Anbieten & Freilaufen im Spielaufbau – Der Außenverteidiger

Im Fußball wird gelegentlich von „kompletten“ Spielern gesprochen. Damit sind Fußballer gemeint, die in fast allen Fähigkeitsbereichen ein Mindestmaß an Qualität besitzen. So kann ein Spieler in einzelnen Bereichen Herausragendes leisten, ist jedoch noch nicht komplett, wenn in Anderen zu viele Schwächen vorhanden sind.

Ein kompletter Außenverteidiger

Die Bezeichnung „komplett“ lässt sich auch auf einzelne Positionen übertragen – in diesem Fall müssten alle Fähigkeiten, welche für die Position relevant sind, einen gewissen Standard erfüllen. So sind Daniel Carvajal von Real Madrid oder Liverpools Trent Alexander-Arnold beispielsweise „komplette“ Außenverteidiger – beide Spieler haben Qualitäten im letzten Drittel, sind aber auch sehr sicher im Defensivspiel sowie im Spielaufbau.

Die Rolle des Außenverteidigers im Spielaufbau

Vor allem der letzte Bereich – der Spielaufbau – wird für den Außenverteidiger immer wichtiger. Dies ergibt sich wohl auch aus dem allgemein gestiegenen Fokus auf die Sicherung Feldmitte im Defensivspiel. Dadurch wird das Spiel durch das Zentrum oftmals erschwert und frühzeitig in breitere Positionen gedrängt – somit wird der Außenverteidiger immer mehr zu einem wesentlichen Akteur im Spielaufbaus. Damit der äußere Verteidiger seinem Team im Aufbauspiel bestmöglich weiterhelfen kann, muss dieser nicht nur Qualität am Ball besitzen , sondern sich auch gut ohne diesen bewegen – dadurch kann er sich oder auch seine Mitspieler im Positionsspiel in günstige Ausgangssituationen für das Übergangspiel bringen.

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3 Lösungsansätze für das Anbiete- und Freilaufverhalten des Außenverteidigers

In diesem Beitrag möchten wir die Bewegung ohne Ball des Außenverteidigers einmal genauer anschauen. Dafür stellen wir euch 3 Lösungsansätze für das Anbiete- und Freilaufverhalten des Außenverteidigers im Spielaufbau vor. Dabei gehen wird nicht nur auf Details bei der Umsetzung ein, sondern auch auf die Frage, in welchen Spielsituationen die Anwendung der einzelnen Lösungsmuster sinnvoll ist.

#1 Lösungsmuster – Ins Zentrum einrücken

Die Außenverteidiger sind im Spielaufbau normalerweise die Spieler, welche für die Breite in den ersten Ebenen sorgen. Es gibt jedoch Szenarien, bei denen das Aufgeben dieser Positionierung an der äußeren Linie eine sinnvolle Option sein kann. Folglich ist unser erster Lösungsansatz das Einrücken ins Zentrum. Für diese Lösungsmuster haben wir 2 Spielsituationen vorbereiten, in denen die Bewegung in die Feldmitte eine günstige Option für den Außenverteidiger sein kann.

#1.1 – Einrücken, um ein Nach-Innen-Lenken zu umspielen

Bei unserer ersten Spielsituation lenken die gegnerischen Angreifer die Innenverteidiger nach innen & es wird nur mit einem Sechser gespielt. Dadurch schließen die Angreifer des Gegners die Passwege auf die äußeren Linien. Somit sind die Außenverteidiger nur schwer anzuspielen. Aus diesem Grund schiebt ein Außenverteidiger in den 6er-Raum – zum einen, um aus sich aus dem Deckungsschatten des gegnerischen Stürmers zu lösen. Zum anderen, um eine Überzahl im 6er-Raum zu kreieren.

Der linke Außenverteidiger bewegt sich in den 6er-Raum, löst sich damit und aus dem Deckungsschatten des Stürmers und stellt eine Überzahl im 6er-Raum her. Dieser wird in der Folge von dem ballbesitzenden Innenverteidiger bespielt.

Der linke Außenverteidiger bewegt sich in den 6er-Raum, löst sich damit und aus dem Deckungsschatten des Stürmers und stellt eine Überzahl im 6er-Raum her. Dieser wird in der Folge von dem ballbesitzenden Innenverteidiger bespielt.

Die gegnerischen Stürmer lenken die Innenverteidiger nach innen und stellen damit die Außenverteidiger in den Deckungsschatten.

Die gegnerischen Stürmer lenken die Innenverteidiger nach innen und stellen damit die Außenverteidiger in den Deckungsschatten.

#1.2 - Einrücken, um den Passweg auf den Außenstürmer zu öffnen

Das Einrücken des Außenverteidiger ist aber nicht nur eine nützliche Option, um auf ein Nach-Innen-Lenken des Gegners zu reagieren. Die Bewegung ins Zentrum kann der Außenverteidiger auch nutzen, um den Passweg auf den Außenstürmer zu öffnen. Durch die Bewegung in die Feldmitte, wird der äußere Mittelfeldspieler des Gegners in Richtung Zentrum „gelockt“. Dadurch verschwindet der Deckungsschatten auf den eigenen Außenstürmer und es kann am Flügel eine Linie überspielt werden. Das Ganze haben wir in einem Beispiel gegen ein 4-2-3-1 veranschaulicht.

Der äußere Mittelfeldspieler des Gegner nimmt die Bewegung des Außenverteidigers auf. Dadurch öffnet sich der Passweg auf den Außenstürmer.

Der äußere Mittelfeldspieler des Gegner nimmt die Bewegung des Außenverteidigers auf. Dadurch öffnet sich der Passweg auf den Außenstürmer.

Der Ball wird im Spielaufbau vom rechten Außenverteidiger auf den linken Innenverteidiger verlagert. Parallel dazu rückt der linke Außenverteidiger vor der gegnerischen Mittelfeldreihe ins Zentrum ein, während der linke Außenstürmer sich an die äußere Linie absetzt.

Der Ball wird im Spielaufbau vom rechten Außenverteidiger auf den linken Innenverteidiger verlagert. Parallel dazu rückt der linke Außenverteidiger vor der gegnerischen Mittelfeldreihe ins Zentrum ein, während der linke Außenstürmer sich an die äußere Linie absetzt.

Praxistipp:

Das Freispielen des Außenstürmers in Verbindung mit der zentralen Positionierung des Außenverteidigers kann in der Folge sehr gut für ein Vorderlaufen genutzt werden. Dabei dribbelt Außenstürmer den gegnerischen Abwehrspieler an, während der Außenverteidiger in dessen Rücken in die Tiefe startet.

Nach dem Pass auf die äußere Linie startet der linke Außenverteidiger direkt in die Tiefe und vorderläuft den Außenstürmer. Dieser dribbelt de gegnerischen Außenverteidiger an und spielt den Außenverteidiger dann im Rücken der Abwehr an.

Nach dem Pass auf die äußere Linie startet der linke Außenverteidiger direkt in die Tiefe und vorderläuft den Außenstürmer. Dieser dribbelt de gegnerischen Außenverteidiger an und spielt den Außenverteidiger dann im Rücken der Abwehr an.

#2 Lösungsmuster – die flache Positionierung des Außenverteidigers

#2.1 flache Positionierung, um Nach-Innen-Lenken zu überwinden

Ähnlich wie das Einrücken, kann auch eine flache Positionierung des Außenverteidigers genutzt werden, um ein Nach-Innen-Lenken des Gegners zu umspielen. Dabei setzen sich die äußeren Abwehrspieler bis auf die Höhe der Innenverteidiger ab. Lenken die gegnerischen Angreifer weiterhin nach innen, müssen diese in einen sehr großen Bogen beim Anlaufen der Innenverteidiger wählen. Andernfalls stellen die Angreifer die flachen Außenverteidiger nicht in einen Deckungsschatten. Durch den großen Bogen werden die aufbauenden Innenverteidiger sehr stark von der Seite angelaufen – ein sehr ungünstiger Anlaufweg für den Stürmer, da der Innenverteidiger viel leichter nach vorne „stoßen“ kann.

Das Überwinden eines Nach-Innen-Lenkens des Gegners ist jedoch nur ein von mehreren Möglichkeiten, um flache Außenverteidiger zu nutzen. Abhängig vom Anlaufverhalten des Gegners, kann die flache Position auch für ein Locken & Verlagern, ein Öffnen des Halbraums oder ein Zeitgewinn für den Außenverteidiger genutzt werden.

Der Gegner spielt in einem 4-3-3 Angriffspressing, bei welchem die Außenstürmer die beiden Innenverteidiger nach innen lenken. Der linke Außenverteidiger bietet sich sehr flach an. Dadurch muss der gegnerische Außenstürmer in einem sehr großen Bogen anlaufen, um den Außenverteidiger in einem Deckungsschatten zu halten. Dadurch kann der ballbesitzenden Innenverteidiger nach vorne stoßen und den Außenverteidiger in der Folge anspielen.

Der Gegner spielt in einem 4-3-3 Angriffspressing, bei welchem die Außenstürmer die beiden Innenverteidiger nach innen lenken. Der linke Außenverteidiger bietet sich sehr flach an. Dadurch muss der gegnerische Außenstürmer in einem sehr großen Bogen anlaufen, um den Außenverteidiger in einem Deckungsschatten zu halten. Dadurch kann der ballbesitzenden Innenverteidiger nach vorne stoßen und den Außenverteidiger in der Folge anspielen.

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Autor: Luis Österlein

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