädchen noch einmal aufzuzeigen, welche Vorteile er oder sie bei seinem beziehungsweise ihrem derzeitigen Verein genießt.

5. Der zweite Ansprechpartner

Wenn die Verantwortlichen des zu kontaktierenden Spielers Bescheid wissen und Zeit hatten, den Nachwuchskicker eingehend zu informieren, sollte der anfragende Verein nun die Eltern kontaktieren. Besteht hier gar kein Interesse, sollte das ohne großen Groll akzeptiert werden. Weiß der Verein mit dem Spieler von dem klaren „nein“, ist auch er dazu aufgefordert zu beobachten, ob der Interessent diese Absage akzeptiert.

6. Das Probetraining

F-Jugend Dribbling
Dribbelnde Jungstars wecken schnell mal das Interesse größerer Vereine.

Sind der Spieler und die Eltern hingegen an einem Wechsel interessiert, folgt in der Regel die Einladung zu einem Probetraining. Damit das Talent bei seinem möglicherweise neuen Klub probeweise mittrainieren darf, braucht es eine schriftliche Einverständniserklärung des derzeitigen Vereins des Spielers. Bevor die Eltern diese Genehmigung nicht eingeholt haben, sollte ein Probetraining keinesfalls stattfinden.

7. Die Genehmigung

Macht der Wechsel für den jungen Spieler Sinn, sollte der abgebende Verein seinen Spieler unbedingt unterstützen, um die persönliche Entwicklung des Talents zu fördern. Statt sich quer zu stellen, sollten die Verantwortlichen dem Interessenten also die schriftliche Erlaubnis zu einem Probetraining gewähren und Termine dafür mit dem Spieler besprechen. Zwei Termine sollten für ein Probetraining in der Regel ausreichen.

8. Die finalen Schritte

Überzeugt der Spieler beim Probetraining und beide Seiten erzielen Einigkeit über einen Vereinswechsel, sollten die weiteren Schritte mit den Eltern besprochen werden. Dazu zählt auch, dass der Verein der Familie bei der Erledigung sämtlicher Formalitäten hilft und seinen neuen Spieler dazu anhält, die Saison bei seinem aktuellen Verein sauber zu Ende zu spielen.

Wie ihr im letzten Schritt unseres Leitfadens seht, geht auch im Nachwuchsbereich natürlich nichts ohne Formalitäten und Formulare. Doch wie sehen die aus? Was es in Deutschland bei Wechseln junger Talente zu beachten gilt, verraten wir euch in unserem dritten Teil zu Vereinswechseln im Nachwuchsbereich.